P. Georg Kurz SJ
* 20. Dezember 1912
26. April 1977

Fragmentarisch nur kann dieser Nachruf sein. Vollständigeres könnte ich nur schreiben, wenn ich über viele Jahre hinweg in der - nicht nur räumlichen - Nähe von P. Georg Kurz gelebt hätte. Nun ja, liebte P. Kurz es nicht, sich etwas zu verstecken? Knapp sieben Jahre habe ich mit ihm an der Offenen Tür Hannover zusammengearbeitet. Schon bald wurde mir deutlich, daß er in seiner Person mehr war, als er äußerlich darstellte. Er verbarg sich hinter Zigarrenrauch, ärmlicher Kleidung und Ironie. Er machte es uns dadurch nicht leicht, an ihn heranzukommen. Manche kamen mit ihm nur schwer zurecht oder verstanden ihn nicht. Im Grunde litt er darunter, konnte aber nicht über seinen Schatten springen. Wer nicht aufgab, konnte sich von ihm gewinnen lassen. Darüber hinaus war sein umfassendes Wissen und seine Intelligenz mehr als eindrucksvoll. Dahinter verbarg sich eine große Güte und ein tiefes Empfinden. Wenn er auch keine Kämpfernatur war, wußte er sich doch verbunden mit den Kleinen und Schwachen. Er fühlte sich ihnen auch nicht überlegen, weil ihm offenbar war, daß Intelligenz und Begabung sekundär sind.

Georg Kurz wurde am 20.12.1912 in Rosdin Kreis Kattowitz/OS geboren. Nach dem Abitur trat er 1933 in Mittelsteine in die Gesellschaft Jesu ein.

Einige Stationen seines Lebens in der Societas:
Während des Interstizes half er in der Redaktion der Stimmen der Zeit. 1940 wurde er zur Wehrmacht eingezogen, war an der Ostfront und wurde April 1942 entlassen. In all diesen Jahren hat er viele Gedichte verfaßt, die an die Art Rilkes erinnern. Priesterweihe 1944 in Wien.

Im Jahre 1947 legte er in Pullach eine Dissertation vor mit dem Titel: Ansätze zur Systematik in der zeitgenössischen ästhetischen Literatur. Der Aufbau einer ontologischen Ästhetik.

Nach einer zweijährigen Tätigkeit als Kaplan in der St. Canisius-Pfarrei, Berlin-Charlottenburg, während der bewegten Jahre 1947-1949 begann er das Studium der Psychologie in München, das er mit dem Diplom abschloß. Operarius in Leipzig, Spiritual im Seminar zu Fulda und Superior der Residenz Marburg waren die nächsten Stationen. Danach - 1970 - kam er als psychologischer Mitarbeiter an die Offene Tür Hannover, wo er nun seine Fähigkeiten und seine väterliche Art entfalten konnte.

Die Krankheit kam plötzlich. Als er Ostern 1977 erfuhr, daß er sterben müsse, nahm er das auf in echtem Glauben. Er verstand es, diesen Glauben mit einem nunmehr milden Humor zu verbinden, der ihn bis zuletzt nicht verließ. Auf seinem Sterbebett sah man ihm an, daß er in einem höheren Sinn ein Wissender geworden war. Das war sein Geschenk an uns. So hat er vielen ein Osterzeugnis gegeben.

R.i.p.

P. George Platzbecker SJ

Rundbrief 3/1977, S. 26f