P. Gerhard Malik SJ
* 25. Oktober 1912 in Myslowitz, Kr. Kattowitz
10. Februar 1972 in Berlin-KLadow

In den Aufzeichnungen, die P. Malik während seiner Jahresexerzitien zu machen pflegte, steht: "Der Gehorsam fiel mir leicht, weil es vom Provinzial kam, in dessen Amt und Stellung ich Dich sehe im Glaubensgeist; dem zu dienen ich mich angeboten habe durch meine Gelübde." P. Hillig zeichnete in seiner Grabrede die Grundlinie im Leben P. Maliks. Sie hieß: "Verfüge über mich!" Rückblickend darf man sagen, daß P. Malik das bis zur letzten Konsequenz gelebt und durchlitten hat. Während seines ganzen Lebens zögerte er nicht, sich dem Herrn zur Verfügung zu stellen.

P. Malik stammte aus Oberschlesien. Unter drei Brüdern und vier Schwestern war er das dritte Kind. Er wurde am 25. Oktober 1912 in Myslowitz, Kr. Kattowitz, geboren. In der Taufe erhielt er die Namen Gerhard Johannes. Nach der Volksschule in Myslowitz und Neudorf, Kr. Oppeln, besuchte er die Oberrealschule (1923-29), von der er zur Berufs- und Handelsschule in Oppeln überwechselte. Es folgten drei Jahre Lehre an der Oberschlesischen Bauhütte/Oppeln, die er mit der staatlichen Gesellenprüfung im Baufach abschloß. In diesen Jahren der Schule und Lehre gehörte er dem Bund Neudeutschland an. Damals dürfte auch sein Entschluß gereift sein, in den Orden einzutreten, um in die Mission zu gehen. Seit 1933 bereitete er sich am Campion College in London-Osterley auf das Abitur vor, das er 1935 bestand.

Am 1. Juli 1935 trat er in Mittelsteine, wo P. Pies Novizenmeister war, in die Gesellschaft Jesu ein. Nach Noviziat und Juniorat studierte Frater Malik in Pullach bei München Philosophie. Da inzwischen der Krieg ausgebrochen war, wurde auch er 1940 einberufen, aber bereits 1941 mit vielen anderen Jesuiten als "wehrunwürdig" entlassen. So war es ihm möglich, sein unterbrochenes Studium fortzusetzen. In jenen schwierigen Jahren mußte man sehen, wo man zum Studium unterkommen konnte. So begann P. Malik im Oktober 1941 mit dem Studium der Theologie im Priesterseminar Klagenfurt. Nach 2 Semestern siedelte er nach Frankfurt/St. Georgen über. Bereits am 9. November 1942 wurde er vorzeitig durch Bischof Albert Stohr in Mainz zum Priester geweiht. Noch im gleichen Monat ernannte ihn Bischof Preysing zum Kaplan in St. Marien in der Wrangelstraße, Berlin. Hier erlebte er die schweren Bombenangriffe und die ganze Not der Kriegsjahre.

Nach Kriegsende kam er endlich dazu, das unterbrochene Studium der Theologie zum Abschluß zu bringen, zunächst in Pullach (1945-47) und dann das 4. Jahr in Heythrop/England. Unmittelbar daran schloß sich das Terziat in St. Beuno's in England an.

P. Malik hatte sich ursprünglich für die Sambesi-Mission in Rhodesien gemeldet. Als aber nach dem Zusammenbruch des japanischen Kaiserreiches alles darauf hinzudeuten schien, daß sich dieses Volk der Botschaft des Evangeliums öffnen werde, suchte die Ordensleitung in Rom Missionsfreiwillige für Japan. P. Malik stellte sich zur Verfügung.

Am 3. November 1949 kam er auf dem Weg über die USA in Japan an. Die erste Aufgabe, die dort auf ihn wartete, war die Sprachschule. Zwei Jahre lang bemühte sich der 37-jährige, in die Geheimnisse des Japanischen einzudringen. Es scheint ihm nie so recht gelungen zu sein. Dann folgte der Einsatz an verschiedenen Orten: zuerst als Minister des Studentenheimes der Sophia-Universität und dann im Scholastikat in Tokyo. 1958 wurde er nach Kure, einem alten Kriegshafen bei Hiroshima, versetzt, wo er vier Jahre lang in der Pfarrei half. Dort taufte er einen jungen Mann, der - vom Heiligen Vater 1970 in Manila zum Priester geweiht - heute als Weltpriester in Tokyo tätig ist. 1962 kam P. Malik als Deutschlehrer an die Sophia-Universität. Diese Aufgabe scheint ihm viel Freude bereitet zu haben.

Im Jahr 1968 verfügte der Herr wieder über ihn. Der Provinzial der Japanischen Provinz, P. Hayashi, schreibt dazu: "Die von außen dirigierten unerwarteten Studentenkrawalle führten bei P. Malik zu jenem Zusammenbruch, der nach kurzem Erholungsaufenthalt bei den deutschen Barmherzigen Brüdern in Tokyo die Rückkehr in die Heimat notwendig machte".

Seit dem 9. Februar 1969 lebte er wieder in seiner Heimatprovinz, im Peter-Faber-Kolleg in Berlin. Still, bescheiden und betend ging er den Weg, den der Herr ihm wies. Es war ein Leidensweg, der ihm aber letzte Reife und Vollendung schenkte. In seiner Grabrede sagte P. Hillig: "Der Malik vor dem Zusammenbruch war nach einmütigem Zeugnis aller, die ihn kannten, der frohe, gütige, stets hilfsbereite Mensch, als dessen Symbol die geliebte Geige gelten mag. Der Malik der letzten Jahre, die ich allein kannte, war still, tapfer, unendlich anspruchslos und geduldig. Er war ein Beter; er weilte oft lange in der Kapelle."

"Alles wird so einfach in der Gegenwart des Tabernakels" hat er sich einmal notiert. Ein anderes Mal schrieb er sich auf: "Wo mich der Obere einsetzt, da ist jetzt für mich Christi Ruf, da gehe ich mit Ihm und Er ist da und kann sich meiner bedienen." Dazu sagte P. Hillig: "Am Ende seines Lebens, in jenen Kladower Jahren hat ihn der Herr ohne Zwischenschaltung eines Menschen direkt berufen und an sein Kreuz geholt. In diese Gnade war er nach Ausweis seiner Aufzeichnungen im Laufe seiner Priesterjahre hineingewachsen durch die tägliche Darbringung des hl. Opfers, die ihm bis zu seiner Einlieferung ins Krankenhaus möglich geblieben war. Noch auf ihrer letzten Seite findet sich die Eintragung: 'Erlösungstod - etwas Ungeheures; andere Religionen haben das nicht ... Auftrag im Priesterleben, bewußter das hl. Meßopfer zu feiern; hineinnehmen Selbstdarbringung aller Fähigkeiten und Leiden, im Geiste der adoratio, reparatio, supplicatio.' Malik war Missionar. Er war gerufen und gesandt, das Reich Gottes in Japan ausbreiten zu helfen. Er hat das wohl am wirksamsten getan - auch und gerade in den letzten stillen Jahren in Kladow draußen - durch die Darbringung des hl. Opfers, in das er sein Lebensopfer hineingab."

Dieses Lebensopfer vollendete er, als er am späten Abend des 10. Februar 1972 an den Folgen eines Schlaganfalles starb, den er kurz vor Weihnachten 1971 erlitten hatte

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R.i.p.

Rundbrief 2/1972, S. 38ff