P. Franz Rensing SJ
1. Dezember 1952 zu Münster

Über seine letzte Krankheit schreibt P. Philippi: "Am Morgen des 20. 11. 1952 wurde P. Rensing mit den Sterbesakramenten versehen. Kurz vor 7 Uhr übernahm ich für eine halbe Stunde die Wache bei ihm. Er wollte beten. "Anima Christi", so bat er selbst. Immer wieder kam er auf dieses Gebet zurück. Ich schlug ihm vor, die heiligen Messen, die zur gleichen Zeit im Hause gefeiert würden, zu begleiten. Gerne war er einverstanden und drückte die Freude aus, in einem Hause weilen zu dürfen, in dem so viele heilige Messen täglich gefeiert würden. Wir beteten das Gloria zusammen. Doch beim zweiten "miserere nobis" hielt er inne und sagte: "Gott hat mir viele Gnaden geschenkt, er hat mir viele Gnaden geschenkt." Und dann fügte er bei: "Die Berufung zur Gesellschaft Jesu" ... Mehr wollte er nicht sagen. Dann sprach er: "Welch ein Glück ist es doch um unsern Glauben, um den katholischen Glauben. Wie unglücklich sind die Menschen, die nicht glauben!" Wir beteten dann zusammen das Glaubensbekenntnis. "Amen", sagte er deutlich und fest. Von den Opferungsgebeten nahmen wir "In spiritu humilitatis" und "Veni sanctificator". Dann wurde er ruhiger. ... Nach einer Ruhepause fühlte er selbst den Puls und meinte: "Er kommt wieder, ganz kräftig schlägt das Herz, Der liebe Gott will mich noch nicht haben. Nun wie Gott will..." P. Rensing hat meiner Meinung nach aufrecht und mehr als gefaßt gewartet, daß der Herr ihn heimhole.

Franz Rensing war ein echter Westfale und am 12. November 1874 in Warendorf geboren. Das Gymnasium besuchte er in seiner Vaterstadt. Nach dem Abitur 1895 studierte er Medizin und bestand im Jahre 1900 Staats- und Doktorexamen. Zur Erholung ging er als Schiffsarzt auf eine Weltreise, von der er später noch oft und gern erzählt hat. Aber bereits im gleichen Jahre begann er in Freiburg seine theologischen Studien, siedelte jedoch bald nach Innsbruck über, wo sein Mitstudent der spätere Kardinal Galen war. 1904 trat er ins Seminar zu Münster ein und wurde dort am 17. Juni 1905 zum Priester geweiht.

Es folgten zwei Jahre Kaplanstätigkeit in der Heimat und am 30. Sept. 1907 trat er zu Exaeten in die Gesellschaft Jesu ein. Nach einem Jahr Noviziat ergänzte er noch ein Jahr Philosophie in Valkenburg und machte anschließend sein Terziat in Wijnandsrade. Danach war er Operarius im Bonifatiushause und wurde im Dezember 1911 bei seinem Freunde Galen Kaplan an St. Clemens in Berlin. Damals leitete er auch den sog. Gymnasiastenzirkel, aus dem nicht wenige Priester und tüchtige Laien hervorgegangen sind. Mehr als einer der heute bereits ergrauten Priester hat mir erzählt, was ihnen P. Rensing damals gewesen sei. Von Oktober 1914 bis Januar 1918 war er als Divisionspfarrer im Felde und den Rest des Krieges Garnisonspfarrer in Berlin. 1919-1921 war er Hausminister in Valkenburg und 1921-1925 Pfarr-Rektor in Duisburg-Neuenkamp. Sodann war er je zwei Jahre Exerzitienmeister in Münster (Kettelerhaus und in Viersen. 1929 kam er wieder nach Berlin. Zunächst war er bis 1935 Gesellenpräses im Eduard-Müller-Haus am Schlesischen Bahnhof und dann noch einmal Kaplan an St. Clemens und zugleich Minister. Diese Aufzählung ist schnell hingeschrieben und läßt nur schwach ahnen, wieviel Arbeit und apostolisches Bemühen sich hinter diesen Ämtern birgt.

Im Juni 1941 wurde ihm das weitere Betreten des Grundstückes in der Stresemennstraße von der Gestapo untersagt. Die Durchsuchung des Hauses und die Verhaftung seiner Mitbrüder machte er nicht mit, da er gerade zu Ferien in Westfalen weilte. Er kam nur kurz noch einmal nach Berlin und war dann an verschiedenen Stellen in Westfalen, vor allem in Stift Tilbeck tätig, "bis ihn seine zunehmende Schwäche zwang, sich nach Haus Sentmaring zurückzuziehen, wo er allen ein lieber, anspruchsloser, immer froher Mitbruder war".

R.i.p.

P. Alfred Rothe SJ

Mitteilungen 116, S. 564 f.