Bruder Johannes Werner SJ
* 12. Juni 1912 in Elbing/Westpreußen
1. März 1993 in Berlin

Br. Johannes Werner trat am 9. April 1931 in Mittelsteine in die Gesellschaft Jesu ein und ging schon wenige Jahre später nach Afrika. Am 21. Februar schrieb P. Karl Wehner, Provinzial der damaligen Ostprovinz, an Bischof Chichester: "Wenn es Euer Exzellenz recht ist, werden wir in voraussichtlich zwei oder drei Monaten drei Brüder schicken: Br. J. Elsner, Br. C. Tamkavaitis und Br. J. Werner. Oberer der Gruppe ist P. Otto. ... Dieser ersten Gruppe wird eine zweite im Herbst folgen, bestehend aus den drei Patres Böckenhoff, Friedrich und Kotzki." Diese Mitbrüder waren die ersten in der Zambesi-Mission der Ostprovinz.

Wenn es Euer Exzellenz recht ist ...
werden wir Br. Werner schicken

Unterdessen kamen Br. Werner und seine Gruppe am 25. Juli 1938 in Afrika an und wurden nach Gokomere destiniert. 1939 war er in Bikita, 1940 in Mutoko. Der Rundbrief der Zambesi-Mission vom Juli 1940 berichtet: "Br. Werner stellt gerade eine Mariengrotte fertig, die ganz aus Granitblöcken gebaut ist. Vor der Grotte steht ein Altar aus Mutoko-'Marmor', einer weißen Quarz-Art, die von roten Adern durchzogen ist, was gewaschen und poliert wie richtiger Marmor aussieht. Der Altartisch besteht aus einer sechs Zoll dicken Granitplatte, die in einem Steinbruch nahe der Missionsstation gebrochen worden ist." Hauptsächlich aber war Br. Werner als Landwirt und Gärtner bekannt. Von 1942 bis 1944 war er für die Farm in Musami und von 1944 bis 1949 für die in Chishawasha verantwortlich.

1949 kam er in das Nachkriegsdeutschland zurück und half beim Wiederaufbau, zunächst am damals neu errichteten Canisius-Kolleg in Berlin und dann ab 1951 im Noviziat der Ostprovinz auf dem Jakobsberg bei Bingen. Dort lernte er viele Jesuiten kennen, die dann später als Missionare nach Simbabwe gingen. Als das Noviziat 1960 nach Berlin umzog, zog er mit um und begann dort von neuem. Im Peter-Faber-Kolleg heute Alten- und Pflegeheim und Tertiat - legte er den wundervollen Garten an.

1959 begannen die deutschen Jesuiten mit der Sinoia-Mission, und Br. Werner wollte gern wieder nach Afrika zurück. 1964 ging dieser Wunsch im Alter von 52 Jahren in Erfüllung: drei Jahre lang war er zusammen mit P. Kensy Pionier auf der St. Rupert's Mission und baute dort in einer sehr armen Gegend eine neue Missionsstation auf. (1978 wurden dort P. Richert und Br. Lisson ermordet). 1968 zog er nach St. Albert's um und übernahm die Sorge für den Schulgarten. Viele Jahre lang baute er erstklassiges Gemüse für die vielen Schulkinder der Missionsstation an sowie für die Jesuitenkommunität und für zwei Schwesternkommunitäten. Dabei unterrichtete er auch seine afrikanischen Angestellten und bildete sie zu kompetenten Gärtnern aus. Während des folgenden Krieges blieb er in St. Albert's. Er war dort, als die Schüler eines Nachts im Jahre 1973 entführt wurden, und er war immer noch dort, als 1979 die Missionsstation im Trommelfeuer von Guerillas und Rhodesischer Polizei lag. Diese Ereignisse führten dann zur Schließung der Mission am 28. Oktober 1979.

1980 arbeitete er einige Monate im Noviziat in Waterfalls und half P. Kapito, den er schon 30 Jahre zuvor als kleinen Schuljungen auf der M'toko-Missionsstation kennengelernt hatte. Dann wurde eine Operation notwendig, und er verbrachte den letzten Teil des Jahres in medizinischer Behandlung in Deutschland.
Als er dann auf die gerade wiedereröffnete St. Albert's Mission zurückkehrte, stürzte er und brach sich ein Bein, erholte sich aber schnell wieder. Hier kümmerte er sich wieder um den Garten und war ein allseits geschätztes Mitglied der Kommunität.

1985 ging er noch einmal nach St. Rupert's; aber seine gesundheitlichen Kräfte ließen nach, so daß er im folgenden Jahr nach Deutschland zurückkehren mußte. Seit 1986 lebte er im Peter-Faber-Kolleg in Berlin in dem Haus, in dem er ein Vierteljahrhundert zuvor den Garten angelegt hatte. Dort verbrachte er die verbleibenden Jahre seines Lebens. Im Laufe der Zeit ging es ihm gesundheitlich immer schlechter.

In der Erinnerung seiner Mitbrüder ist er ein stiller Mensch gewesen. Da während der letzten Jahre sein Gehör stark nachgelassen hatte, war es für ihn schwierig, mit anderen zu kommunizieren, ebenso wie es für andere schwierig war, sich mit ihm zu unterhalten. Aber in seiner ruhigen und freundlichen Art nahm er regen Anteil an allem, was geschah und las auch viel. Auf einfache, unaufdringliche Weise war er ein überzeugender Jesuit und Mann des Gebetes.

Als Meistergärtner
legte er größten Wert auf Qualität

P. Oskar Wermter schreibt über ihn: "Der Name Werner war mir schon ein Begriff, noch bevor ich in die Gesellschaft Jesu eingetreten bin: Denn sein jüngerer Bruder, der Arzt Dr. Paul Werner, wohnte in unserer Pfarrei. Er war ein umgänglicher und kommunikativer Mensch, der liebevoll für seine Familie und seine acht Kinder sorgte. Als ich Br. Werner im Noviziat in Berlin kennenlernte, war ich erstaunt, wie verschieden er von seinem Bruder Paul war. Den Menschen in Ostpreußen, woher auch meine Familie stammt, geht der Ruf nach, eher schweigsam zu sein, ein bißchen bedächtig und vielleicht auch ein bißchen stur bei ihrer harten Arbeit. Auf Br. Werner paßte diese Beschreibung ziemlich gut.

Er war ein Meistergärtner: Auf Qualität legte er den allergrößten Wert und konnte Pfusch überhaupt nicht ausstehen. Zweifellos hat er - wie andere Jesuitenbrüder auch ziemlich darunter gelitten, wenn sich die Oberen in Details seiner Arbeit als Dilettanten in einem Arbeitsfeld einmischten, in dem er Experte war. Ich erinnere mich noch gut daran, wie indigniert er war, als ihm einmal der Rektor des Noviziates in Begleitung eines Landschaftsarchitekten Anweisungen über die Anlage des Noviziatsgartens erteilte. Meine Sympathien waren sehr auf Seiten Br. Werners, besonders da solche Einmischungen der Oberen oft in der Konsequenz bedeuteten, daß wir Novizen eine große steinerne Abtrennschwelle, die wir auf Br. Werners Geheiß eine Woche zuvor aus der einen Ecke des Gartens in die andere transportiert hatten, in der folgenden Woche wieder zurückverfrachten mußten.

Br. Werner kannte sich mit lebendigen Dingen aus, aber nicht mit mechanischen. Solange ich ihn kannte, fuhr er nie mit dem Auto, mit einer einzigen Ausnahme: P. Kensy war mit ihm von St. Rupert's in die Stadt gekommen und ließ ihn dort im Zentrum der Stadt im schlecht geparkten Auto zurück. Daraufhin sollte Br. Werner auf Geheiß eines Polizisten das Auto anderswo parken. Aber er fuhr stattdessen immer im Kreis um den Wohnblock herum, weil er vergessen hatte, wie man den Motor abstellt. Jedenfalls erzählte uns P. Kensy, der bekanntlich ein großer Geschichtenerzähler war, diese Geschichte einmal später so oder jedenfalls so ähnlich.

Noch einmal habe ich mit Br. Werner während seiner letzten Jahre in Simbabwe als sein Superior in derselben Kommunität in St. Albert's gelebt. Ein Teil des Gartens war der Schule abgetreten worden. Lehrer und Schüler sollten selbstverantwortlich lernen, und der ganze Garten wurde auch für Br. Werner zu viel. Klar, die neuen Gärtner entsprachen nicht seinen hohen Qualitätsanforderungen, und er litt spürbar darunter, als er nach und nach den Verfall seines geliebten Gartens mitansehen mußte. Seine eigenen Lehrlinge hatte er hervorragend ausgebildet, und sie haben dann auch den Garten der Kommunität nach seiner Abreise nach Deutschland sehr kompetent weiter versorgt. Aber Scharen von Jungen und Mädchen und zusätzlich deren Lehrer, die dazu im Anzug und feinen Sonntagshalbschuhen erschienen, im Gartenbau zu unterrichten, das war seine Sache nicht!

Als Jesuit nahm Br. Werner die Indifferenz sehr genau. Obwohl ihm auf seine alten Tage die Beine ziemlich weh taten, konnte er nicht aufhören, im Garten zu arbeiten. Eine Ablösung erschien angezeigt. Aber wollte er wirklich anderswo hingehen? Er selbst traute sich einfach nicht zu sagen, was seiner Meinung nach mit ihm geschehen sollte. Ich war mächtig erleichtert, als er nach vielen Ermutigungen schließlich klar sagte, er glaube, er solle nach Deutschland zurückkehren, da er jetzt nicht mehr länger in der Lage war, viel in Simbabwe zu tun. Obwohl wir sehr traurig waren, diesen liebenswürdigen, freundlichen Mitbruder, der auf unauffällige Weise ein Mann des Gebetes war, als Mitglied unserer Kommunität zu verlieren, konnten wir ihm dann doch frohen Herzens adieu sagen, weil wir sicher waren, daß er einen ruhigen Lebensabend redlich verdient hatte."

Wir waren traurig über den Verlust
dieses liebenswürdigen, freundlichen Mitbruders.

P. Rainer Zinnkann schreibt: "1966 führte mich Br. Werner durch den Garten von St. Rupert's. Er sprach vom Wetter, von diesem und jenen und von den Tieren, die von der anderen Seite des Mafuri herüberkamen. Sein Gehör war damals noch ganz gut, aber in der Rekreation war er ziemlich schweigsam. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland habe ich Br. Werner zweimal gesehen. 1987 kam er zum Mittagessen aus dem Garten und hatte dabei seine üblichen kurzen Hosen an, obwohl es noch März und draußen ziemlich kalt war. Er war ganz mitteilsam, obwohl er schon ein bißchen in seine eigene Welt eingeschlossen war. Bei meinem zweiten Besuch in Berlin 1992 traf ich ihn in der Rekreation - aber da konnte er am Gespräch nicht mehr teilnehmen. Jemand versuchte, ihm zu erklären, wer ich war. Br. Werner sagte ein paar Worte, aber er erkannte mich nicht mehr. Er tat mir wirklich leid."

Br. Werner starb am 1. März 1993 im Peter-Faber-Kolleg. Das Requiem wurde am 9. März in der Hauskapelle gefeiert, anschließend fand die Beisetzung auf dem St. Hedwigsfriedhof statt. In Simbabwe versammelten sich am 23. März P. Provinzial, Bischof Reckter und viele andere Jesuiten und Bekannte von ihm in der Kathedrale von Chinhoyi zur Totenmesse. P. Wermter hielt die Predigt.

R.i.p.

(Aus: Zimbawe Province Newsletter No. 263, 1. April 1993
- Übersetzung von P. Hermann Kügler SJ)

Aus der Norddeutschen Provinz, 3/1993 - Mai, S.70ff