P. Max Reiter SJ
gefallen am 24. April 1945 bei einem Fliegerangriff auf Berlin

Max Reiter war * 15. Juni 1903 in Leipzig und trat am 27. Oktober 1927 in Tisis in die Gesellschaft Jesu ein. Ursprünglich protestantisch war er als Gymnasiast zur katholischen Kirche übergetreten, hatte die Patres von Hoheneichen kennen gelernt und durch sie die Gesellschaft Jesu. Nach seinem Abitur war er zunächst im kaufmännischen Beruf tätig, um seiner Mutter - den Vater hatte er früh verloren - in der Erziehung und Ausbildung seiner jüngeren Geschwister finanzielle Hilfe leisten zu können. Trotz dieser Sorge um seine Geschwister haben ihm diese den Übertritt zur katholischen Kirche wie seinen Eintritt in die S. J. nie verziehen und waren selbst bei seiner Primiz nicht zugegen.

Im Orden durchlief Fr. Reiter den gewöhnlichen Studiengang. Auf das Noviziat folgten Philosophie und Theologie in Valkenburg und anschließend das Terziat in Münster. 1937/39 war er Kaplan bei Pater Richard in Charlottenburg, 1939/40 Mitarbeiter von P. Dietz in Beuthen, 1940/43 Operarius, besonders für die Standesseelsorge in Königsberg, 1943 bis Januar 1945 Kaplan bei St. Dorothea in Breslau und nach der Ausweisung aus Breslau noch kurze Zeit Kaplan bei St. Elisabeth in Berlin-Schöneberg. Hier fiel er am 24. April 1945 einem Fliegerangriff zum Opfer, bei dem das Pfarrhaus zerstört und seine Kirche stark beschädigt wurde. Seine letzte Ruhestätte fand er in der Nähe auf einem evang. Friedhof in Berlin-Schöneberg.

In den Studien wie in der Seelsorge hat P. Reiter mit unermüdlichem Eifer und Fleiß geschafft. So arbeitete er, der wortgewandte Mann, dessen Redefluß nie zu versiegen schien, seine Predigten stets genau schriftlich aus und hielt sich auch beim Vortrag daran. Wenn auch seine Art zuweilen nicht ganz verstanden wurde und er auch einmal übereifrig oder unklug sein konnte, so hat er doch überall ein dankbares Andenken hinterlassen. Seine fein durchdachten und warm und mitfühlend vorgetragenen Fastenpredigten, die er uns vor seinem Tode noch hielt, werden wir so schnell nicht vergessen, urteilt sein Pfarrer in Berlin.

Der hervorstechendste Zug seines Wesens war aber sicher seine Selbstlosigkeit. Diese konnte soweit gehen, daß er dabei wichtigere Dinge übersah und eine berechtigte Sorge für sich ganz außer acht ließ. Es konnte eigentlich nur ihm widerfahren, daß ihm auf der Reise sein Koffer gestohlen wurde, als er einer Mutter half, den Kinderwagen über die Treppe zum Bahnsteig zu befördern, oder daß er in der Sorge um einen Kranken oder Notleidenden eine Andacht oder sonst einen Dienst in der Kirche vergaß. Daß er bei seiner Hilfsbereitschaft oft hintergangen wurde, hat ihn nie so entmutigt, daß er zu helfen nicht mehr bereit gewesen wäre.

R.i.p.

P. Alfred Rothe SJ

Mitteilungen 113, S. 92 f.