Gerhard Kroll SJ

P. Gerhard Kroll SJ
geboren am 2. Dezember 1914 in Oppeln
zum Priester geweiht am 21. Juli 1940
gestorben am 14. Juni 1997 in Berlin

Gerhard Kroll wurde am 2. Dezember 1914 als zweites von drei Kindern des Ehepaares Stephan und Maria Kroll geboren. Daß er am folgenden Tag bei der Taufe nicht nach dem Jesuiten Franz Xaver benannt wurde, bedauerte er sehr. Vorzeitig eingeschult, kam er nach drei Jahren auf die Oberrealschule, da diese näher beim Elternhaus lag. Die ungewöhnlich guten Kenntnisse der alten Sprachen und der Bibel erwarb er sich später. Die Entscheidung zum Priester- und Ordensberuf fiel schon früh; indirekt beeinflußt wurde die Wahl durch den Jugendbund Neudeutschland.

Am 22. April 1933 trat er in Mittelsteine ins Noviziat ein. Es war der erste Kurs unter P. Otto Pies, der später als Glaubenszeuge im KZ Dachau inhaftiert war. Gerhard wurde für die Sambesi-Mission in Afrika vorgesehen; die Zeitumstände ließen es nicht zu, Das Studium der Philosophie in Pullach und Frankfurt sowie der Theologie in Frankfurt und Wien, wo er vorzeitig zum Priester geweiht wurde, schloß sich an. Von Juni 1940 bis Dezember 1941 war er zur Wehrmacht eingezogen. Nach der Entlassung arbeitete er in der Seelsorge in OppeIn bis zur Flucht aus dem besetzten Schlesien im August 1945. Ein Jahr später übernahm er bereitwillig den Dienst als Seelsorger im französischen Gefangenenlager. Nach zwei Jahren dort konnte er die ordensübliche Ausbildung abschließen.

In Weimar erhielt er durch P. Drost eine Kurzlehre zum Volksmissionar und Vortragsredner. Zu der Zeit erregte eine Broschüre Aufsehen: "Entstehung und Klassencharakter des Christentums". Die erste Predigt zu diesem Thema "Hat Jesus gelebt?" wurde zur Geburtsstunde des Buches "Auf den Spuren Jesu", das durch die Jahre wuchs, 1990 in 11. Auflage erschien und in verschiedene Sprachen übersetzt wurde. Von 1950 bis 1994 gehörte Kroll der Jesuitenniederlassung in Leipzig an. Es war eine erfüllte Zeit der Seelsorge, Predigt und Schriftstellerei. Zwölf Jahre versah er das schwierige Amt des Rundfunkbeauftragten der Berliner Bischofskonferenz. Er wirkte beim Jugendgebetbuch "Unterwegs" mit und bei der "Familienbibel". Für die Einheitsübersetzung erarbeitete er 12 Bildfaszikel mit 184 Bildern und erläuternden Texten. Erst 1980 durfte er die immer wieder beantragte, langersehnte Israelreise machen. Bei diesem Aufenthalt erlitt er einen gesundheitlichen Einbruch, von dem er sich nicht mehr erholte.

AIs er im August 1994 nach Berlin ins Peter-Faber-Kolleg versetzt wurde, waren seine Kräfte erschöpft; die Todeskrankheit kündigte sich an. Er kommentierte dies so: "Am Ufer der Oder geboren, erwarte ich nun mein letztes Stündlein am Gestade der Havel. Rückblickend muß ich danken und bekennen: Gott war gut zu mir."

R.I.P.