P. Bernhard Riedl SJ
* 16. April 1904 in Berlin
8. Juni 1967 in Berlin

In der Frühe des 8. Juni verstarb im 64. Lebensjahr P. Bernhard Riedl. Längst hatten die Mitbrüder gewußt, wie schwer das Asthmaleiden war, doch keiner hatte erwartet, daß es so plötzlich kommen würde. Während des 7 Uhr-Gottesdienstes läutete in der Sakristei das Telefon. Br. Wunderlich, der sonst P. Riedl immer versorgte, kam aber schon zu spät. Vor dem Schreibtisch sitzend erlag P. Riedl dem schweren Anfall.

P. Riedl wurde am 16.4.1904 in Berlin geboren. Seit 1911 lebten seine Eltern in Potsdam; hier verbrachte der Pater auch seine Jugend. In Potsdam bekam er auch die ersten Kontakte mit Neudeutschland. Und bis zum Ausklang seines Lebens blieb er der Neudeutschen Gemeinschaft mit Leib und Seele verbunden.

Zunächst ergriff P. Riedl den Kaufmannsberuf und arbeitete im väterlichen Geschäft mit. Diese Tätigkeit dauerte nicht lange. Mit genau 24 Jahren, am 17.4.1928 begann er in Mittelsteine sein Noviziat. Darauf folgten das Studium der Philosophie und das der Theologie in Valkenburg. Am 27.8.1936 wurde er in Valkenburg zum Priester geweiht.

Nach Abschluß der Studien wurde P. Riedl nach Königsberg geschickt, wo er von 1937 bis 1944 inmitten der Nazizeit und der Wirren des Krieges in der Jugend- und Studentenseelsorge das Gebiet seiner besonderen Begabung und seines ganzen Einsatzes fand. Eine kurze Unterbrechung des Königsberger Schaffens war das Tertiat 1940/41 in Wien-Lainz.

In der schweren Zeit von 1944-1947 ist P. Riedl Vize-Rektor des Canisius-Kollegs. Hier erlebt er nicht nur die dunkelsten Tage der Reichshauptstadt, sondern auch den Neuanfang der Arbeiten. 1945 begann in St. Clemens am Anhalter Bahnhof wieder der Unterricht; bis 1947 blieb das Canisius-Kolleg in den Räumen von St. Clemens. Als die Schule in die Tiergartenstraße übersiedelte, wurde P. Riedl Oberer der Residenz St. Clemens. Dieses Amt versah er bis 1950.

Schon in dieser Zeit erschütterten schwere Asthmaanfälle den Gesundheitszustand des Paters und zwangen ihn manchen Tag zur Ruhe. 1952 wirkte er erfolgreich im St. Hedwigskrankenhaus in der Großen Hamburger Straße. Dann widmete er sich von der Habsburgerstraße aus ganz der Arbeit im Berliner Hochschulring. Hier war er mit seiner stillen Freundlichkeit und steten Hilfsbereitschaft ganz in seinem Element. Seit 1957 war P. Riedl mit seiner Arbeit im Ignatiushaus, dessen erster Minister er gleichzeitig wurde.

Pater Riedl war ein Mensch, der in Stille und Bescheidenheit priesterlich für den anderen bereitstand. Sein waches Interesse an allen aktuellen Dingen, an modernen Fragen und Problemen hielt ihn in ständigem Kontakt mit dem Zeitgeschehen. In Konferenzen und Predigten und nicht zuletzt im persönlichen Gespräch verstand er es, seinen Studenten und Seelsorgskindern zu dienen.

Am 13.Juni wurde ihm das letzte Geleit auf den Reinickendorfer St. Hedwigs-Friedhof gegeben, wo er nach allen bewegten, leidvollen Jahren seines priesterlichen Schaffens nun neben seinen Mitbrüdern ausruht zum ewigen Leben.

R.i.p.

Rundbrief 4/1967, S.11