Bruder Georg Peter SJ
2. Januar 1990 in Berlin

Georg Peter, * 18. November 1903 in Radeberg, etwas östlich von Dresden, hatte, wie er erzählte, eine liebe gute Mutter und einen ziemlich cholerischen Vater, eine heitere verheiratete Schwester und einen Bruder, dessen Eheleben als Schmied von 32 Jahren mit Lungenkrebs vorzeitig schnell verraucht war, was Br. Peters spirituelle Gründe unterbaute und ihn als kompromißlosen Nichtraucher leben ließ.

Durch die Arbeit seines Vaters kam Georg Peter als Kind oft in eine Weberei, betrachtete aufmerksam die Funktion, den Aufbau und die Möglichkeiten der Maschinen, womit das große Interesse und die Sympathie für die Maschine grundgelegt wurde.

Mit dem mehrmaligen Umzug der Familie Peter, verursacht durch die Arbeit des Familienvaters, wurde Georg Peter befähigt, auch im Orden eine Versetzung ziemlich leicht zu verarbeiten. Erst in der Lehrzeit und nachher im Berufsleben habe er den ganzen Wert und die große vorteilhafte Auswirkung erlebt, sagte Br. Peter, daß er die kath. Mittelschule in Chemnitz, seiner eigentlichen Heimatstadt, besuchen und mit sehr gut abschließen konnte. Darauf folgte die dreieinhalbjährige Lehrzeit im Kran- und Maschinenbau einschließlich der gesamten Elektroinstallation, was den heutigen Beruf Elektromechaniker miteinschließt. Eigentlich zog es Georg Peter zur Flugzeugbranche. Doch weil Fliegen am Boden anfängt, und er nach Feierabend einige Kunden für Autoreparaturen hatte, fing er bei einer Kfz-Reparaturfirma an und hatte als ersten Auftrag einen demontierten PKW, der zur Generalüberholung total zerlegt war, wieder zum Laufen zu bringen. Mit diesem schnell erledigten Erfolg ging es weiter aufwärts, und er wurde Werksfahrer bei DKW im Motorradrennen. Den Führerschein für PKW und K-Rad bekam Geog Peter ohne Fahrübungsstunden damals für eine Mark.

Nach so manchem Sieg auf der Rennstrecke, der immer mit äußerstem Risiko errungen wurde, was er nur sehr wenigen Mitbrüdern erzählte, machte sich Peter ernstere Gedanken über den Einsatz seines Lebens und des Menschenlebens überhaupt und verglich das mit dem Wettlauf, Sieg und Lohn, den der hl. Paulus im Neuen Testament beschreibt.

Die vielen Kfz-Reparaturaufträge nach Feierabend und überhaupt der Drang nach dem jeweils Größeren veranlaßten ihn zur Gründung einer schnell wachsenden, für damalige Verhältnisse sehr gut eingerichteten Kfz-Werkstatt mit sechs bis zehn Gesellen, die er vor dem Ordenseintritt an den 2. Gesellen verkaufte, gemäß der Schriftstelle "Verkaufe alles, was du hast und folge Mir nach." Nur einen der beiden Firmenwagen zu je 9.000.- Mark behielt er und ließ ihn im Elternhaus.
Anläßlich 3-tägiger Exerzitien in Köln, wozu er noch vier Kolpingssöhne mitnahm, sprach er mit P. Bley, der ihn nicht mehr aus den Augen verlor.

Georg Peter wollte immer in der Technik auf dem neuesten und höchsten Stand sein, ebenso auch in seiner Lebensführung, weshalb der Briefwechsel mit P. Bley auch ziemlich schnell zum Ordenseinritt führte. So trat er mit Trost und Zuversicht am 30. Oktober 1929 ins Noviziat der Ostdeutschen Provinz in Mittelsteine ein. Das Noviziat leitete P. Kempf. Als während seines Noviziates der Vater starb, war es aus dem Verständnis unserer Spiritualität her damals selbstverständlich, daß Br. Peter nicht zur Beerdigung fuhr.

Für die notwendigen Besorgungen und Fahrten zum etwas entfernt gelegenen Bahnhof, beauftragte ihn P. Magister, sein Auto und eine Menge anderer Werkzeuge zur Metallbearbeitung von zu Hause zu holen, weshalb der Brudernovize Peter im Kleid mit der Bahn in das aggressiv protestantische Sachsen nach Chemnitz fuhr, um diese wichtigsten Werkzeuge für eine leistungsfähige Schlosserei zu holen. Br. Peter sagte, im anschließenden Teil des Noviziates die geistlichen Übungen des Tages oft zwischen den Fahrten für das Haus und während den Aufenthalten dazwischen verrichtet zu haben. Er besaß auch mit seinem Verständnis und Einsatz für den Orden großes Vertrauen, das sich z.B. zeigte, als er von P. Minister 2.000.- Mark mitbekam, um als Brudernovize in Breslau während einer Industrieausstellung eine große Waschmaschine zu kaufen.

Der apostolische Einsatz, die im Alltag gelobte Spiritualität der in Mittelsteine stationierten Mitbrüder, die wirklich wohlwollende geistliche Atmosphäre und die sich daraus ergebende freundliche angenehme Art, miteinander umzugehen, von der Br. Peter bis ins Greisenalter von Mittelsteine gelegentlich erzählte, gaben ihm auch ein natürliches und mitbrüderliches Zuhause für sein ganzes Ordensleben. Br. Peters Gelübdetag war am 27. März 1932 in einer stillen Hl. Messe. Die Feierlichkeit ergab sich aus den Gelübden selbst und machte somit jedes Brimborium überflüssig.

In der folgenden Zeit arbeiteten vier Brüder, alle von Beruf Schlosser, mit Br. Peter in der Schlosserei, mit der er das Anwesen technisch wesentlich vervollständigte. Da wurde die Dreschmaschine mit einem Elektromotor ausgerüstet und größere Elektroinstallationen wurden erstellt. Ein Kühlaggregat entwickelte und konstruierte er, und die 400 Morgen große Landwirtschaft brachte auch viel Arbeit für die Schlosserei.

Im September 1936 wurde Br. Peter ins alte Lietzensee-Gymnasium nach Berlin-Charlottenburg versetzt, um dort in der kleinen Betriebswerkstatt zu arbeiten, die Schule technisch in Stand zu halten und zu heizen, mit Koks im Handbetrieb, wie es damals gebräuchlich war.
Am 2. Februar 1940 war dort der Tag seiner Letzten Gelübde. Beim Heer der deutschen Wehrmacht, dem er ab Juli 1941 diente, kam er bald zur Abnahme der Kfz, was für seine sichere Diagnose und mit seiner Berufserfahrung gar keine Schwierigkeit war.

Während eines Urlaubsaufenthaltes im Ignatiushaus, in dem er bei Löscharbeiten während den Bombardierungen half, richtete eine Luftmine verheerende Zerstörung an, weshalb Br. Muschiol das linke Bein amputiert wurde. Br. Fantin wurde total zerrissen. Br. Peter war zwei Sekunden vor der Explosion noch um die Kellerecke gegangen und war somit vor dem sicheren Tod beschützt.

Nach der Entlassung vom Militär im Mai 1945 waren im Chaos nach Kriegsende einige Häuser der Unsrigen in Ostdeutschland zerstört. Einige Mitbrüder der Ostdeutschen Provinz SJ bemühten sich um eine vorläufige Bleibe. So meldete sich Br. Peter von seinem Entlassungsort an der ihm nächsten Möglichkeit bei seiner Schwester. Er bekam aber beim Pfarrer Unterkunft und konnte sich sechs Wochen später im Exerzitienhaus Hoheneichen in Dresden melden, dem nächstgelegenen Haus der Unsrigen.

In Hoheneichen konstruierte er einen Brutofen, was für Br. Peter als Schlosser und als ein Techniker, der gewöhnt war, den Dingen auf den Grund zu gehen, kein Problem war und zog Hühner auf, daß das Exerzitienhaus nach dem Kriege mit Eiern versorgt wurde.

Dieses Exerzitienhaus hatte, trotz der kommunistischen Planwirtschaft, wovon auch Hoheneichen kein Kontingent hatte, durch die Leistung von Br. Peter eine wirksame Nachtbeleuchtung im Haus, eine elektrische Diebstahlsicherung, dann einen billigen Tarif, eine Kreissäge für das anfallende Holz vom Wald, ein Autogenschweißgerät und andere notwendige Einrichtungen, die sich auf uns Exerzitanden gut auswirkten.
Während den Abenden hielt sich Br. Peter mit Fachbüchern auf dem Laufenden. Ende der 50er Jahre kam die Elektronik dazu, die später für ihn unumgänglich war.

Unter dem Begriff "Kath. Diasporamission", der von Br. Peter stammt, war das Exerzitienhaus als solches auch für die Kommunisten akzeptabel.
So arbeitete er bis Mai 1957, als er meinte, in einem größeren Haus etwas Hilfe in seinem Leberleiden und auch für schwere Arbeiten im Handwerk zu haben, was gelegentlich unumgänglich ist.

Noch bevor 1957 der Eiserne Vorhang ganz dicht gemacht wurde, konnte Br. Peter auf den Jakobsberg, in das von 1951-1960 gepachtete Trappistenkloster, dem vorläufigen Noviziat der Ostprovinz, übersiedeln. Er übernahm die Arbeiten der Schlosserei und restaurierte auch dort viele technische Anlagen, nachdem er erst wieder die Voraussetzungen geschaffen hatte, in guter Zusammenarbeit mit P. Minister Doerge. Bei der Generalüberholung der Fahrzeuge, bei Wartung und Reparatur, konnte er, wie auch sonst, viele wichtige Kenntnisse an Brüdernovizen weitergeben. Dort entwickelte er eine elektrische Schaltung zur Regelung von Elektromotoren, die erst 10 Jahre später als Neuheit auf den Markt kam.

Mit dem Umzug des Noviziates kam auch Br. Peter im November 1960 nach Berlin-Kladow, um wieder eine kleine Betriebsschlosserei für das zum Teil neu entstehende Gebäude, für Erhaltung, Erneuerung und Erweiterung technischer Anlagen und die dafür notwendigen Arbeiten zu erstellen. Hier konnte er die kleine Drehbank, das Autogenschweißgerät, den Kompressor für Preßluft, u. a. nutzen, was er auf dem Jakobsberg angeschafft hatte, eine Erleichterung, die uns viel Zeit und Mühe sparte.

Br. Simon, Werkzeugmachermeister, heute in Simbabwe als Direktor der Berufsschule und Leiter der Kfz-Lehrwerkstatt, kam 1961 als Interessent, sah das Noviziat, sprach mit P. Mag. Soballa und den Scholastikernovizen, fand aber in dieser Umgebung keine Möglichkeit, sich im Metallhandwerk allgemein für den Orden einzubringen. Eine halbe Stunde vor seiner Abfahrt bekam er Gelegenheit, mit Br. Peter zu sprechen und auch die bescheidene handwerkliche Einrichtung zu sehen. Dieses Gespräch mit der erlebten Möglichkeit, auch im Handwerk als Bruder zu arbeiten, rettete diese wertvolle Berufung.

Immer hinderlicher wurden für Br. Peter die Folgen der miserablen Leberoperation, und er entschied sich, die Ausfallzeiten für Schlosserarbeiten der Uhrenreparatur zu widmen, damit er die Fachkenntnisse noch im Alter weitestgehend anwenden konnte. So reparierte er nicht nur für die Unsrigen, sondern auch für andere Ordensleute bis etwa 1987 Uhren, als die Zittrigkeit auch diesem Arbeitsbereich ein Ende machte.

Seinen hohen, wenn auch gut begründeten, Ansprüchen konnte die Kommunität nicht ganz genügen, weshalb er 1970-71 für ein Jahr in Marburg war, anschließend ins Canisius-Kolleg kam und sich dort mit Wartungs- und Reparaturarbeiten in der Schlosserei und in der Lösung verschiedener technischer interessanter Aufgaben wieder wohl und in Berlin wieder zu Hause fühlte.

Als P. Wanke für den Informatikunterricht einen mittelgroßen Computer von der Technischen Universität bekam, allerdings mit einigen Fehlern, konnte Br. Peter bei der Fehlersuche und Reparatur seine Elektronikkenntnisse wirksam einbringen und diesen umfangreichen Arbeitserfolg nach verhältnismäßig kurzer Zeit dem Canisius-Kolleg übergeben. Als einmal, durch P. Günther angeregt, der im Sender Freies Berlin arbeitete, ein Kamerateam kam und wegen eines Ersatzteils für die Kamera vorstellig wurde, was nirgends aufzutreiben war, berechnete, drehte und fertigte er es vor dem TV-Team. Diese meldeten sich einige Zeit später und machten zum Dank eine 5 Min.-TV-Sendung im Regionalprogramm.

Krankheit, Schmerzen seines Leberleidens und körperlicher Verfall im Alter ließen ihn sehr passiv und arbeitsunfähig werden und veranlaßten den Umzug in unser Altenheim in Kladow am 1. Oktober 1982. Nach einigen Jahren des Siechtums, ohne erfüllende Beschäftigung mit der Technik, vereinsamt durch eigene Schwerhörigkeit und durch den Mangel an Kommunikation, den der allgemeine Krankheitszustand im Altenheim zeitweise mit sich bringen kann, verlor er die Erinnerung an viele Dinge, Situationen und Personen. Er, der technische Neuheiten nur zu überfliegen oder diagonal zu lesen brauchte, um sofort Anwendung, Bedeutung und Verwertung einer Sache zu erkennen, sich durch klares logisches Denken im Beruf auszeichnete, hatte es schwer, sich auf ein Thema zu konzentrieren.

Christus der Herr, der den sühnenden Wert und den Sinn der Krankheit und des Alters, verbunden mit der Lebensaufgabe, jeden Mitbruders kennt und jedem gibt, rief Br. Peter am 2. Januar 1990 zu sich in die Ewigkeit.

Dort, wo Br. Peter einige Zeit war, durfte er auch im bescheidenen Rahmen im Bereich der Metallbearbeitung dem Haus wertvolle Dienste leisten. Er tat es auch immer mit großem religiösen Eifer, mit Liebe zur Gesellschaft, ebenso wie mit Leidenschaft zum Handwerk, soweit es seine Gesundheit zuließ.

Im alltäglichen Zusammenleben war Br. Peter aufmerksam und beobachtete das Wohlbefinden seiner Umgebung und nahm dann auch die Gelegenheit wahr, Mitbrüder und Angestellte aufzumuntern und Licht in die Zukunft des Einzelnen zu bringen, da er ja unsere Spiritualität gut formulieren und auszusprechen verstand. Ebenso konnte er gute Stimmung aufbauen und Optimismus verbreiten. All das waren wertvolle Beiträge zur Kommunitätsbildung und -erhaltung. Mit seiner religiös geradlinigen Haltung war er aber auch manchen der Unsrigen ziemlich unbequem. Allgemein war er sehr kommunikativ. Für Geldausgaben, die für den Dienst nicht wirklich notwendig waren, fand er keine Rechtfertigung, damit alle Mittel wirklich für das Apostolat umso großzügiger da waren. Und so lebte er auch.

Wenn es sich um technische Vorgänge handelte, war er ein Meister im Erklären, auch deshalb, weil er das Wesen der Sache erfaßte und konnte so wertvoll sein umfangreiches Fachwissen vermitteln, was er auch gerne tat. Er bekam Angebote von Firmen der Elektro- und Kältetechnik, vom SFB, im Ölheizungs- und Sanitärbereich, jeweils in leitender Stellung anzufangen, was immer zu Gesprächen führte, für welchen Lohn und mit welchem Ziel wir Ordensleute arbeiten.

In die Auswertung seines Lebens, das er sicher mit sehr guter Motivierung lebte und Gott darbrachte, soweit sich das erkennen ließ, wird der Herr, der auch die Hindernisse würdigt, die Br. Peter in den verschiedenen Berufen der Metallbearbeitung zu überwinden hatte, mit einbeziehen.

R.i.p.

Bruder Bernhard Schmitt SJ

Aus der Norddeutschen Provinz, 3/1990 - Mai, S.74-77