P. Joh. B. Zorell SJ
13. Juni 1937 in Hoheneichen

P. Zorell hatte, wie es der Wunsch aller ist, die sich mit der Abfassung eines Nachrufes über verstorbene Mitbrüder zu beschäftigen haben, sich lange abgemüht, die dafür verwendbaren Daten schön zusammenzustellen und auf diese Weise seinen letzten brüderlichen Liebesdienst zu leisten. Diejenigen, die sich mit der endgültigen Herausgabe des Nachrufes zu beschäftigen hatten, waren so entzückt von seiner Arbeit, daß sie dieselbe an seinen Provinzial zurückschickten mit der Bitte, er möchte sie als Buch einem größeren Leserkreis vermitteln. So edel der Wunsch auch war, so ließ er sich doch in der gegenwärtigen Zeit nicht in die Tat umsetzen, und es erging daher die Bitte an den Verfasser dieser Zeilen, zunächst den üblichen Nachruf zusammenzustellen und die von P. Zorell verfaßte Selbstbiographie in die Hände des treuen Archivars zurückzugeben, bis bessere Zeiten und reichere Mittel es ermöglichen, den Wunsch seiner Bewunderer zu erfüllen.

P. Zorells bereits genannte Autobiographie hebt an mit den Worten: Im Jahre des Heiles 1856, am 23. November, auf St. Clemens wurde ich geboren und noch am selben Tage in der Frauen- oder Stadtpfarrkirche zu Ravensburg auf den Namen Johannes getauft. Die Schwierigkeit, welcher heilige Johannes nun eigentlich sein Namenspatron sei, stellte sich schon früh ein. Seine eigene Mutter sagte, Johannes der Apostel sei sein Patron; ein Vetter unseres Paters, Dr. Stefan Zorell, der in den kirchlichen Gebräuchen seiner Zeit sich sehr gut auskannte, erklärte später, er habe gemäß der üblichen Sitte den Namen seines Taufpaten erhalten. Der aber hieß Johannes Baptista. Später entschied sich P. Zorell dafür, alle 64 Johannes des römischen Martyrologiums zu verehren und, als er im Laufe der Jahre Hausoberer wurde, zweimal im Jahre Namenstag zu feiern, Ende Juni und Ende Dezember, eine Einrichtung, die von allen seinen Untertanen stets freudig begrüßt wurde.

Die Eltern des kleinen Johannes waren tief religiöse Leute aus der Nähe von Ravensburg, in deren Leben die Religion den ersten Platz einnahm. Zorell erzählt von seinem Vater, daß er ein nachgeborener Sohn eines Landwirtes war, der entsprechend der Sitte des Landes entweder auf dem väterlichen Hof bei seinem älteren Bruder hätte als Knecht dienen oder sonst irgendeine Stelle annehmen und sich durchs Leben schlagen müssen. Sein Vater aber hatte andere Pläne. Er träumte vom Müllerberuf, der angesehen war in der Gegend, und der es seinen Klienten ermöglichte, mit ihren Wagen durch die Welt zu fahren und reichlich Geld zu verdienen. Sein Vater aber hielt den Sohn für zu klein und schmächtig für einen solchen Beruf und stellte ihn darum nach Ablauf der Volksschule in den Dienst bei einem Bauer der Nachbarschaft. Der Bauer war grob und sein Knecht noch gröber und das Leben in der Lehre hart und schwer. Während einer Nacht machte sich der arme Tropf auf und davon, um in einer Mühle, in der die Stelle eines Lehrlings frei war, ein Unterkommen zu suchen. Sein Dienstherr, der von seinem Plan Wind bekommen hatte und den flüchtigen Lehrbuben heimholen wollte, mußte, ohne sein Ziel zu erreichen, umkehren; der Bub erreichte sein Ziel und wurde Müller. In dem neuen Beruf brachte er es bald so weit, daß er die Leitung der Mühle übernehmen und im Laufe der folgenden Jahre so viel verdienen konnte, daß er sich die zur Zeit frei werdende Gänsemühle in Ravensburg erwerben und damit ein eigenes Geschäft beginnen konnte.

Die Mutter unseres P. Zorell, auch aus der Nähe von Ravensburg stammend, war eine sehr fromme Frau. Ihre von zu Haus mitgebrachte Frömmigkeit war noch vermehrt worden durch Teilnahme an den damals in der Gegend abgehaltenen Missionen. P. Zorell erzählt uns, wie sie sich an der von unsern Patres im Weingarten abgehaltenen Mission mit ihren Geschwistern beteiligte und jeden Tag den weiten Weg von ihrem Heimatsort nach dem ziemlich entfernten Weingarten machte, um ja keine Predigt zu versäumen, und wie sie sich in jener Mission entschloß, ein ganz christliches Leben zu führen und aller Eitelkeit zu entsagen. Voll solcher heiligen Entschlüsse trat sie in ihre Ehe und lebte nach den gefaßten Vorsätzen. Bei einer zweiten Mission in Ravensburg, wo sie sich inzwischen als Gattin des Gänsemüllers niedergelassen hatte, scheint sie den Vorsatz gefaßt zu haben, das Kind, das sie unter dem Herzen trug, dem Heiland in der Gesellschaft Jesu zu schenken, falls es ein Knabe wäre. Unser Johannes war das Kind, das am 23. November geboren wurde. Die Mutter nahm sich ihres ersten Sohnes mit treuer Sorgfalt an, sobald er einmal imstande war, sich zu beschäftigen. Die religiöse Erziehung ward gleich von Anfang an besonders treu berücksichtigt. Am Anfang hatte der Vater noch stark mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Er hatte gelernt, daß das Beten auch ein Mittel sei, um Herr in solchen Lagen zu werden, und darum ging er jeden Morgen in die Frühmesse, um den Segen Gottes zu erflehen. Der kleine Johannes mußte ihn dabei begleiten, schon lange, ehe er in die Volksschule gehen mußte.

Was das Elternhaus begonnen, wurde in der katholischen Volksschule treu weiter gepflegt. Jeden Morgen mußten die Kinder unter Aufsicht der Lehrer den Gottesdienst besuchen. Über ihr Betragen wurde strenge Aufsicht geführt, nicht nur vom Lehrer, sondern auch von all den gottesfürchtigen Frauen und Jungfrauen, die um dieselbe Zeit der Messe beiwohnten und jedes ungebührliche Betragen der Schüler den Lehrern oder Eltern zur Kenntnis brachten. Der junge Zorell hatte zudem noch den eigenen Vater zur Aufsicht hinter sich, der es sehr ernst nahm mit dem Betragen in der Kirche und den Mesner extra belohnte, wenn er hie und da einmal einen besonders frechen Burschen öffentlich zurechtwies und in der Kirche vor allem Volk mit ein paar Ohrfeigen die Ordnung und die Andacht wiederherstellte. Das Geschäft des Vaters hatte den Segen Gottes und blühte im Laufe der Jahre zusehends. Zum Dank dafür wurde jährlich eine Wallfahrt nach Maria Einsiedeln in der Schweiz gemacht. Der junge Zorell durfte öfter dabei sein. Er erzählte gern später, welche Freude ihn erfüllte, wenn er mitgehen durfte, nicht nur, weil er seinen schon damals, wie es scheint, sehr stark entwickelten Wandertrieb befriedigen konnte, sondern ganz besonders, weil er das in Einsiedeln sich zeigende katholische Andachtsleben miterleben durfte.

Auf einer seiner ersten Pilgerfahrten, als Begleiter seines Vaters, betete er zunächst einmal sein ganzes Gebetbuch durch, Meßandacht, Beichtandacht und Kommunionandacht, obwohl er noch nicht einmal Beichtunterricht erhalten hatte, dann alle Andachten, die sonst noch im Gebetbuch zu finden waren, und kam stolz zu seinem Vater zurück, um das verdiente Lob dafür zu erhalten. Er fühlte, nun habe er seine Pflicht als Wallfahrer treu erfüllt, und mehr könne man von einem christlichen Pilger nicht erwarten. Ein andermal stand er inmitten der großen Kirche, um sich die Deckengemälde anzuschauen und Vergleiche zu ziehen mit der ihm vertrauten Weingartener Abteikirche. Da nahte sich die Prozession des ganzen Konventes, um am Altar der Mutter Gottes, der Gewohnheit gemäß, das Salve Regina zu singen. Während das ganze versammelte Volk andächtig Platz machte, starrte unser frommer Pilger andächtig in die Höhe, ohne aus dem Wege zu gehen. Einer der ersten Benediktiner gab ihm einen nicht zu verachtenden Fußtritt, um freie Bahn zu schaffen. P. Zorell hielt ihn für einen schwäbischen Landsmann und meinte, keine andere Nation wäre imstande, mit solcher Kraft und solchem Decorum Fußtritte auszuteilen, und versicherte jedesmal, er würde noch am Jüngsten Tag dem frommen Benediktiner den Tritt heimzahlen und ihn in die Chöre der heiligen Seraphine hineinbefördern für seinen Eifer um die gute Ordnung in der Kirche Gottes.

Die Wallfahrten nach Einsiedeln waren immer eine willkommene Unterbrechung des Lebens eines lebenslustigen Schulbuben. - P. Zorell weiß aber viel zu erzählen, daß die damalige Ravensburger Jugend nicht an Langweile litt. Oberster Grundsatz der damaligen Erziehungsmethode scheint der Satz gewesen zu sein: Schone die Rute und verdirb das Kind. Der Satz wurde von den Lehrern festgehalten und mußte auch von den Buben anerkannt werden, ob sie wollten oder nicht. P. Zorell erzählt in seinen Jugenderinnerungen, wie die Schüler am Namensfest eines ihrer Lehrer diesem eine Reihe von Haselstecken verehrten neben andern Namenstagsgeschenken. Diese wurden hergerichtet für die jeden Samstag stattfindenden Exekutionen. Alle Schuldbeladenen wurden der Reihe nach bestraft, nach genau festgelegten Grundsätzen. Sich zu drücken war nicht leicht möglich, da die Schüler genau achtgaben, daß jeder Schuldige seine Strafe erhielt.

Mit Wonne erzählt uns P. Zorell, wie es ihm doch einmal gelang, einer Strafe sich zu entziehen, weil er fest überzeugt war, daß er unschuldig sei und keine Strafe verdient habe. Er verzog sich von der Menge der Harrenden, als ob er bereits seine Strafe erhalten hätte. Die Tat gelang; und am Jüngsten Tag hofft er die Rechtfertigung für seine Tat zu erhalten. Eine bedeutende Persönlichkeit in seiner Jugend war das sogenannte Katzenliesele, eine ältliche Jungfrau, die in ihren frühern Jahren reich und schön gewesen, dann später durch ein Mißgeschick Vermögen und Schönheit verlor und mit einer alten Ziege in einem der vielen Türme des turmreichen Ravensburg auf eigene Faust sich einnistete, in der Nähe der Zorellschen Heimat, umgeben von ihren auf der Straße gesammelten Kleinodien, der Kinder und großer Leute Spott. Auch sie hofft Zorell am Jüngsten Tag in der Herrlichkeit der Auferstandenen wiederzuschauen. Der an sein Haus anschließende Garten bot die reichste Gelegenheit für seine sich allmählig entwickelnde Einbildungskraft zu Taten von gewaltigem Ausmaß. Kirche und Staat lieferten ihm und seinen Geschwistern und Kameraden den reichsten Stoff für alle möglichen Darbietungen aus dem Leben. Ein unter dem Hause sich hinziehender Bach bot der frommen Mutter manche Gelegenheit, ihren kleinen Johannes auf den Fischerberuf der Apostel hinzuweisen; der verstand vorläufig jedoch nur so viel, daß Fische sehr gut zu essen seien.

Fromme Gefühle kannte er jedoch auch, und darum hielt er mit seinen Kameraden zur Fronleichnamszeit großartige Prozessionen ab, bei denen er jedoch mehr die Rolle des Chordirigenten übernahm, während sein Bruder Franz die Predigt übernehmen mußte, was er auch zur großen Befriedigung seiner gespannt lauschenden, jugendlichen Zuhörerschaft tat. Nach der Vollendung der vierten Volksschulklasse kam er auf das Gymnasium, um sich auf einen höhern Beruf vorzubereiten. Er machte gute Fortschritte in den Studien und gewann die Liebe all seiner Lehrer, die in der damaligen Zeit hauptsächlich gut in den klassischen Sprachen ausbildeten. P. Zorell sprach mit großer Hochachtung von seinen Lehrern. Ein eigentliches Vertrauensverhältnis zwischen Lehrern und Schülern, wie man es manchmal beobachten kann, scheint sich jedoch nicht entwickelt zu haben. Zorell nennt zwar den einen oder andern, der sich interessierte für seine Schüler, aber gegen jede vertraulichere Annäherung sich abschloß und seine Schüler ziemlich fern von sich hielt, während er sonst ein treuer, eifriger Priester war und große Hochachtung in der ganzen Stadt genoß. Für den Wunsch Zorells und einiger seiner Kameraden, eine Kongregation zu bilden, war er nicht zu gewinnen.

Mitten in diese ersten Jahre seiner Ravensburger Gymnasialjahre kam der Tod seiner lieben Mutter, der unserem jungen Freund sehr nahe ging. Nach ihrem sehr frommen Sterben tröstete der Kaplan, der ihr in der letzten schweren Stunde beigestanden, den weinenden Buben mit dem Gedanken, daß die Mutter für ihn nicht verlorengegangen sei, sondern daß sie jetzt noch besser für ihn sorgen könne. "Der heilige Aloisius hat sie geholt." "Ich dachte, der heilige Aloisius hat vielleicht etwas mit mir vor. Ich war damals 13 Jahre alt. Es war ein harter Schlag. Doch so viel Glaubensgeist hatte mir diese gute Mutter eingeflößt, daß ich dachte, Gott wird wissen, warum er das getan. Vielleicht kommt einmal die Zeit, wo auch ich einsehen werde, warum es geschah. Und ich habe es später erkannt. Ohne den Tod der Mutter wäre ich wohl nie Jesuit geworden. Als ich zu den Jesuiten ging, sagten die Leute: Das hat ihm seine Mutter im Himmel erfleht. Die Mutter war für mich nicht verloren. In der Denkweise, die sie mir beigebracht, dachte ich nach ihrem Tode: Jetzt umschwebt dich deine Mutter. Alles, was du tust, sieht sie; hört alles, was du sprichst. Es ging eine ganze Wandlung zum Bessern in mir vor. Ich wagte nie etwas zu tun, was sie nicht sehen durfte. Die Mutter hat mir nach dem Tode mehr genützt, als wenn sie noch lange gelebt hätte auf Erden. Wäre die Mutter nicht gestorben, wäre ich nicht nach der Mehrerau gekommen. Die Mehrerau war für mich der Weg, das Sprungbrett zur Gesellschaft, und mein Bruder folgte mir nach."

Die erste Liebe für das Leben und die Lehrer in der Mehrerau bewahrte P. Zorell sein ganzes Leben lang. Das erste Jahr brachte ihm allerdings eine bittere Enttäuschung. Der veränderte Studienplan der österreichischen Schulordnung zwang ihn, ein ganzes Jahr zu verlieren, da das deutsche Gymnasium in den unteren Klassen mehr Zeit auf die Ausbildung in den klassischen Sprachen verwandte, während das österreichische Gymnasium schon früher die Realfächer betonte. Da er aber viel Zeit zur Verfügung hatte und die neuen Fächer ihm keine größeren Schwierigkeiten machten, fand er reichlich Gelegenheit, sich in den Sprachen weiterzubilden und der Lesung von Klassikern sich zu widmen. Sein Vater hatte ihn im Jahre 1870 persönlich nach der Mehrerau gebracht. Auf dem Rückweg durfte er ihn noch bis zum nahen Bregenzer Bahnhof begleiten. Als die erste Scheidestunde in ihrem Leben kam, schaute der Vater noch manchmal um nach seinem Ältesten; der aber zog frischgemut der neuen Heimat zu, ohne sich auch nur einmal zu wenden. Der Vater freute sich über seines Ältesten Wagemut und Entschlossenheit, mit der er seiner neuen Heimat entgegenzog.

Der Aufenthalt in der Mehrerau, so schreibt P. Zorell, war für mich eine große Gnade. Sobald ich hinkam, fühlte ich mich in einer ganz heiligen Luft. "Du bist in einem Kloster. Da ist eine Sünde etwas Unmögliches." "Eine neue Gnade war für mich die Aufnahme in die Marianische Kongregation am 8. Dezember 1870. Das war ein seliger Augenblick, da man die Hand schwörend auf das Evangelienbuch legt und sich ganz der Himmelskönigin und durch sie und mit ihr dem Dienst ihres Sohnes weihte. Die dritte Gnade waren die heiligen Exerzitien. Die haben mächtig auf uns gewirkt. Ich bekam eine schreckliche Angst vor der Hölle. Mit meinem Freund betete ich lange Zeit in der Erholung den Rosenkranz, um vor ihr bewahrt zu werden. In den Exerzitien wurde wirklich der Grundstein zu meinem Beruf gelegt. Es war meines Erinnerns der 15. Mai 1872. Ich betete an diesem Tag während der Messe ganz besonders zu den heiligen Engeln, wie es im Gebetbuch "Der Gute Congreganist" von P. Jos. Frey S. J. angegeben war. Nach der heiligen Messe gingen wir in Reihen hinaus. Als ich nun die Hand in das Weihwasserbecken streckte und mich mit dem Kreuzzeichen bezeichnete, kamen mir aus meinem Leben in einer Reihe sechs oder sieben Ereignisse in den Sinn, wo mir jedesmal der Gedanke gekommen war: Willst du nicht Jesuit werden? Es war mir, als ob jemand neben mir stände und mir gesagt hätte: Werde Jesuit! Jetzt war die Sache entschieden. Ich wußte, was ich zu tun hatte. Der Gedanke, in die Gesellschaft einzutreten, war mir schon nahegetreten in den ersten Exerzitien, die ich unter P. Dolfinger in der Mehrerau gemacht hatte."

Die Feldkircher Patres verstanden es sehr wohl, die Wahrheiten sehr ernst und klar darzulegen, ohne zu übertreiben, ohne gewalttätig zu zwingen. Die folgenden Exerzitien wurden wiederum von P. Theodor Schmid gegeben, der auch im Jahre zuvor in der Mehrerau gewesen war. P. Zorell besuchte ihn und ward eingeladen, sich in Feldkirch einmal examinieren zu lassen. Früh morgens zog er von Bregenz nach Feldkirch in die Stella matutina. Die Empfehlungen von der Mehrerau waren die besten, aber je näher er an Feldkirch kam, um so größer wurde die Sorge, wie das ausgehen werde. Abends kam er wieder ganz heil nach Hause, ohne daß jemand seinen Weggang bemerkt hätte. Es wurde ihm der Rat gegeben, nach Gorheim in das Noviziat der süddeutschen Provinz zu gehen, um sich dort den "Betrieb" anzusehen. Das geschah dann auch in den nächsten Ferien. Er lernte dort P. Wilhelm Eberschweiler kennen, der Novizenmeister war, und fühlte sich gewaltig von seinem heiteren und frommen Wesen angezogen. Jeden Monat erhielt er von ihm einen Brief, der ihm mächtig Freude machte und ihn in seinem Berufe bestärkte. Er war noch zu jung, um sofort in das Noviziat aufgenommen zu werden. Die Jesuiten wurden im Jahre 1872 aus Deutschland ausgewiesen und hatten damals noch keinen Ort, wo sie mit ihren Novizen hingehen konnten. Im Herbst dieses Jahres wurde ihnen jedoch Exaten in Holland angeboten, und bald darauf erhielt Zorell die Einladung, dorthin nachzufolgen, um sein Noviziat daselbst zu beginnen, da er inzwischen das vorgeschriebene Alter erreicht hatte.

Im Ulm bestieg er den Schnellzug nach dem Rheinland, in dem er seinen alten Bekannten, P. Theodor Schmid, traf, der gerade nach Bonn fuhr, um die Feldkircher Zöglinge in das Pensionat zurückzuholen. Der Kulturkampf und die Hetze gegen die Gesellschaft waren auf dem Höhepunkt. Doch weder P. Schmid noch sein jüngster Ordensbruder kümmerten sich um das Gerede, sondern schliefen die meiste Zeit, so daß der P. Schmid kaum genügend Zeit fand, seinen zukünftigen Mitbruder in Koblenz aus dem Wagen herauszubringen. Am Bahnhof fand er seinen zukünftigen Lebensgenossen Karl München. Der hatte sich seine Aufgabe ziemlich leicht gemacht. Er lief den Bahnsteig ab und schrie mehrere Male laut und kräftig: Zorell, Zorell! Der antwortet in reinstem Schwäbisch: Do bin i - wurde mit Beschlag belegt und in eine feine Familie gebracht und zum Abendessen eingeladen. Es ging hoch her, und Zorell, der zum erstenmal an einem vornehmen Abendessen teilnahm, erzählte oft nachher, mit welch peinlicher Gewissenhaftigkeit er seinem Mentor München nachzuahmen suchte in der Wahl der Speisen und Getränke und mit seiner schon damals stark entwickelten facundia seinen jungen, rheinischen Tischgenossen reichen Anlaß zum Vergnügen bot durch seine meisterhafte schwäbische Aussprache. Am folgenden Tage ging es über Köln nach Aachen, Valkenburg, Wijnandsrade, wohin sie P. Eberschweiler eingeladen hatte. Am folgenden Tage mußten sie nach Exaten abreisen. Reisemarschall war München, der auch das Zorellsche Geld verwalten durfte. Spät am Abend kamen unsere beiden Wanderer in Exaten an. Die Kommunität war gerade bei der Litanei, und alle, die mit den Neuangekommenen zu tun hatten, schienen sich besonders auf die treue Beobachtung des vollkommenen, großen Stillschweigens verlegt zu haben.

Die ersten Stunden im Noviziatshause waren für unsere beiden Kandidaten sicher keine gemütlichen. P. München erzählte später, er hätte vier Wochen gebraucht, um sein seelisches Gleichgewicht wiederzufinden und seinem Berufe treu zu bleiben, beide aber empfahlen schon von damals ab, nie unangemeldet zu später Abendstunde in einem Hause der Unsrigen einzutreffen, und wissen schauerliche Geschichten zu erzählen von den Folgen der Vernachlässigung eines so weisen Rates. Der folgende Morgen brachte die beiden Neuangekommenen mit ihren Mitbrüdern zusammen. Es scheint eine lustige Gesellschaft gewesen zu sein, die sich das Leben, soweit die Umstände es erlaubten, leicht und erträglich machte und die effectus paupertatis mit großer Freude trug. Die Schlafsäle waren ursprünglich Getreidespeicher gewesen und waren als solche auch der Lieblingsaufenthalt vieler anderer Bewohner geworden. Auf diese mußte jeden Morgen nach dem Frühstück Jagd gemacht werden. Zorell erzählt mit Wonne, wie er es in dieser Kunst zu einer wahren Meisterschaft brachte und schließlich aus dem Kampfe mit seinen Mitnovizen als Sieger hervorging. Aber: er sollte auch noch einen ganz anderen schwereren Kampf auszufechten haben, der ihm während des ganzen Noviziates bis in die Jahre der Philosophie schwere Stunden brachte.

P. Zorell hat in Nummer 106 der Mitteilungen aus den Deutschen Provinzen seine ganze Schwierigkeit klar und deutlich geschildert und uns auch einen Einblick gestattet in die Veranlassung derselben. Wir begreifen, wenn er nach Abschluß des Kampfes froh war, sie für immer begraben zu können als unnütze Kindereien, die ihm einige Zeit aber derart zugesetzt hatten, daß er im Andenken daran alle schriftlichen Aufzeichnungen aus seinen Noviziats- und Junioratsjahren vernichtete und ins Feuer warf. Den einen Vorteil für seine zukünftige Tätigkeit dürfte es jedoch wohl gehabt haben, daß es P. Zorell ein tiefes Mitleid lehrte, für all die vielen, die unter ähnlichen seelischen Schwierigkeiten litten und bei ihm Rat und Hilfe suchten. Im übrigen macht P. Zorell, wo er von diesen Schwierigkeiten spricht, selbst die Bemerkung, daß diese nicht kontinuierlich angedauert hätten, sondern daß auch zuweilen sein frohes Gemüt zum Durchbruch gekommen sei. Er hatte die Gabe in sich entdeckt, das, was anderen zur Unterhaltung und Belustigung diente, in gebundener Sprache darzustellen, und diese Musengabe brauchte er schon früh bei den gemütlichen Veranstaltungen, die der Sitte gemäß abgehalten werden. Und sein Nachlaß enthält eine ganze Sammlung von Gedichten aus den verschiedensten Lebenslagen über Streiche, Ereignisse und ähnliches, das damals sein und seiner Mitbrüder Interesse beanspruchte.

Es ist wohl nicht leicht möglich, heutzutage noch Beispiele aus früherer Zeit anzuführen und Proben zu geben, wie man sich vor 50 und mehr Jahren auf der holländischen Heide unterhielt und den Ernst des Lebens zu mildern suchte, indem man sich gegenseitig hänselte. Wer es aber dennoch wünscht, Proben zu sehen, wende sich vertrauensvoll an den Archivar der Provinz, der den Zorellschen Nachlaß treu verwaltet und auf die Stunde wartet, da er die ganze Hinterlassenschaft einer gespannt wartenden Zukunft vorlegen darf. Nachdem unser Fr. Zorell durch P. E. Pütz von seiner Skrupelosität geheilt war, fand sich auch wieder sein goldener Humor ein, der ihn treu begleitete auf seinem Lebenswege und ihn und viele andere über manche Schwierigkeit hinwegtrug. Die Studienjahre brachte er zu in Wijnandsrade, wo er das Juniorat und die um diese Zeit fälligen klassischen Studien absolvierte. Von dort ging es in die Philosophie nach Blijenbeek, wo unsere jungen Studenten zu Männern heranwuchsen und bei allem, was sie taten, nach den letzten Gründen fragten, und alles, was ihnen in die Hände fiel, aufklebten, annagelten oder auf irgendeine Weise für kommende Geschlechter aufbewahrten. Auch mancher Beruf wurde da entdeckt oder vorbereitet.

So behauptet unser Freund Zorell, er sei es gewesen, der den großen Ameisenforscher Wasmann habe entdecken helfen, und dem er nach Abschluß seiner philosophischen Lehr- und Wanderjahre eine ganze Käfersammlung überlassen habe, die er auf seinen Gängen durch die holländische Heide angelegt habe, und die P. Wasmann erst auf das Studium der Termiten gebracht habe. Was an der Behauptung wahr ist, wird wohl eigentlich erst klar werden, wenn später einmal die ganze Weltordnung und ihre Zusammenhänge klar und deutlich gezeigt werden. P. Wasmann scheint sogar schon selbst die Mitarbeit P. Zorells an seiner eigenen Leistung anerkannt zu haben. Jedenfalls hat Zorell immer wieder seine Mitarbeit geschildert und den Ruf Wasmanns, wo immer er konnte, seiner Umgebung verkündet. Auf die philosophischen Lehrjahre folgten die Jahre der praktischen Betätigung im Lehrberufe als Präfekt oder Magister in einem unserer Kollegien. P. Zorell wurde nach der Stella matutina geschickt, wo er den Beruf eines Präfekten bei den ganz Kleinen und bei den Kranken auszuüben hatte.

Mit dem Abschluß der Kollegsjahre kam endlich der Übergang zur Theologie. Ditton-Hall in England beherbergte damals die deutschen Theologen. Unsere Scholastiker waren gerne in England und freuten sich über ihr Zusammentreffen mit den englischen Scholastikern in Stonyhurst. Einen etwas bitteren Beigeschmack brachte zwar das damals eingeführte fünfte Jahr der Theologie. Die Zorellsche Muse mußte alles aufbieten, um den davon betroffenen Scholastikern die Sache als schön, nützlich und notwendig darzustellen. Es gelang auch, die nötige Ergebung in den heiligen Willen Gottes zusammenzubringen, aber schließlich wurde der Plan wieder aufgegeben, ohne daß dem verlorenen Jahre von irgendeiner Seite besondere Tränen nachgeweint wurden. Die Priesterweihe erhielt er im Jahre 1888 in England. Sein drittes Probejahr absolvierte er in Lainz bei Wien im Jahre 1890, und nun konnte er die Seelsorgstätigkeit beginnen, nach der sich sein Herz gesehnt hatte während so vieler Jahre der Vorbereitung. Die ersten zehn Jahre seines Priesterlebens verbrachte er, wie er es sich erbetet und gewünscht hatte, in den Häusern von Exaten, Feldkirch, Luxemburg und Valkenburg, immer bereit, seine Kraft zur Verfügung zu stellen.

Nach mündlichen Berichten scheint er ein großes Geschick in der sogenannten Kindermission gezeigt zu haben, die er auch noch später immer wieder gerne hielt, obschon ältere Patres sie immer mit Freuden auf jüngere Schultern zu legen pflegen. Seine eigentliche Seelsorgstätigkeit war aber die Großstadtseelsorge. Zu dieser Art von Arbeit wurde er bestimmt durch seinen Provinzial, P. Karl Schäffer. Schon unter dessen Vorgänger, P. H. Haan, war wiederholt der dringende Wunsch ausgesprochen worden, die Provinz möchte der schwer belasteten Berliner Geistlichkeit zwei Patres zur Verfügung stellen, die bereit wären, zunächst einmal in der Seelsorge der vielen weiblichen Ordenskräfte mitzuhelfen, und dann auch bereit wären, sich dem Herrn Prälaten zur Verfügung zu stellen bei allen Arten von Arbeiten im Laufe der Woche. R. P. Schäffer bestimmte unsern P. Zorell dafür, nachdem schon etwas früher P. Brors nach Berlin abgereist war. Beide hatten schon früher ziemlich viel zusammen gearbeitet und sich immer gut verstanden.

Über die seelsorgerliche Tätigkeit des guten P. Zorell ist seinerzeit viel gesprochen und geurteilt worden, zu seinem Lob und zum Tadel, wie das zu geschehen pflegt in einer gelehrten Gesellschaft. Hören wir zunächst P. Zorell selber. Durch seinen Vetter, Dr. Stephan Zorell, Repetent am Wilhelmsstift in Tübingen, war er schon ziemlich früh in Berührung gekommen mit den Professoren der katholischen Fakultät in Tübingen. "Ich hatte die Ansicht, daß durch persönlichen Verkehr mit den wissenschaftlich so hoch stehenden und manchmal zu streng beurteilten Tübinger Theologen der katholischen Sache mehr gedient sei als durch irgendwelchen Zwiespalt. Welche Freundschaft schloß ich mit Professor Funk, dessen Kirchengeschichte von unserm P. Kirch das beste Lehrbuch genannt wurde, das damals bekannt war. Wie oft sagte mir Bischof Keppler: "Kommen Sie doch recht oft nach Tübingen, das tut den Professoren gut." So haben wir selten gelacht, als wenn wir in Tübingen im Erholungszimmer, vulgo "Lästerstüble" genannt, zusammensaßen und ich meine lustigen Geschichten erzählen durfte ...

O, das Lachen und Erzählen hat mir viel Freude gemacht und manche mit uns versöhnt. Es ist auch eine Gabe Gottes, andere froh zu stimmen. Das trägt mehr zur Eintracht bei als das Widerlegen einer falschen Ansicht, obschon das auch sein darf und manchmal sein muß. Aber der eine hat das Talent für das, und der andere für etwas anderes. Der eine sorgt dafür durch Wissenschaft, der andere durch Freundschaft - oder auch durch Dummheit! Ich wurde manchmal gelobt, als ob ich meine Sache in Berlin so gut gemacht hätte oder die Menschen für uns gewonnen hätte. Da war viel Übertreibung bei diesem Lob. Ein alter Missionär, es war der tüchtige, berühmte P. Aschenbrenner, sagte einmal in meiner Gegenwart zu andern Patres: "Da sagt man immer, der Zorell mache seine Sache so gut. Was ist es denn? Dummheit ist es, Dummheit!" Er hatte ganz recht, und ich nehme es, ihm keinen Augenblick übel, und jetzt erst recht nicht.

Ich gewann aber die Geistlichen dadurch, daß ich stets zu jeder Hilfe bereit war und auch meine Patres für alle zur Verfügung stellte. Ich fragte nur: Ist es physisch möglich, es zu leisten, und dann geschah es. Das war ja Dummheit. Ich war kein berühmter Redner, kein Mann der Wissenschaft, aber ich stellte den Geistlichen das Wenige zur Verfügung, was ich hatte. Das war wirklich meine Dummheit. Jeder muß seine Talente benützen. Auch mit Dummheit ist etwas zu erreichen. Christus sagt, daß er durch die Schwäche die Kraft besiege, so kann er auch durch die Dummheit etwas zuwege bringen und zunächst die Dummen anlocken. Ich habe wie ein Straßenpflasterer den Weg für andere bereitet, und das, was meine Stultiz angefangen, haben weise und gelehrte Mitbrüder fortgesetzt und werden es vollenden.

Wenn ich manchmal die Notizbüchlein durchlese, wo ich alle meine Arbeiten, Predigten, Exerzitien, Missionen aufgezeichnet habe, die ich gehalten habe von der Westküste Englands bis nach Memel, von Mönchen-Gladbach bis nach Graz in Steiermark, von der dänischen Grenze bei Flensburg bis an die italienische im Kanton Wallis und Graubünden, da graut es mir oft wirklich über den schlechten Erfolg. Einzelne Geistliche hatten mehr erwartet und äußerten ihre Unzufriedenheit. Ich war immer unzufrieden mit mir, und in ganz wenigen Fällen, die ich an den Fingern zählen kann, dachte ich: dieses Mal war es gut. Letzteres war besonders dann der Fall, wenn ich mich auf eine Predigt oder Oktav oder Exerzitien ganz gut vorbereitet hatte. Immer konnte ich das auch nicht. Manchmal hätte ich es gekonnt oder gesollt, und es ist nicht geschehen; ich hoffe aber, daß Gott seine Gnade doch oft an ein einzelnes Wort einer Predigt geknüpft hat, die schlecht war. Es kam mir auch vor, daß eine Predigt, die ich für schlecht hielt, dennoch gefiel und gute Wirkung hatte."

Über seine Berliner Tätigkeit schreibt P. Zorell in seinen Aufzeichnungen: "Als ich von 1898 bis 1900 in Valkenburg war, sagte mir der damalige Provinzial R. P. Karl Schäffer, daß er vorhabe, mich nach Berlin zu versetzen. Er brauche einen Pater, der es verstehe, das Wort Gottes ohne "Prätention" vorzutragen. Er wolle keinen berühmten Redner hinschicken. Schon zwei Monate zuvor war P. Brors dahingeschickt worden. Ich kam Ende September dahin. P. Brors hatte bei der anfangs geringen Tätigkeit in Berlin traurige Stunden daselbst erlebt und freute sich ungemein, als er in mir einen Sozius bekam. Wir waren schon von 1895 bis 1898 in Luxemburg gute Kameraden geworden und hatten manchen Scherz miteinander erlebt. Die Freude des Wiedersehens war groß. Der eigentliche Grund, warum wir nach Berlin kamen, waren die Ordensschwestern, die für die Quatembertage außerordentliche Beichtväter wünschten. Von ihnen gedrängt, verlangte Propst und Delegat Neuber zwei Patres zu diesem Zweck.

In einem Vertrag, der gemacht wurde zwischen Prälat Neuber und R. P. Haan, dem Vorgänger des P. Schäffer, war ausgemacht, daß er uns zu allen möglichen Arbeiten brauchen könnte, für Katechese, Taufen, Beichtstuhl, Krankenbesuche usw. Ich knurrte etwas im Innern, als ich diesen Vertrag las und bildete mir fast ein, es sei eine Entwürdigung, uns zu solchen Arbeiten zu verwenden. Wir haben diese Arbeiten aber schließlich gerne geleistet, besonders, weil sie uns den Weg öffneten zu viel wichtigeren und uns zusagenden Arbeiten. Es hieß schließlich: Die Jesuiten helfen überall, wo sie können; nichts ist ihnen zuviel und nichts zu gering. So haben wir uns damals die Gunst des Klerus bald erworben. P. Brors befreundete sich mit jedem und tat von Anfang an, als ob er mit jedem seit Jahren in Freundschaft gestanden hätte. Mein schwäbisches Wesen und meine Scherze schienen ihnen auch zu gefallen, und unsere Heiterkeit verschaffte den Priestern und uns viel frohe Stunden. Auch der Herrgott sorgte in seiner gütigen Vorsehung dafür, daß es manches zu lachen gab.

Unser Arbeitsfeld wurde immer größer. In Berlin und über Berlin hinaus, in der ganzen Mark Brandenburg, gab es bei dem Priestermangel viel zu tun. Wenn in den Ferien die Geistlichen ihre Erholungsreisen machten, halfen wir gerne an den Sonntagen in den verlassenen Pfarreien aus. Ich ging aber auch jeden anwesenden oder durchreisenden Mitbruder an Sonn- und Feiertagen um Aushilfe an; ich hätte es nicht über das Herz bringen können, daß ich an einem Sonntag oder Feiertag, um mich auszuruhen, eine Arbeit abgeschlagen hätte; ich dachte, der Arbeitstag des Priesters ist der Sonntag. Wenn einer sich erholen will, kann er doch sechs Tage ruhen und dann einen Tag arbeiten, falls er wirklich gesund ist. Ich war der Überzeugung, daß alle meine Mitbrüder so dachten, und es hat mir nie einer etwas abschlagen können, weil ich das so schwäbisch gutmütig und zugleich hinterlistig und lustig vorzubringen suchte.

Einmal hatte ich mich verrechnet. Ich hatte für einen Feriensonntag im ganzen 13 Aushilfen angenommen. Wir waren damals in Berlin vier Patres. Da wir alle die Vollmacht zu binieren hatten, reichte das für zweimal vier gleich acht Aushilfen an verschiedenen Orten. Ich war am Verzweifeln und bat Gott um Hilfe. Da kam mir eine Erleuchtung: Omnes de Saba venient inundatio camelorum operiet te ... Und es kam so. Aus Holland kamen die in die Ferienarbeiten reisenden Patres von Exaten und Valkenburg und trugen willig die Lasten die ich ihnen auflud am Sonntag. Ich hätte noch mehr Arbeiten annehmen können. Die Helfer waren überzählig und über die Maßen bereitwillig. Gott lohne es ihnen und verzeihe mir meine Unverschämtheit, derentwegen ich doch bei einzelnen berüchtigt und gefürchtet war. Aber ganz habe ich mich noch heute nicht bekehrt... Ich meine, wenigstens am Sonntag muß ein Priester, der gesund ist, auch wenn er in der Woche andere Arbeit tut, seines Priesteramtes walten. Ich bin in der Befolgung dieses Prinzips alt geworden. Sollte es aber eine Ketzerei sein, so bitte ich um Belehrung und Lossprechung von Zensuren und Exkommunikation."

Zu dieser Art von Arbeit und Arbeitsweise schreibt ein Mitbruder, der sie miterlebte: "P. Zorell war Stationsvorsteher in Berlin. Dafür bekam er eine rote Mütze -, wie alle Stationsvorsteher. Wurde nun am Sonntag der Wochenplan aufgestellt, so mußte er die rote Mütze aufsetzen; andernfalls wurden die Befehle des Obern nicht als geltend betrachtet. Zur Reisezeit hatte P. Zorell die Vertretung für alle Pfarreien. Der Hochwürdigste Delegat bekam doch einmal Zweifel und fragte einen Pater: Zu wieviel sind sie denn hier? Wo ein Pfarrer um Urlaub eingibt, schreibt er: Vertretung: - P. Zorell. Am Sonntag war allerdings Holland in Not, wie mit Bination an den entlegensten Orten geholfen werden könne. Regelmäßig waren zu viele Messen zugesagt. P. Zorell begann eine Novene: Liebe Mutter Gottes, bloß heute noch laß noch einen Gast kommen, der morgen helfen kann; das nächste Mal will ich dann besser aufpassen. Aber die Woche darauf war die gleiche Verlegenheit. Doch wurde das Gebet immer erhört. Es ist sicher, daß P. Zorell durch diese Hilfsbereitschaft in Übernahme jeglicher Kleinarbeit den Boden für die heutige Großstadtarbeit aufs beste vorbereitet hat. "Liebe Patres, helft, daß wir uns diesen Sonntag noch durchwurschteln, in der nächsten Woche sollt ihr es dafür gut haben!"

P. Zorell hatte auch eine eigene Sprache mit vielen Feinheiten. Wer eine kurze Ansprache zu halten hatte, durfte "homiletizelner; sermozinäzeln hieß eine Missionspredigt von einer Stunde halten; war ihm eine halbe Stunde Zeit gegönnt, dann konnte er prädikuzzeln. Er war nicht wenig stolz, daß er diese Sprache geheurikibizzelt hatte, die durch P. Aßmuth bis nach Indien und Nordamerika verpflanzt wurde. Wenn er einem eine Epistole grapselte, dann hatte man seine liebe Not, alles zu entziffern, aber auch viel Freude. Von P. Joye selig wird erzählt, er habe einst an einem Brief mit allen möglichen, unmöglichen Vorschlägen herumstudiert, um am Schluß herauszubringen: P. Provinzial, der Brief ist nicht mehr wert, als daß sie ihn in den Papierkorb werfen, - was auch dann mit Affekt geschehen sein soll.

Neben der vielen Arbeit in Berlin und Umgebung stellte P. Zorell mit P. Brors auch seine Kraft zur Verfügung für die Abhaltung von Missionen in den Diasporagemeinden der Mark Brandenburg, Schleswig-Holstein und Pommern. Die Arbeit wurde von beiden mit großem Eifer und nicht geringem Erfolg geleistet und war Gelegenheit zu manchem schönen Erlebnis unter den zerstreut wohnenden Glaubensgenossen. Was notwendig war für die sogenannten Missionsfeiern, wurde von den beiden Missionären mitgeführt, und P. Zorell, der ein eigenes Talent hatte, solche Feiern schön und erhebend zu gestalten, gab sich alle Mühe, den Diasporakatholiken Liebe zur Kirche und herzliche Freude an ihrem Glauben einzupflanzen.

"In Berlin selbst", so heißt es in dem Bericht weiter, "schien unsere erste Schwierigkeit zu sein, wie wir unser Dortsein zunächst der Polizei gegenüber rechtfertigen sollten. Wir waren dort als Studenten gemeldet und wohnten im Hedwigskrankenhaus, besuchten auch manche der Vorlesungen, aber die Polizei wußte, daß wir da waren, und sie wußte auch, daß die Regierung unser Dasein stillschweigend duldete, wenn wir uns nicht als Jesuiten offiziell ausgaben oder sonst von uns reden machten. Die Polizei hat uns immer, wie man damals sagte, honorig, d. h. ehren- und rücksichtsvoll behandelt. Die Polizei tat mir dort nie weh; auch als sie mir hätte wehtun können, hat sie mir doch nichts getan. P. Brors und ich gaben einmal Mission in der Piuskirche. Die ersten zehn Mann, die in den Beichtstuhl zu mir kamen, waren zehn Polizisten in Uniform. Wenn wir am Abend, nach dem Hedwigskrankenhaus zurückkehrend, über den Alexanderplatz zur Stadtbahn gingen, dann salutierten uns die Polizisten, die uns kannten, militärisch und sagten, stolz auf unsern katholischen Glauben, ganz laut: Gelobt sei Jesus Christus!

In diese Zeit meiner Berliner Tätigkeit fiel auch der von unserem ehemaligen Ordensmitglied Paul von Hoensbroech veranlaßte Kampf gegen die Jesuiten. P. Zorell war demselben noch persönlich bekannt aus den Studienjahren in der Gesellschaft. Es war im Jahre 1903 gerade eine Verhandlung über den Toleranzantrag des Zentrums noch vor Aufhebung des § 2 des Jesuitengesetzes. Es sollten wenigstens einige Schärfen des Kulturkampfes gemildert werden, solange man das ganze Gesetz nicht abschaffen konnte. Ich nahm einen gerade zu der Zeit in Berlin studierenden Neffen unseres R. P. Provinzial Schäffer mit in den Reichstag. Auf der Tribüne saß einige Sitze hinter mir der Exjesuit Graf von Hoensbroech, der damals die Tägliche Rundschau redigierte. Ich erkannte ihn in seinem weißen Schnurrbart nicht, obschon ich mich einigemal nach hinten wenden mußte, um ein Blatt Papier weiterzureichen. Die ganze Debatte fiel ziemlich zugunsten des Zentrums aus; von Hoensbroech schrieb am andern Tag, daß er auch der Debatte beigewohnt habe, und schloß: "Vor mir saß ein leibhaftiger Jesuit, den ich sehr wohl kannte. Er aber hat mich nicht wiedererkannt. Der Jesuit ging sehr vergnügt von dannen, zufrieden mit der Nachgiebigkeit der Regierung und dem Erfolg des Zentrums. - Ich aber keineswegs."

Tags darauf bemächtigte sich der Kladderadatsch der Sache und schrieb einen Dialog zwischen Müller und Schulze über Hoensbroech und mich. Der schloß folgendermaßen: "Es ist eigentlich schwer zu sagen: Wer ist ein größerer Lump, ein echter Jesuit oder ein davongelaufener?" Da hatte von Hoensbroech auch sein Fett. Am Anfang versuchte er, uns zu schaden dadurch, daß er alles, was er über uns erfahren konnte, in die Berliner Zeitungen brachte, in der Hoffnung, dadurch unsere Vertreibung zu bewirken. Es war vergebens. Später suchte er mit Hilfe des Ministeriums, uns zu vertreiben. Wir mußten auch ein oder das andere Mal einen Wohnungswechsel vornehmen, um die Behörden zu befriedigen; aber nach 14 Tagen war alles wieder ruhig, und wir fuhren zum Hedwigskrankenhaus zurück, und das Ministerium hatte nichts dagegen. Aber wegen der Anzeige mußte etwas geschehen, d. h. es ist etwas geschehen; aber uns ist nichts geschehen. Solche und ähnliche Schwierigkeiten von anderer Seite, meistens von hypernervösen Priestern ausgehend, wiederholten sich im Laufe der Berliner Tätigkeit, konnten aber das schwäbische Blut nicht in besondere Wallung bringen.

Die Berliner Tätigkeit ging zu Ende im Jahre 1914. Der Katalog führt P. Zorell dieses Jahr als Superior des Hauses in Frankfurt und Soldatenseelsorge bis zum Jahre 1917. 1918 finden wir ihn in Hamburg. Aufzeichnungen über die dortige Tätigkeit liegen nicht vor; aber hier und da meldete sich ein alter Bekannter oder eine arme Seele, der der gute P. Zorell in irgendeiner Not geholfen und Frieden und Seelenruhe vermittelt hatte in den Sorgen der Großstadt, um uns eine Ahnung zu verschaffen, wie er als barmherziger Samaritan seine Wege ging, tröstend und helfend, wo immer er konnte. 1918 wurde er zum ersten Superior der Residenz Aschaffenburg ernannt, die, eben gegründet, als nördlichster Teil der neuen Provinz Germania Superior eingerichtet wurde. Die Unsrigen hatten schon etwas früher durch Vermittlung des Geh. Rates Hufgart sich einen Wirkungskreis in der Stadt verschaffen können durch Beteiligung an der Seelsorge und Leitung einer sich sehr schön entwickelnden Marianischen Mädchenkongregation und der Übernahme der alten eifrigen Männerkongregation.

Die Arbeit in den Kongregationen und an der Sandkirche, einer alten, vom katholischen Volke sehr hochgeschätzten Wallfahrtskirche, mitten in Aschaffenburg, die uns später übertragen wurde, ist unsere Haupttätigkeit in Aschaffenburg und wird es, so Gott will, auch in Zukunft bleiben. Auch eine Missionsturme, die sich besonders in der Würzburger Diözese und den sich anschließenden Nachbardiözesen betätigen sollte, wurde nach Aschaffenburg gelegt und der Leitung des R. P. Superior Zorell unterstellt. P. Zorells erster Grundsatz war, wenn immer möglich, jede Bitte um Aushilfe zu befriedigen. Die Nachfrage war in jener Zeit bei den vielen Missionen außerordentlich stark, und unser Superior hatte oft seine liebe Not, all den Wünschen gerecht zu werden und immer zur rechten Zeit die angeforderten und versprochenen Missionäre bereitzuhalten. In der Fastenzeit, wenn der Drang am stärksten und es manchmal beinahe aussichtslos schien, alle übernommene Arbeit ausführen zu können, war sein Trost für uns: Mut! Ostern kommt sicher, dann können wir wieder ausschnaufen.

Es war rührend zu sehen, mit welcher Teilnahme er sich der einzelnen Hausgenossen annahm und ihnen auf alle mögliche Art und Weise Freude zu machen suchte, und so von Anfang an jene herzliche Bruderliebe schuf, die nie einen Mißton aufkommen ließ, sondern alle fest zusammenschloß in freudigem Zusammenleben und herzlichem Zusammenarbeiten, wie es sich für eine religiöse Gemeinschaft ziemt. Unruhig wurde P. Zorell nur, wenn einmal eine längere Pause einzutreten drohte, für die nicht genug Arbeit vorhanden zu sein schien. Das kam aber fast nie vor. Ruhig war unser guter P. Superior, der nie ohne Seelsorgsarbeit sein konnte, und sich am glücklichsten fühlte, wenn er wie ein guter Postgaul immer im Geschirre laufen konnte. Das war in jenen Tagen beinahe immer der Fall, und für seine Hausgenossen war es eine Freude, wenn sie ein paar Tage der wohlverdienten Ruhe pflegen konnten. Nach Ablauf seiner Aschaffenburger Tätigkeit wurde er nach Hoheneichen versetzt, zunächst als Leiter des dort eröffneten Exerzitienhauses und dann als Superior der ganzen Residenz."

Über die Tätigkeit des P. Zorell in Sachsen schreibt ein Mitbruder: "Für Sachsen war P. Zorell der Mann der Vorsehung: Mit unermüdlichem Eifer hat er die Diaspora durchmissioniert. Erst gab es am Hauptort eine richtige Mission. Dann kamen die Außenstationen an die Reihe; hier wurden Christenlehre, Konvertitenunterricht, Kindervorbereitung zur Erstbeichte und Erstkommunion gehalten. Jeder Katholik wurde aufgesucht, Ehen in Ordnung gebracht, jahrzehntelang Verirrte zurückgewonnen. Nicht selten wurde aus der Notkapelle für die zwei- bis dreiwöchige Mission eine regelmäßige Gottesdienststation. P. Zorell war dabei die Anspruchslosigkeit selber; ein Stück Brot und ein Apfel genügten ihm oft für den ganzen Tag. Von Rheumatismus geplagt, müde und abgeschafft kam er dann gewöhnlich nach Ablauf eines Vierteljahres heim nach Hoheneichen. Die ersten 14 Tage schleppte er sich vom Bett zum Lehnstuhl, vom Lehnstuhl ins Bett. "Ich bin ein alter Kracher. Ich kann nichts mehr schaffen. Zu nichts mehr bin ich zu gebrauchen." Nach einer Woche begann er zu schimpfen: "Ihr Jungen laßt mich nichts mehr tun. Ihr werft mich zum alten Eisen." Am elften Tag begann das Packen. Am Samstag der zweiten Erholungswoche war er wieder für ein Vierteljahr verschwunden." Über die Predigtweise P. Zorells mag noch gesagt werden, was dieselbe Quelle angibt: "Zorells Vortrag war eintönig, aber die Predigten waren gedankentief und sehr gemütvoll ausgearbeitet. Die Herzlichkeit und liebevolle Hilfsbereitschaft, die sein Wort und Wesen offenbarten, gewannen ihm das Vertrauen der Menge."

Die ganze Tätigkeit des guten Paters ist gekennzeichnet durch interessante, humorvolle Erlebnisse mit allen möglichen Menschen, die entweder von ihm oder seinen Mitbrüdern dichterisch verherrlicht wurden. Hoffentlich findet der gewissenhafte Archivar, der alle diese Schätze hütet, in dem später zu veröffentlichenden Leben P. Zorells Gelegenheit, diese Perlen der Dichtkunst unsern Nachkommen zu veröffentlichen. Sie zeigen klar und deutlich, daß die Heiligen keine Kopfhänger sind, sondern volles Verständnis für alle Lagen des Lebens haben. Hier soll nur eine Anekdote beigefügt werden, die seinerzeit der ganzen Hoheneichener Gemeinde viel Freude machte: Das erste Hochamt in Hoheneichen! Ende September war die Feier des goldenen Ordensjubiläums fällig für P. Zorell. Er stellte sich jedoch erst am 11. Dezember zur Verfügung. In der Winterkapelle - im Sommer Sprechzimmer - ist Kommunitätsmesse angesagt. Schon angekleidet erklärt der Jubilar: Du, i han a so a Freid; i sing die Präfation heut. Die Freude durfte nicht verdorben werden. Aber was hätten die strengen Liturgiker in Valkenburg gesagt? Unser Haus wäre zum mindesten dem Interdikt verfallen. Was blieb übrig, als ein richtiges Hochamt zu halten? Br. Pühler spielt mit Hilfe des Harmonista, Br. Meyer singt und ministriert mit Br. Schneider. Und schön war es - so versichern die geladenen Gäste, darunter Ihre Königliche Hoheit Prinzessin Mathilde von Sachsen, die zum Feste einen Lehnstuhl gestiftet hatte, damit der Jubilar den Hausarrest besser ertragen werde. Aber halte, wer kann, einen Missionär daheim, solange er Hochämter schmettert!

Ein Jugendfreund von P. Zorell, der ihn später gegen Ende seines Lebens noch in Sachsen auf seinen apostolischen Ausflügen traf, pflegte ihn mit einem Postgaul zu vergleichen, der immer den Weg der Pflicht unverdrossen weitergeht, bis er eines Tages am Wagen, den er jahrelang so treu gezogen, zusammenbricht und mitten in der Fahrt stirbt. Es kam beinahe so. Mit zunehmendem Alter stellte sich doch allmählig ein Kräfteverfall ein, der es dem Pater nicht mehr erlaubte, seine apostolischen Wanderungen zu unternehmen. Nach dem plötzlichen Tode des guten P. Löhr wurde ihm zunächst die Stelle eines Spirituals im Ignatiushaus, Kaulbachstraße, München, angeboten. Selbst sich für einen Posten zu entscheiden war unserm guten Pater unmöglich. Um ungefähr dieselbe Zeit dachte Seine Königliche Hoheit Prinz Christian von Sachsen daran, eine neben seinem Schloß gelegene alte Kapelle herzurichten und dort die Katholiken der Umgebung für den sonntäglichen Gottesdienst zu sammeln und den Grundstein für eine neue Pfarrei zu legen. P. Zorell war zum Schloßkaplan und Seelsorger der zu sammelnden Katholiken bestimmt, und er scheint diesen Posten auch angetreten zu haben.

Leider sind die letzten Nachrichten über Krankheit und Tod so spärlich und beschränkt, daß kaum mehr etwas zu berichten ist. Er starb, wie er gelebt, ergeben in Gottes heiligen Willen, ruhig und still, ohne die Welt in Aufregung zu bringen. Die Sächsische Volkszeitung berichtet am 14. Juni 1937: "P. Zorell ist am 13. Juni im 81. Lebensjahre gestorben. In ihm ist ein Mann dahingegangen, der sich in allen Teilen Sachsens und darüber hinaus durch seine priesterliche Tätigkeit einen ehrenvollen Ruf erworben hatte ... Nach seiner Berufung in das Bistum Meißen war Haus Hoheneichen in Hosterwitz die Stätte, von der aus er als Prediger und Volksmissionar in alle Teile des Gaues kam. Tausenden hat er nicht nur als Prediger, sondern vor allem als priesterlicher Freund und Berater etwas bedeutet. Der Tod dieses edlen Priestergreises wird aufrichtige Trauer in sehr vielen Herzen auslösen..."

Die Beerdigung fand am 16. Juni auf dem inneren katholischen Friedhof statt unter großer Anteilnahme der katholischen Bevölkerung. Am Grabe entwarf Propst Seidler ein Lebensbild des Verstorbenen, der aus innerem Berufe trotz der äußeren Schwierigkeiten sich der hohen Aufgabe des Seelsorgers gewidmet habe. Beim Aufbau der Diözese Meißen habe P. Zorell dem inzwischen auch verstorbenen Bischof Schreiber wichtige Dienste geleistet. Er zeichnete ein lebensvolles Charakterbild des Verstorbenen, der durch Güte, Hilfsbereitschaft und tiefe Menschenkenntnis sich alle Herzen gewonnen habe. Dieser Mann habe keinen Feind gehabt. Sein Gedächtnis werde von allen, die ihn kannten, in Ehren gehalten werden. Das war das Lob, das die Menschen ihm spendeten. Hoffen wir, daß seine treue Gottesliebe sich des Lohnes erfreut, den der Herr seinen treuen, arbeitsamen Dienern verheißen hat.

R.i.p.

Mitteilungen 107, S. 66-78