P. Paul Rondholz SJ
* 21. März 1880 in Schwelm/Westf.
2. Oktober 1967 in Berlin

Als P. Rondholz Ende Juli ins Franziskuskrankenhaus eingeliefert wurde, da wußte er genau, worum es ging. Ruhig und gefaßt sah er dem Tod entgegen: Der Arzt stellte eine stark vergrößerte Leber fest und machte sich keine Hoffnungen mehr. Am 18. September kehrte P. Rondholz ins Kolleg zurück. Seine Kräfte nahmen rasch ab. Am Nachmittag des 2. Oktober ging er dann heim.

P. Paul Rondholz wurde am 21. März 1880 in Schwelm/Westf. geboren. Der Beruf seines Vaters, Geometer und Techniker bei der Eisenbahn, brachte es mit sich, daß die Familie oft den Wohnsitz wechseln mußte. So besuchte er die Gymnasien in Elberfeld, Göttingen und Kassel, wo er das Abitur machte. Er entschloß sich für den Priesterberuf und wandte sich deshalb an das Ordinariat in Köln. Nach seinen philosophisch-theologischen Studien in Bonn und Freiburg i.Br. empfing er am 28. März 1903 zu Köln die hl. Priesterweihe.

Der Ort seines ersten Wirkens war Mönchengladbach. Von 1903 bis 1914 wirkte er als Kaplan in einer Arbeiterpfarrei am Rande der Stadt. Hier in Mönchengladbach befand sich auch die Zentrale des "Volksvereins", der damals eine vielfältige Tätigkeit auf politischem, sozialem und kulturellem Gebiet entfaltete. P. Rondholz empfing hier manche Anregung und Ausrichtung, die ihn zeitlebens prägte. Seine Tätigkeit in der Pfarrei umschreibt er mit folgenden Worten: "Es gab kein Haus, in dem ich nicht zuhause war".

Nach dieser 11jährigen Tätigkeit übernahm er die Pfarrei Oberbachem im Landkreis Bonn. In der dörflichen Stille und Abgeschiedenheit brachen alte wissenschaftliche Interessen wieder auf. Als Folge der Erschütterungen des 1. Weltkrieges "erwachte auch wieder die Sehnsucht nach geistlicher Einsamkeit in Verbindung mit gesteigerter Predigttätigkeit in einem durch Krieg und Not zerrütteten Volk". So kam es zum Eintritt in die Gesellschaft Jesu am 28. April 1920.

Dieser Entschluß mag auch in einem gewissen Zusammenhang mit der Ermordung seiner Haushälterin stehen. P. Rondholz hat nur wenig über diese Erlebnisse gesprochen, so daß wir nichts genaues darüber wissen. Auf jeden Fall ist sicher, daß auch er unter Verdacht stand, die Tat vollbracht zu haben. Er hatte an dem Morgen, als er die Tat bemerkte, das Gesicht der Toten abgetastet und die Augenlider gehoben, um festzustellen, ob noch etwa Leben in ihr sei. Diese Fingerabdrücke wurden natürlich festgestellt, und so fiel der Verdacht auch auf ihn.

Dieses Ereignis hat ihn wohl ziemlich erschüttert. Er hat in dieser Zeit viel gebetet und ließ auch viel beten. Eines Tages entdeckte er seine Uhr, die im Zusammenhang mit der Tat verschwunden war, bei einem Bekannten. Der Mann wurde verhaftet und legte nach einiger Zeit ein volles Geständnis ab. Es ist kaum wahrscheinlich, daß diese Begebenheit der Grund für den Eintritt in die Gesellschaft war, aber sie wird sicher ihren Einfluß gehabt haben.

Nach Abschluß der Studien in Valkenburg kam P. Rondholz 1924 nach Berlin und wurde Kaplan in St. Clemens. Hier wirkte er 2 Jahre. Seine Haupttätigkeit begann 1927, als er die Priesterkonferenzen übernahm. Das Gebiet, das er zu betreuen hatte, erstreckte sich von Breslau bis Kattowitz (in Schlesien 15 Städte), ferner kam er regelmäßig nach Branitz, Troppau und Jägerndorf. Mit dieser Tätigkeit verband er Vorträge für Lehrer und Akademiker. Man kann nur staunen, wie P. Rondholz es fertigbrachte, dieses große und anstrengende Pensum an Arbeit 14 Jahre lang zu bewältigen. Fast das ganze Jahr hindurch war er mit der Eisenbahn oder mit dem Auto unterwegs. Seine gutbesuchten Vorträge waren natürlich den Machthabern des Dritten Reiches ein Dorn im Auge. Darum erhielt er im Jahre 1941 Sprechverbot für ganz Deutschland.

Von da ab kam P. Rondholz wieder nach Berlin und entfaltete hier wiederum eine segensreiche Tätigkeit in den Jahren der größten Not. Von 1949 bis 1958 betreute er dann die Kranken im St. Josefskrankenhaus in Tempelhof. Seine letzte Station war das Canisiuskolleg, wo er als Spiritual und Schriftsteller unermüdlich tätig blieb, praktisch bis in die letzten Tage. P. Rondholz war ein beharrlicher Beter und Arbeiter für das Reich Gottes. Noch in seiner Todeskrankheit gab er allen ein Beispiel froher und geduldiger Ergebung in den hl. Willen Gottes.

R.i.p.

Rundbrief 6/1967, S. 7f