Bruder Adalbert Moschall SJ
* 21. September 1890
24. April 1977

In der noch vorliegenden Geburtsurkunde von Br. Moschall steht: Am 21. September 1890 wurde dem Tischler und Eigenkäthner Julius Moschall und seiner Ehefrau Magdalena Moschall geb. Behlau, beide katholischer Religion, wohnhaft in Kiwitten, Krs. Heilsberg, ein Kind männlichen Geschlechts geboren, welches den Vornamen Adalbert erhalten habe.
Damit war unser Br. Moschall registriert und Erdenbürger geworden, hineingeboren in eine gut katholische Familie des Ermlandes, jenes deutschen Grenzlandes, das einst im 12. Jahrhundert vom Deutschen Ritterorden dem Christentum erschlossen wurde. Sein Vorname Adalbert, nach dem Martyrerbischof und Patron des Preussenlandes benannt, war für ihn Vorbild des Glaubens. Schon als Kind wollte er später einmal Pfarrer werden, doch ein Onkel der Pfarrer war, riet davon ab, da er keine Begabung zum Singen habe. So wuchs er mit mehreren Geschwistern wohlbehütet im kath. Glauben auf. Mit den Eltern und größeren Geschwistern machte er die Wallfahrten zum etwa 40 km entfernten Marienheiligtum Heiligelinde mit seiner prachtvollen Barockkirche mit. Es war im Ermland Gelöbnis einzelner Pfarrgemeinden, einmal im Jahr diesen Opfergang nach Heiligelinde zu machen. So wurde in ihm schon früh die Marienverehrung grundgelegt, die ihm das ganze Leben hindurch eigen war.

Nach seiner Schulzeit erlernte er das Schneiderhandwerk. Mit dem Gesellenbrief in der Tasche zog er in die Kreisstadt Braunsberg, wo er ein paar Jahre in diesem Beruf arbeitete. Aber seine tief religiöse Einstellung suchte nach höheren Gütern. So fuhr er mit 22 Jahren nach s'Heerenberg in Holland und trat dort am 14.9.1912 in das Noviziat der Jesuiten ein. Nun hatte sein Leben eine Mitte und ein erstrebenswertes Ziel gefunden. Er arbeitete dort als Schneider und half auch sonst gern im Hause mit. Während des 1. Weltkrieges wurde er 1917/18 zum Sanitätsdienst eingezogen. Danach kam er in das große Kolleg nach Valkenburg und fand Arbeit in seinem erlernten Beruf.

Als 1925 ein neues Gymnasium in Berlin-Charlottenburg im Erstehen war, kam Br. Moschall mit den ersten Patres und Brüdern nach Berlin. Hier sollte er - mit nur kurzer Unterbrechung im 2. Weltkrieg - über 50 Jahre bis zu seinem Tode wirken. Immer freudig und jederzeit hilfsbereit, verrichtete er treu und gewissenhaft seine Arbeiten. Man merkte es ihm an, dass er ganz aus dem Glauben lebte, ohne darüber viele Worte zu machen. Stets hatte er ein feines Lächeln im Gesicht und konnte keine Bitte eines Mitbruders abschlagen. Er war ganz im Orden zu Hause und verstand seine Arbeit ganz im Dienste der priesterlichen Aufgaben seiner Mitbrüder. Darum trug er Sorge dafür, dass die Kleidung seiner Mitbrüder immer ordentlich und sauber war. Wie viele Ordenskleider und Anzüge er in seinem langen Leben geschneidert und ausgebessort hat, das kann Gott allein wissen. Er war ein tieffrommer, gläubiger Mensch im wahrsten Sinne des Wortes. Oft kniete oder saß er in der Kapelle vor dem Altar der Gottesmutter und betete. Er lebte so aus dem Glauben, dass es auch Auswärtige spürten, die mit ihm Kontakt bekamen. So machte er gern Aushilfen an der Pforte und beim Telefondienst, da konnte er manchem ein gutes Wort auf den Weg mitgeben. Er zeigte immer eine frohe Aufgeschlossenheit und hatte ein ausgeglichenes Wesen, obwohl er an einer sehr labilen Gesundheit zu tragen hatte. So war er für Erkältungen sehr empfänglich und trug viele Jahre hindurch ein schmerzhaftes Rheumaleiden, das er eigentlich nie mehr loswurde.

Das Ende des zweiten Weltkrieges erlebte er in Beuthen/Oberschlesien, wohin er nach der Zerstörung des Berliner Kollegs versetzt worden war. Dort hat er den Einmarsch der Russen mit all den Drangsalen erlebt. Als das Gebiet dann unter polnische Verwaltung gestellt wurde, bekam er mit mehreren Patres im Juli 1945 die Ausreise nach Berlin. So kam er zuerst nach (Ost-)Berlin-Biesdorf in das Exerzitienhaus, wo sich langsam eine größere Kommunität sammelte. Inzwischen entstand in Berlin-Tiergarten (Brit. Sektor) das Canisius-Kolleg aufs neue. Im September 1959 übernahm er dann mit 63 Jahren noch einmal eine volle Arbeitsstelle als Schneider an diesem Kolleg. Er hat viel zum guten Geist dieses Hauses beigetragen durch seine aufrichtige brüderliche Liebe gegen jedermann. Als seine Lebenskräfte durch das Alter abnahmen, mußte er wohl jedes Jahr einmal zur Aufbesserung seiner Gesundheit ins Krankenhaus gehen; aber auch da blieb er immer freundlich und gelassen.

Als seine Lebenskräfte immer mehr abnahmen und er besonderer Pflege bedurfte, kam er im Mai 1976 in das Seniorenheim beim Peter-Faber-Kolleg (Berlin 22, Kladow). Dort hat er die wohlverdiente Altersruhe gefunden, wenn auch nur für ein paar Monate. Als er eines Tages über Seitenschmerzen klagte und von der Krankenschwester der Arzt gerufen wurde, konnte keine genaue Diagnose gestellt werden. So kam er erst einen Tag später ins Gertraudenkrankenhaus (Berlin 31, Wilmersdorf), wo die Ärzte dann eine akute Blinddarmentzündung feststellten. Die dann ausgeführte Operation ergab einen sehr negativen Befund. Die Erkrankung war schon zu weit fortgeschritten, so daß Br. Moschall nach zwei Tagen ruhig in die Ewigkeit gegangen ist.

Und wir können hier getrost die Verheißung des Herrn anfügen: "Du guter und getreuer Knecht, geh' ein in die Freude Deines Herrn. Weil Du über Weniges getreu gewesen bist, will ich Dich über Vieles setzen."

R.i.p.

Bruder Bruno Harwardt SJ

Rundbrief 4/1977, S.37ff