Bruder Josef Weinert SJ
* 28. April 1901 in Gleiwitz     11. März 1990 in Berlin

In den Jahren 1957 bis 1959 habe ich Br. Josef Weinert im Canisius-Kolleg kennengelernt. Wir nannten ihn den "Kameraden", weil er, wenn er als echter Oberschlesier mal tüchtig in Rage geriet, den Mitbruder mit folgenden Worten zu "begrüßen" pflegte: "Kamerad, das eine will ich Dir sagen ..." Und dann kam oft eine tüchtige Standpauke, die der arme Frater wortlos über sich ergehen ließ! Und doch hatte jeder den "Kameraden" gern. Nicht nur, weil eine echte Frömmigkeit aus seinem Wesen sprach, sondern auch, weil er in unermüdlichem Eifer als Schlosser und Elektriker tätig war in all den Orten, wohin man ihn schickte.

Schon die zwei Jahre Noviziat in Mittelsteine, wo er am 13. März 1927 in die Gesellschaft Jesu eingetreten war, brachten im Aufbau des alten Jesuitenhofes vom Kolleg in Glatz viel Arbeit, Sorge und Ärger mit sich, bis alles klappte. Von September 1929 bis 1931 arbeitete er in Kaunas, Litauen, wohin sich viele Mitbrüder gemeldet hatten. Und wieder ging es zu fleißigem Arbeiten nach Berlin-Charlottenburg ans Gymnasium am Lietzensee, bis dieses von den Nazis geschlossen wurde, und er nach Mittelsteine zurückkehrte, wo er prompt die Kriegsjahre dienstverpflichtet weilte. Erst im Juni 1947 ließ man ihn los, nachdem die Deutschen aus Schlesien und der Grafschaft Glatz die Heimat verlassen mußten. Als er dann nach Berlin ans entstehende Canisius-Kolleg versetzt wurde, erwartete ihn ein Haufen Arbeit - eigentlich all die Jahre bis Februar 1971. Seine solide Wesensart, die echte Frömmigkeit und sein unermüdlicher Arbeitseifer ließen an seinen Namenspatron, den heiligen Josef, erinnern.

Die Versetzung an die Liebfrauenpfarrei in Marburg (und das mit 70 Jahren) brachte neue Arbeit und Sorge für Haus und Kirche. In aller geistiger und körperlicher Frische konnte er im März 1977 inmitten der Gläubigen und Freunde der Pfarrei sein goldenes Ordensjubiläum feiern. Die vielen Glück- und Segenswünsche an diesem Tage zeigten die Beliebtheit des - wie es im Bericht heißt - "so bescheidenen, zuvorkommenden und hilfsbereiten Mitbruders".

Im Juli 1979 kam er an das Peter-Faber-Kolleg nach Berlin-Kladow, wo er die ersten Jahre noch mitarbeiten konnte, bis ihm das hohe Alter und mancherlei Gebrechen zu schaffen machte. Im Katalog 1983 steht dann hinter seinem Namen: Orat pro Ecclesia et Societate, was er sicher, solange er konnte, in großer Freude getan hat.

Sicherlich ist er vom Herrn, nachdem er am Sonntagabend des 11. März 1990 still heimgekehrt war, mit den Worten empfangen worden:

    "Nun komm du guter und getreuer Kamerad
    und gehe ein in die Freude deines Herrn."

Ich glaube, daß nicht nur die Mitbrüder im Peter-Faber-Kolleg "ihm dankbar im Herrn verbunden sind", sondern viele andere auch, die ihm begegneten - (darunter auch der Socius provincialis der Norddeutschen Provinz!)

R.i.p.

P. Heinz Brokof SJ

Aus der Norddeutschen Provinz, 5/1990 - Oktober, S. 132