P. Paul Mianecki SJ
26.Januar 1965 in Berlin

Wer mit P. Mianecki zu tun hatte, merkte meist sehr bald, daß unser P. Provinzial seit seiner schweren Erkrankung vor zwei Jahren merklich gealtert war und seine Arbeitskraft spürbar nachgelassen hatte. Dennoch schien es, daß er die Nachwirkungen des Herzinfarktes überstehen werde. Im November v. J. war er aus Kur und Erholung sichtlich gekräftigt und frisch zurückgekommen und hatte mit der ihm eigenen Gewandtheit und Geschicklichkeit seine Arbeiten sofort aufgenommen. Aber schon bald nach Weihnachten fingen seine Kräfte wieder an nachzulassen. Er spürte dies auch selbst. Deshalb hatte er vor - als er starb, waren die Einzelheiten dafür schon geregelt - bald nach der Provinzkongregation erneut zu einer Kur und zur Erholung nach Westdeutschland zu fahren, um sich auch gesundheitlich für die Generalkongregation zu rüsten.

Als Ursache für die immer häufiger und heftiger auftretenden Angina-pectoris-Anfälle wurde von den Ärzten mangelnde Durchblutung des Herzens angegeben. Als es am 23. Januar P. Mianecki 'ganz miserabel' ging, wie er selbst sagte, wurde der ihn behandelnde Arzt, Chefarzt Dr. Gawron, verständigt. Dieser bat P. Mianecki ins St. Franziskus-Krankenhaus und behielt ihn sofort zu gründlicher Untersuchung und Behandlung dort. Im Krankenhause wiederholten sich die Herzanfälle, die sich meist sehr plötzlich und unerwartet einstellten.

So war es auch am 26. Januar. Chefarzt Dr. Gawron besuchte etwa um 15.15 Uhr seinen Patienten und setzte sich zu ihm ans Bett. Beide unterhielten sich über völlig belanglose, nebensächliche Dinge. Keiner von beiden dachte an ein plötzliches Sterben. Darum hat P. Mianecki in diesen letzten Minuten seines Lebens auch kein Wort des Abschiedes gesprochen, uns keinen Auftrag hinterlassen usw. Und als um 15.30 Uhr plötzlich ein schwerer Anfall einsetzte, konnte der Arzt den Sterbenden nur in seine Arme nehmen und aufrichten. Und ehe weitere Hilfe zur Stelle war, war P. Mianecki schon verschieden. "Das schon sehr geschwächte Herz versagte innerhalb von 1 - 2 Minuten. Es war ein sehr schwerer, aber auch sehr kurzer Todeskampf, von dem der Pater wahrscheinlich nicht mehr viel gemerkt hat", berichtete uns der Arzt. Montag, den 1. Februar, haben wir P. Provinzial Mianecki auf dem St. Hedwigsfriedhof in Berlin-Reinickendorf beigesetzt. Das Requiem wurde von P. Soballa in der benachbarten St. Rita-Kirche der Patres Augustiner zelebriert. P. Heinrich Klein hielt die Traueransprache, in der er die Treue und Hingabe des Verstorbenen als Verkünder des Wortes und als Oberer hervorhob. Sehr viele Priester und zahlreiche Gläubige aus den verschiedensten Ständen wohnten dem Requiem und der Beerdigung bei.

Wie sehr die Nachricht vom Tode P. Mianeckis allgemein überraschte, geht aus vielen Beileidsschreiben hervor. Nicht wenige von denen, die uns schrieben, hatten noch kurz vorher mit ihm zu tun gehabt oder von ihm Nachricht erhalten. Umso unfaßbarer war jetzt die Todesnachricht. So schreibt der Bischof von Fulda: Noch vor wenigen Tagen hatten wir uns geschrieben! Und der Bischof von Mainz rief gar nach seinem Tode noch an und wollte ihn sprechen.

Der äußere Lebenslauf unseres verstorbenen P. Provinzials wird auf beiliegendem Totenbildchen geschildert. Hier seien nur noch zwei kleinere Ergänzungen hinzugefügt. Ostern 1927 traten in Mittelsteine zehn Kandidaten ein. Alle zehn sind Priester geworden. Zwei sind heute Weltpriester. Und P. Mianecki, der erste und öftere Bidell des Kurses, ist heute nach 38 Jahren auch der erste Tote. Die andern sieben leben in Berlin, in der Bundesrepublik und in Brasilien. Im Jahre 1938 wurden 12 Diakone geweiht. 1963 beim 25jährigen Jubiläum lebten noch alle. Kurz darauf starb P. Klose, und jetzt P. Bruno Schmidt und als dritter P. Mianecki.

R.i.p.

Rundbrief 1/1965, S. 2