Bruder Josef Hoffe SJ
* 21. Oktober 1891 in Brunskappel
3. Juni 1976 in Berlin

Am 3. Juni 1976 rief Gott unseren Br. Josef Hoffe nach kurzer Krankheit im Franziskuskrankenhaus zu Berlin, zu sich in sein ewiges Reich. Sein Hinscheiden hat uns eigentlich nicht traurig gestimmt, vielmehr ist es unsere Überzeugung, daß Br. Hoffe durch sein tiefgläubiges, frommes Leben vom Herrn die ewige Herrlichkeit erhalten hat und wir einen Fürsprecher an ihm haben.

Geboren wurde Josef Hoffe am 21. Oktober 1891 in Brunskappel im Hochsauerland. Seine Eltern gaben ihm eine echt katholische Frömmigkeit mit auf den Lebensweg, wozu das gelebte Glaubensgut seiner westfälischen Heimat viel mithalf. Nach seiner Schulzeit erlernte er das Schlosserhandwerk und legte darin die Gesellenprüfung ab. Nach einigen Gesellenjahren trat er 1913 ins Noviziat in s'Heerenberg/Holland ein. Eine besondere Fügung Gottes ist es, daß er als einziger Junge seiner Familie unter 6 Schwestern den Ordensberuf erwählte. Im Noviziat wurde er als Koch ausgebildet. Dieses Amt sollte er viele Jahre in den verschiedenen Häusern ausüben. Der Erste Weltkrieg rief ihn hinaus aus dem Noviziat ins Kriegslazarett 5 nach Antwerpen, wo er am 27.9.1915 die Ersten Gelübde ablegte. Als ausgebildeter Krankenwärter kam er 1918 aus dem Kriege zurück. Nun begann sein eigentliches Wirken im Orden. Zuerst kam er als Koch und Infirmarius nach Bonn. 1923 wechselte er in das neu erstehende Aloisiuskolleg Bad Godesberg (Augustastrasse) als Koch über. Aber schon im Juli 1924 riefen ihn die Oberen in die neu errichtete Niederlassung nach Oppeln (Oberschlesien).

In jenen Jahren entstanden im Osten Deutschlands und in Litauen mehrere Niederlassungen. Als das Kolleg in Kaunas (Litauen) im Entstehen war, wurde Br. Hoffe im August 1929 mit den ersten Brüdern dorthin entsandt. Er hatte es nicht immer leicht, ohne Kenntnis der Landessprache mit den litauischen Brüdern, die er zu Köchen auszubilden hatte, zurechtzukommen. Manch lustiges Mißverständnis konnte er später darüber berichten. In Kaunas blieb er bis 1935. Wiederum war es die Neugründung einer Niederlassung, die einen Standortwechsel für Br. Hoffe herbeiführte. Der Bischof von Ermland, Maximilian Kaller, hatte der Gesellschaft Jesu die Propstei und Wallfahrtskirche Heiligelinde (Ostpreußen) übertragen. Zur Kirche gehörte ein größeres Stiftsgut mit Forst- und Landwirtschaft. Hier hatte Br. Hoffe als Schlosser für die Reparaturen in Haus und Hof zu sorgen. Nebenbei betreute er die Geflügelwirtschaft; dabei konnte er gute Erfolge aufweisen.

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939 wurde er als Sanitätssoldat zur Wehrmacht einberufen. Aber nach einem Jahr kam er nach Heiligelinde zurück. Hier erlebte er dann die schweren Jahre des Zweiten Weltkrieges und den Einmarsch der Sowjetarmee Ende Januar 1945. Ein Jahr zuvor hatte er sich durch einen Unfall einen Knöchelbruch am rechten Bein zugezogen. Denselben Knöchelbruch erlitt er während der Russenzeit in zweites Mal. Im Krankenhaus zu Rössel fehlte dem Arzt jedes technische Hilfsmaterial, so daß der Fuß nur sehr schlecht heilte und Br. Hoffe für sein weiteres Leben einen orthopädischen Schuh tragen mußte. Ohne Stock konnte er nicht mehr recht gehen.

Seine Invalidität bewahrte ihn als einzigen von der Heiligelinder Kommunität vor der Verschleppung durch die Sowjets. Alle anderen Mitbrüder wurden verschleppt, zum Teil bis zum Ural, wie P. Fenger, P. Schulz und Br. Harwardt. P. Schulz starb an den Strapazen auf dem Transport. P. Schulte und Br. Behr wurden zum Arbeitseinsatz zur nächsten Kreisstadt gebracht, konnten aber nach drei Monaten wieder zurückkehren.

Im August 1945 kamen dann Mitbrüder der nordpolnischen Provinz nach Heiligelinde und übernahmen die Betreuung der zugereisten polnischen Bevölkerung, die nun im Ermland angesiedelt wurde. Br. Hoffe, der sich in den örtlichen Verhältnissen und mit den noch verbliebenen Deutschen gut auskannte, wurde von der polnischen Miliz eine Zeitlang zum Bürgermeister für die Deutschen bestellt. Er setzte sich gegen die Willkür und die Übergriffe der neuen Machthaber so sehr für die verbliebenen deutschen Landsleute ein, daß man ihn dann absetzte. Im Sommer 1947 durfte Br. Hoffe mit P. Schulte und Br. Behr in den deutschen Westen ausreisen. Br. Hoffe kam dann zur Niederlassung und Pfarrei St. Clemens in West-Berlin. Hier war er für die verschiedensten Arbeiten in Haus und Kirche zuständig. Mehrere Stunden täglich versah er noch den Pforten- und Telefondienst des Hauses. Er hatte bald guten Kontakt zu den Leuten der Pfarrei und alle schätzten seinen Rat und seine Hilfe. 1973 wurde die Kirche und das Haus St. Clemens Gemeindezentrum für die kroatischen Gastarbeiter in Berlin. Br. Hoffe mußte wieder umziehen; er wurde in das Peter-Faber-Kolleg (Berlin-Kladow) versetzt, dem ein Altenheim für die Senioren des Ordens angeschlossen ist. Aber Br. Hoffe wollte von einem geruhsamen Lebensabend noch nichts wissen, sondern versah auch hier für mehrere Stunden täglich den Pforten- und Telefondienst des Hauses. So hat er bis zur letzten kurzen Krankheit, aus der ihn der Herr heimholte, als treuer und gewissenhafter Ordensbruder seinen Mitbrüdern gedient.

Seine kernige und aufrechte Westfalennatur hat er sein ganzes Leben hindurch nicht verleugnet. Er war ein großer Beter und stand fest und treu zu den Ordensidealen. Zum Dienst für den Herrn war er in jungen Jahren angetreten; dem ist er sein Leben lang treu geblieben. Dabei war er nicht eng oder verklemmt, sondern aufgeschlossen für alles wahre Große, was in Kirche oder Orden sich auftat. Ohne jedes äußere Getue war er stets bereit, dem Mitbruder zu helfen und konnte keine Bitte abschlagen. So konnte es nicht ausbleiben, daß alle ihn gern mochten. Man konnte sich auf ihn ganz verlassen, sein gegebenes Wort galt. Sein ganzes Leben war stille, treue Arbeit im Dienst des Ordens für seine Mitbrüder. Wenn es auch manchmal bei Überanstrengung schwer wurde, er klagte nie und hielt durch. Das konnte er nur schaffen, weil er ein ganz innerlich vom Glauben und der Liebe Gottes geprägter Mensch war. Auf dem Friedhof in Berlin-Reinickendorf haben wir ihn am 8. Juni 1976 neben seinem Mitbruder P. Alfons Tanner zur letzten Ruhe gebettet.

R.i.p.

Bruder Bruno Harwardt SJ

Rundbrief 4/1976, S. 32f