P. Josef Müldner SJ
26. November 1984 in Berlin-Kladow

Mit strahlenden Augen, mit vollem, rosigem Gesicht und mit weißen Haaren über der hohen Stirn, so stand P. Josef Müldner vor uns Leipziger Jesuiten. Er hatte es einmal wieder geschafft. Von Jena, per Bahn, mit Umsteigen und trotz der nicht ganz überwundenen Folgen des ersten Schlaganfalls. Der Stock, der das behinderte Bein unterstütze, kam in die Ecke, die Hängetasche wurde abgelegt und nachdem er sich frisch gemacht hatte, setzte er sich an das späte Mittagessen, wir um ihn herum. Dann erzählte er, wie es ihm bei den Schwestern im Altersheim gut gehe und wie er viel lese, vor allem Kirchengeschichte. Nach Mittagsschläfchen und Nachmittagskaffee stand er uns als Beichtvater und für brüderliche Gespräche zur Verfügung. Er tat es gern, er tat es bescheiden und voll Freude, noch aktiv sein zu können. Das war in seiner letzten Lebenszeit.

P. Josef Müldner wurde am 9. August 1911 in Breslau geboren, in der großen schönen Hauptstadt Schlesiens mit ihrem berühmten gotischen Rathaus, mit seinen gotischen und barocken Kirchen und mit seiner von Oderarmen umflossenen 'Dominsel' mit Kreuzkirche, Dom, bischöflichem Palais, Theologenkonvikt, bischöflichem Knabenkonvikt und dem seit 1924 von Jesuiten geleiteten 'Internat Kurfürst Franz Ludwig', in dem auch P. Müldner in seinem Interstiz (1936/37) Präfekt für die 'Mittelabteilung' der betreuten Jungen war.

Josef war eines von sieben Geschwistern, drei Mädchen und vier Jungen, er selbst Zwillingsbruder von Max. Sein Vater war ein tüchtiger Rechtsanwalt, der schon 1926 starb, als Josef fünfzehn Jahre alt war und das jüngste der Geschwister, ein Mädchen, erst fünf. Mutter Müldner - sie starb 1961 - zog nach Vaters Tod mit den Kindern in die Villa ihres Vaters Skeyde. Dieser war reich. Er hatte aus einem Eisengeschäft ein Unternehmen mit etwa 150 Angestellten aufgebaut. Josef hatte eine gut versorgte und behütete Jugend. Man sagt, er sei freundlich, bescheiden und fromm gewesen, auch ausdauernd, zuverlässig und energiegeladen, ein begeisterter Schwimmer, dabei aber ein wenig gefühlsarm oder nicht recht fähig, Gefühle zu äußern. Zeitig erhielt er Geigenunterricht und wurde ein guter Geigenspieler.

Breslau verdankt den Jesuiten ein Kolleg (1649), das spätere humanistische Matthiasgymnasium, eine Universität, die 'Leopoldina' (1702), dazu als Krönung und Zusammenhalt die barocke Matthiaskirche (1698 fertiggestellt).

Josef besuchte das Matthiasgymnasium. Mit unserem P. Bernhard Mertz verwandt (sie waren Vettern) und gleichaltrig, war er von der Obersekunda bis zum Abitur mit ihm in derselben Klasse.
Das Matthiasgymnasium hatte eine blühende MC (Marianische Kongregation). Josef hatte sich ihr angeschlossen, brachte auch Bernhard zur MC und war dort Gruppenführer - Bernhard meint, ein vorbildlicher. So war seine Frömmigkeit nicht nur 'ein stiller Glanz von innen', sondern aktiv. Regelmäßig radelte er zum Kloster der Redemptoristen im Stadtteil 'Grüneiche' und ministrierte in der heiligen Messe. Josef und sein Vetter Bernhard machten 1931 Abitur.

Josef ging nach dem Abitur geradewegs nach Mittelsteine in das Noviziat. Bernhard kam ihm auf dem 'Umweg' über vier Semester Theologie nach. Da hatte Josef das Noviziat bereits hinter sich, hatte am 23. April 1933 die Ersten Gelübde abgelegt und war Junior, also auf dem Sprung in die Studien und im vorbereitenden Training für sie. Allerdings war auch Josef mit Verspätung ins Noviziat gekommen. Er hatte nach dem Abitur zusammen mit seinem Konabiturienten, dem späteren P. Hans-Werner Mende, eine Mittelmeerreise machen dürfen. Beide trafen erst am 19. April (1931) in Mittelsteine ein. Die anderen Kandidaten waren schon am 16. gekommen.

Seine philosophischen Studien machte Fr. Müldner von 1933 bis 1936 in Valkenburg. Er gehörte zu den letzten deutschen Fratres, die dort studieren konnten. Die deutsche NS-Regierung hatte scharfe und komplizierte Devisenvorschriften erlassen und die berüchtigten 'Devisenprozesse' gestartet. Die Studien wurden von da an in St. Georgen (Frankfurt/Main) betrieben. Dort studierte Frater Müldner von 1937 bis 1940 Theologie. Davor lag ein relativ kurzes Interstiz bei den Jungen in Breslau. Das vierte theologische Jahr machte er in Wien.

Das Geigenspiel hatte er nach dem Eintritt in die Gesellschaft aufgegeben, spielte aber die Geige bei manchen festlichen Gelegenheiten immer noch sehr gut. Dabei stand er unbeweglich und ein wenig eckig vor dem Notenpult. Das und seine auch sonst etwas eckigen Bewegungen brachten ihm den Spitznamen 'das hölzerne Bengerle' ein. Er hat sich darüber niemals böse gezeigt. Sein zweiter Spitzname war 'der Spiritual'. Dieser Beiname, schrieb ein Mitbruder, charakterisiere seine gute geistliche Einstellung und Haltung: klar und konsequent. Er konnte in geistlichen Gesprächen den Zeigefinger heben, ein wenig gekrümmt, wichtig und doch bescheiden zurückhaltend, manchmal aus schelmischen Hintergrund, manchmal erfüllt von großem geistlichen Ernst.

In den Studien war er kein Überflieger. Aber er hat das Studium durchgehalten, zäh und gradlinig dem Ziel entgegen, und er hat die Examina geschafft, wenn er sie auch nicht im 'großen', sondern im 'kleinen' Kahn durchruderte. Er kam gut am Ziel an: 1940 Priesterweihe in Berlin durch Bischof Preysing, in der Kriegszeit, wegen der drohenden Einberufung zur Wehrmacht schon am 17. März, Letzte Gelübde am 3. Februar 1947.

Noch vor Beendigung des vierten theologischen Studienjahres (1940-41) in Wien wurde er im Mai 1941 zur Wehrmacht geholt. Nach Kriegsende machte er erst einmal (194546) in Köln sein Terziat. Terziariermeister war damals P. Walter Sierp. Dann konnte er endlich das ersehnte Ziel seines Lebens verwirklichen: priesterliche Arbeit als Jesuit.

1946 wurde er Pfarrvikar in Dresden-Pillnitz mit der königlichen Schloßanlage und dem großen Schloßpark an der Elbe. Er erreichte, daß die Fronleichnahmsprozession im Pillnitzer Schloßpark gehalten werden konnte. Er wohnte in dieser Zeit bei den Mitbrüdern im 'Haus Hoheneichen', ganz nahe bei Pillnitz im 'Jägerhaus', wirklich sehr bescheiden. Aber er hielt die Augen offen und so gelang es ihm, das Ferienhaus der Familie Brockhaus (des Bruders des Verlegers) zu erstehen und als Pfarrhaus einzurichten. Heute wohnt dort der Bischof. Aus dieser Gemeinde Dresden-Pillnitz, eine ganz große Freude für P. Müldner, sind drei Priester hervorgegangen. Zweien von ihnen verschaffte er 1949 die Möglichkeit, im Regensburger Priesterseminar aufgenommen zu werden.

1956 wurde er Studentenpfarrer für Zwickau und Karl-Marx-Stadt (damals noch Chemnitz), 1960 Pfarrvikar in Lengenfeld im Vogtland und 1963 in Mülsen, in der Nähe von Zwickau. Brüderlichen Rückhalt hatte er in diesen Jahren an der kleinen Residenz, die wir von 1956 bis 1975 in Zwickau hatten.

Am 3. Januar 1964 begann für P. Müldner seine größte und schönste Zeit: Pfarrer in Erfurt-Hochheim an 'St. Bonifatius'. Hochheim liegt als halbstädtisches Dorf am Rande der Stadt Erfurt mit ihrem Bischofssitz und dem 'Philosophisch-theologischen Studium'. In Hochheim waren seit 1945 Jesuitenpatres als Pfarrer eingesetzt: P. Heinrich Graf, P. Hermann Jäger, P. Stanislaus Nauke und dann P. Müldner. Im Haus der Unsrigen wohnten außer dem Pfarrer noch weitere Jesuiten und es beherbergt seit 15.09.1958 unseren Ordensnachwuchs, der in Hochheim das Noviziat und Scholastikat absolviert, zusammen mit den anderen Philosophie- und Theologiestudenten die Vorlesungen hört und die entsprechenden Examina ablegt, bevor es nach Neuzelle in der Nähe von Frankfurt/Oder ins Priesterseminar geht.

So war P. Müldner fest eingewurzelt in einem Kreis von Mitbrüdern, für die er Jahre hindurch auch der Pater Minister war. P. Müldner übernahm in Hochheim eine gut geformte Gemeinde, die treu zum Gottesdienst kam und singen konnte, daß es eine Freude war. Seine baulich größte Leistung war die Totalrenovierung der Pfarrkirche. Der Umbau der Kirche ist P. Müldner gut gelungen. Der Raum ist weit und hell geworden. Ein besonderer Schmuck ist der nicht übertrieben moderne Kreuzweg.

Die Gläubigen waren mit ihrem Pfarrer zufrieden. Auch wenn er, bei aller Bereitschaft zu Ausgleich und Übereinstimmung, in Positionen, die er als richtig erkannt hatte, unnachgiebig war, freundlich aber fest. So z.B. wußten seine Jugendlichen: Wenn bei festlichen Veranstaltungen ein Schlußpunkt gesetzt war, dann galt das, dann war pünktlich Schluß. Und hinterher gab es nur noch das Aufräumen. Er liebte eben die klaren, konkreten, festen Entscheidungen.

Gerne machte er seelsorgliche Hausbesuche. Er wollte seine Gläubigen kennenlernen. Hochzeiten, Taufen, Erstkommunionfeiern, Firmungen und Beerdigungen waren für ihn beste Gelegenheiten dazu. Nicht aber, wenn sie in Lokalen gehalten wurden. Er traf die Menschen am liebsten in ihrer Familie und Verwandtschaft, in übersehbarer Zahl. "Zu Hause ist es viel schöner", sagte er. Da konnte er gelöst und herzlich sein; da spürten alle, wie sehr er auch mitfühlend war und wie er mit den Jahren väterlich wurde.

Zur Betreuung der Pfarrei kam für P. Müldner die Sorge für die Mitbrüder, er war ja der Pater Minister des Hauses. Auch in diesem Amt war er entgegenkommend, ausgleichend, ertrug er gelegentliche Unfreundlichkeiten und Grobheiten, ohne mit gleichem Geschütz zurückzuschießen, hat aber darunter echt gelitten. "Ist nicht so schlimm...", konnte er sagen und bewegte dabei beschwichtigend einen oder beide Arme mit ausgestreckten Händen leise auf und ab. Gern sorgte er für gutes Essen. Auch seinetwegen, denn er war kein Kostverächter.

Wie er einem guten Essen nicht abhold war, so machte er gerne schöne Ferien. Das Ergebnis war ein gut erholter Pfarrer und Mitbruder und manches gute Buch, das er bei dieser Gelegenheit besorgte. In Oberammergau war er im Kinderheim 'Hänsel und Gretel' ein willkommener Gast. Aber es zog ihn weiter, zum Pfarrhaus eines hochgelegenen Bergdorfes.

Im Mai 1978 ließ der Herrgott die noch nicht vermutete neue Lebensphase über ihn kommen, im Monat der Gottesmutter, die er persönlich sehr verehrte. Es begann mit einem schleichenden Schlaganfall. Er konnte nicht mehr ruhig stehen, ohne zu wanken, er konnte nicht mehr richtig geradeaus gehen. "Ich komme heute mit dem Stock zu Euch", sagte er zu den Gläubigen in der Kirche, "ich habe Rechtsdrall". Er versuchte, die Gottesdienste durchzuhalten, im Sitzen zu predigen und auch die heilige Kommunion auszuteilen. Dann aber mußte er doch aufgeben, - und das fiel ihm wahrhaftig nicht leicht, obwohl er auch in dieser Situation nicht wehleidig, sondern nüchtern und tapfer blieb.

P. Müldner mußte ins Krankenhaus. Aber im 'Katholischen Krankenhaus' war kein Bett frei. Da griff der damalige Bischof von Erfurt, Hugo Aufderbeck, ein: "Für einen Priester ist in einem katholischen Krankenhaus immer ein Bett frei." So kam es dann auch und P. Müldner kam zum Liegen, was ihm gar nicht gefiel. Mit Freude und Zuversicht ging er, als sein Zustand sich gebessert hatte, wieder nach Hause. Aber es folgte ein weiterer leichter Schlaganfall oder gar zwei, und zusätzlich wurde eine Gallenoperation notwendig. Wieder mußte er ins Krankenhaus, mußte wieder liegen und liegen. Und er mußte ganz sparsam essen, es kam ihm das vor wie eine Hungerkur und das alles gefiel ihm auch diesmal gar nicht. Außerdem mußten gymnastische Übungen gemacht werden, die er durchhielt, auch wenn sie ihm Mühe machten: "Jetzt müssen wir wieder turnen - ach, jetzt geht es wieder los..." Sein Radio wollte er auf keinen Fall missen, mit gutem Grund: gegen den geistigen Abbau: "Das brauche ich zum geistigen Training!"

Endlich hatte er es dann geschafft. Er konnte das Krankenhaus endgültig verlassen. Die Gemeinde mit ihrem neuen Pfarrer, der wieder ein Jesuit ist, bereitete ihm eine schöne Abschiedsfeier, und dann ging es zu katholischen Ordensschwestern nach Jena: Hausgeistlicher im Altersheim.

Er konnte auch wieder Reisen versuchen. So als Beichtvater zu den Mitbrüdern in Leipzig. Am 14. Juni 1981, einem Sonntag, war er Gast bei der 250-Jahrfeier seiner Hochheimer Bonifatiuskirche. Beim Festgottesdienst hielt er eine kleine Ansprache. "Die Seelsorge sei immer das Wichtigste", führte er aus. Er schaffte es auch noch, auf 'Rentnerreise' zu gehen. Mit Hängetasche und Stock, vorsichtig, aber unternehmungslustig. Auch da noch 'organisierte' er manche Bücher. Sie wurden ihm nach Jena geschickt. Dort las oder beschnupperte er sie und gab sie dann den Mitbrüdern in Erfurt-Hochheim.

Ende April 1983 kam für ihn die letzte 'Rentnerreise'. Es ging auch diesmal zunächst zur Schwester in Nürnberg. Er hatte wieder einmal ein plötzliches totales Versagen des Gehörs erlebt, im Beichtstuhl in Jena. Von da an mußte er darauf verzichten, in der Pfarrei im Beichtstuhl auszuhelfen. In Nürnberg wollte er sich nun ein Hörgerät besorgen und seine Übersiedlung in unser Altersheim in Berlin-Kladow besprechen. Wir in Leipzig staunten bei seinem letzten Besuch über seinen Mut, hatten aber selbst nicht den Mut, ihn vor dieser Reise zu warnen. Seine Nürnberger Schwester schrieb ihm Anfang April 1983, daß er mit Freuden erwartet werde, und daß man - eine leise Sorge klang an - hoffe, er werde die Anstrengungen der Reise überstehen.

Die leisen Befürchtungen bewahrheiteten sich. In Nürnberg traf ihn Anfang Mai ein neuer Schlaganfall, diesmal ein schwerer, dem ein weiterer folgte. Als ich ihn auf meiner Rentnerreise in einem Nürnberger Caritas-Pflegeheim besuchte, war er übel dran. Er mußte liegen, die Bewegungen waren schwierig, das Sprechen behindert, das Denkvermögen auch.

Nach langen, aber erfolgreichen Bemühungen, durfte P. Müldner am 3. August 1983 per Flugzeug nach Berlin-Kladow gebracht werden. Dort haben Ihn seine beiden noch lebenden leiblichen Schwestern drei Monate vor seinem Tod besuchen können. In unserem Alten- und Pflegeheim in Kladow war Br. Theodor Rogoß sein Betreuer. Dieser schrieb über P. Müldners Zeit in Kladow und seinen plötzlichen Heimgang folgendes: "Jeden Morgen wurde P. Müldner im Sessel in die seinem Zimmer angrenzende Kapelle zur heiligen Messe gerollt. Vorher betete er meist Rosenkranz oder versuchte etwas im Brevier zu lesen. Die heilige Messe war für ihn wohl das Wichtigste des ganzen Tages.

Gern ließ er sich im Rollstuhl durch den Garten fahren und interessierte sich für den Schiffsverkehr auf der Havel. Vergeblich bemühte er sich, wieder auf der Maschine zu schreiben, da das Schreiben mit der Hand fast gar nicht möglich war. Hier zeigten sich irreparable Folgen seines mehrfachen Schlaganfalles, was sich auch im eingeschränkten Sprechvermögen zeigte, besonders im Ausdrücken seiner Gedanken.

Zu betonen ist, daß er bei aller Pflege, die er benötigte, sehr willig war und nach bestem Vermögen mittat. Trotz seines sehr eingeschränkten Lebens war er zufrieden und ohne Klagen.

Nach einer fiebrigen Erkältung von wenigen Tagen hatte P. Müldner vom Bett aus an der Feier der heiligen Messe teilgenommen und die heilige Kommunion empfangen. Danach war er zum Frühstück in seinen Sessel gesetzt worden, wie er es gewohnt war. Als ihn die Schwester anschließend zu Bett bringen wollte, war er zusammengesunken. Unmittelbar nachdem er hingelegt worden war, schlief er ganz ruhig für immer ein. Es war am 26.11.1984, am Fest des hl. Johannes Berchmans."

In der Friedhofskapelle zu Berlin-Reinickendorf haben wir am 4. Dezember 1984 für P. Josef Müldner das Requiem gehalten und ihn dann auf dem dortigen St. Hedwigs-Friedhof zur letzten Ruhe gebettet. Er ist dort einer von schon vielen Mitbrüdern, die uns vorausgegangen sind.

P. Josef Müldner hat seine Berufung und seine Entscheidung zum Priestertum in der Gesellschaft Jesu treu und in Ehren durchgehalten und vollendet. Bei seinen letzten Habseligkeiten fand man einen Zeitungsausschnitt, zwölf Jahre alt: 'Die Jesuiten und die Zukunft' von P. Karl Rahner, geschrieben August 1973. Dort steht kurz vor Schluß: "...Unter viel Asche brennt auch heute in diesem Orden die Liebe zu der Unbegreiflichkeit Jesu und seines Schicksals. Von daher dient er (der Jesuit) der Kirche..."

Am 21. April 1983 hatte ihm einer von denen, die zusammen mit ihm die Ersten Gelübde abgelegt haben, nach Jena geschrieben: "Zur 50. Wiederkehr unseres Rabentages (die zehn im April 1931 ins Noviziat zu Mittelsteine Eingetretenen nannten sich 'die zehn schwarzen Raben') meine herzlichsten Glück- und Segenswünsche. Wir sind ja nur noch fünf auf dem Wege, vier schon am Ziel und einer entgleist... Die fünfzig Jahre waren sehr bewegt, aber ich glaube, keiner von uns bereut, daß wir diesen Tag gewählt haben, uns rufen ließen und dem Ruf gefolgt sind..."

R.i.p.

Aus der Norddeutschen Provinz, 6/1985 - Dezember- S.138-41