P. Georg Wedig SJ
(1919 - 1973)

P. Georg Wedig wurde am 8. April 1919 in Berlin-Tempelhof geboren. Er besuchte von 1931-37 das Gymnasium am Lietzensee. Im St.-Joseph-Krankenhaus ministrierte er bei der hl. Messe, war Neudeutscher, von Natur aus still und zurückhaltend. Im trauten Kreise erzählte er gern über diese Zeit, besonders erwähnte er eine Fahrt, die er unter Führung von P. Leder SJ mitgemacht habe.
Nach dem Abitur studierte er 6 Semester an der Hochschule St. Georgen in Frankfurt.

Am 7.3.40 wurde Georg Wedig eingezogen zum 3. Panzer Gren. Reg. 86, 10. Panz. Div. Er nahm teil an den Einsätzen in Frankreich, Holland und Rußland. Hier wurde er verwundet und im Lazarett Landshut in Bayern ausgeheilt. Ein neues Kommando führte ihn mit den Fallschirmjägern nach den Kämpfen über Kreta nach Afrika. Er war Spieß, sorgte sich sehr um seine Leute und wurde wegen seiner treuen Kameradschaft hoch geschätzt. In Afrika geriet er in englische Gefangenschaft, wurde von den Amerikanern übernommen und war im Gefangenenlager bei Little Rock in Arkansas. Sein mitgefangener Pfr. Dr. Laupheimer schreibt darüber: "Georg hatte die Bekleidungskammer unter sich. Er gehörte zu den führenden Leuten im Lager. Er war angesehen wegen seines kameradschaftlichen und frischen Wesens. Alle schätzten ihn, weil er sein Amt umsichtig, zuverlässig und korrekt verwaltete. Dem Lagerpfarrer Waletschek war er eine wertvolle Hilfe, wegen seiner guten Beziehungen zur Lagerleitung und wegen seiner geschickten Hand in praktischen Fragen. Georg hielt mit Eifer Glaubens- und Bibelstunden."

Nach seiner Entlassung am 2.8.46 trat Georg am 27.11. desselben Jahres in das Noviziat der Gesellschaft in Pullach ein. Von 1947-50 studierte P. Wedig in Pullach Philosophie. Danach kam er in die Theologie nach Innsbruck. Am 25. Juli 1952 empfing er die hl. Priesterweihe. Bei seiner Primizfeier in einem Wallfahrtsort bei Innsbruck hielt ihm sein alter Lagerpfarrer Waletschek die Primizpredigt, was ihm eine besondere Freude machte, wie er schreibt.

P. Wedig beendete seine Theologie 1954. Die Oberen betrauten ihn mit dem Amt des Sozius im Noviziat auf dem Jakobsberg b. Bingen. Neben seinem Amt half er in der Seelsorge aus. Den kranken Pfr. von Ockenheim vertrat er längere Zeit in der Schule, um den üblichen Religionsunterricht zu erteilen. P. Wedig gelang es, guten Kontakt zu den Pfarrangehörigen herzustellen. Es war diese Tatsache insofern wichtig, weil einiges Mißtrauen durch den Wechsel auf dem Jakobsberg entstanden war. Seine freudige Bereitschaft, überall zu helfen unter Wahrung der priesterlichen Zurückhaltung, verschaffte uns Freunde.

Sein Tertiat machte P. Wedig von 1957-58 in Decatur, Illinois USA. Nach Beendigung des Tertiats blieb P. Wedig in Amerika. Er bekam den Auftrag, die für die Ostprovinz notwendige Almosensammlung zu übernehmen, im Bonifatiusverein tätig zu sein und alle gegebenen Möglichkeiten zur Entgegennahme von freiwilligen Spenden auszunützen. Zu diesem Zweck hielt P. Wedig Exerzitien, half in Pfarreien aus und fand dadurch entsprechende notwendige Kontakte. Die Arbeit verlangte rücksichtslosen persönlichen Einsatz. Durch tragische Mißverständnisse fand er auf seinem Gebiete finanzielle Verwirrungen vor, die mit Klugheit, Takt und erhöhtem Eifer zu meistern waren. Das gelang P. Wedig. Dafür wird ihm die Ostprovinz eine dankbare Erinnerung bewahren.

Im September 1968 kehrte P. Wedig nach Deutschland zurück. Er übernahm das Amt des Ministers und nach dem Tode des P. Kraus am 3.9.1970 auch das Amt des Ökonomen am Canisiuskolleg.

Die anstrengende Tätigkeit in Amerika, die ständigen Sorgen und Mühen hatten die Gesundheit des P. Wedig sehr geschwächt. Die Sehkraft ließ bedenklich nach, Diabetes und Herzinsuffizienz machten ihm viel zu schaffen. In seiner Selbstlosigkeit dachte er wenig an sich. Sein Bemühen, den Mitbrüdern zu dienen und das Spüren der gesetzten Grenzen verursachten ihm starke innere Spannungen. Er trug dieses stille Leid tapfer. Freiwillig zurückzutreten wäre ihm als dem alten Soldaten als Fahnenflucht vorgekommen.

Der hl. Ignatius holte seinen Sohn heim an seinem Feste, am 31. Juli 1973.

R.i.p.

P. M. Dietz SJ

Rundbrief 6/1973, S. 30f