P. Stephan Jordan SJ
* 30. Juli 1911 in Dresden
29. März 1969 in Potsdam

Nach langem, schwerem Krankenlager starb am 29. März 1969 in Potsdam P. Stephan Jordan. Über die letzten Augenblicke seines Lebens berichtet ein Brief: "Hoffentlich sind Sie über meinen Bericht nicht allzu deprimiert, aber ich teile es Ihnen nur mit, weil Sie damals die Hoffnung aussprachen, daß er nicht allein sein würde, und weil ich annehme, daß Sie die näheren Umstände interessieren. Am Tage des Todes war die Oberin der Mägde Mariens bei mir, sie hatte kurz vorher Herrn Pater Jordan verlassen. Er war bei völliger Besinnung, atmete schwer und bat sie wegen seiner Schwäche um Verzeihung. Zum ersten Mal sprach er davon, daß der liebe Gott ihn bald holen würde, und war völlig ergeben. Beklagt hat er sich nur - besser gesagt bedauert -, daß man ihm an dem Tage nicht die hl. Kommunion gebracht hatte, und hoffte, daß man am Sonntag käme. Da Schwester Oberin sah, daß sie ihn arg anstrengte, verließ sie ihn nach einer halben Stunde. Trotz seiner offensichtlichen Schwäche rechnete auch sie nicht mit einem so baldigen Hinscheiden. Dann ging wohl alles sehr schnell. Während die Schwester in seinem Zimmer den Sauerstoffapparat anschloß, war alles vorüber. Wenigstens starb er nicht ganz allein."

P. Jordan wurde am 30. Juli 1911 in Dresden geboren. Nach dem Abitur trat er am 16. April 1931 in Mittelsteine in die Gesellschaft ein. Nach dem Noviziat studierte er von 1933-36 Philosophie in Valkenburg und kehrte anschließend als Latein- und Griechischmagister ins Noviziat Mittelsteine zurück, wo er bis 1939 blieb. Die Kriegsverhältnisse zwangen ihn zu einem etwas bewegten Studium der Theologie: 1939-40 in Frankfurt/M., 1940-43 in Wien; den Rest studierte er privat. Von März 1944 bis Februar 1945 wirkte er als Kaplan und Konvertitenseelsorger in St. Ignatius in Breslau. Dann war er Kaplan in Radeburg/Sachsen (Februar 1945 - Januar 1946), in Pirna/Sachsen (Januar 1946 - Mai 1947) und in St. Peter/Dresden (Mai 1947 - August 1948). Sein Terziat machte er 1948-49 auf der Rottmannshöhe bei München unter der Leitung von P. Hayler. Für ein Jahr wurde er Lokalkaplan in Stadtlengsfeld.

Nach diesen etwas wechselvollen Jahren fand P. Jordan sein eigentliches Arbeitsfeld als Volksmissionar. Zunächst von Weimar aus, wo er seit 1956 auch Hausminister war, und dann ab 1959 bis 1966 von Rostock aus. In diesen 15 Jahren reiste er mit Auto und Trompete durch die Lande. Wenige Tage vor seinem Tode sagte er zu einem Mitbruder: "Ich habe alle meine Kräfte dem Herrgott geschenkt und mit Liebe missioniert. Ich habe aber auch immer mit Liebe mein Auto gepflegt". 1966 wurde er noch einmal Kaplan in St. Peter in Dresden. Seit 1967 machte sich dann das schwere Nierenleiden bemerkbar, von dem er sich nicht mehr erholen sollte. In diesem Jahr siedelte er nach Potsdam über, wo er bis zu seinem Tode blieb. Fast bis zum letzten Atemzug erhoffte er die Wiederherstellung und dachte an weitere apostolische Wirksamkeit.

Sein menschlich offenes Wesen, seine Liebe zur Musik und seine Erzählkunst machten es P. Jordan leicht, den Zugang zu den Menschen zu finden und sie zu Gott zu führen. Die Teilnahme einer Gemeinde aus Mecklenburg an seiner Beerdigung auf dem St. Hedwigsfriedhof in Berlin war ein beredtes Zeugnis für seine Arbeit im Reiche Gottes.

R.i.p.

Rundbrief 3/1969, S. 3f