P. Bernhard van Acken SJ
* 8. April 1881 in Lingen/Ems
1. April 1969 in Münster

P. Bernhard van Acken starb am 1.4.1969 in Münster Haus Sentmaring, eine Woche vor Vollendung seines 88. Lebensjahres, schneller als man es erwartet hatte. Er war geistig noch vollkommen frisch, wenn auch seine Müdigkeit in den letzten Wochen sehr zunahm, konnte täglich eine halbe Stunde aufstehen und am Arm des Kranken Inders einen Rundgang durch das Haus machen und hatte am Morgen des Sterbetages noch die hl. Kommunion empfangen und gefrühstückt. Gegen Ende des Frühstücks bekam er plötzlich sehr heftige Leibschmerzen. Ein völliger Kräfteverfall trat ein. Das Herz wurde immer schwächer. Er empfing noch ein letztes Mal die hl. Krankensalbung und ist dann um 12.25 Uhr ruhig und friedlich eingeschlafen.

Am 8.4.1881 wurde er in Lingen/Ems geboren. Schon als Unterprimaner trat er am 1.10.1898 in Blyenbeck in die Gesellschaft Jesu ein, machte nach dem Noviziat zwei Jahre Juniorat in Exaten, 3 Jahre Philosophie in Valkenburg, 4 Jahre Präfektur in Sittard, wo man ihn wegen seiner pädagogischen Fähigkeit noch ein fünftes Jahr behalten wollte, was aber von P. General nicht genehmigt wurde, 3 Jahre Theologie in Valkenburg, wo er am 25.8.1912 zum Priester geweiht wurde, zusammen mit dem späteren Kardinal Bea. Wegen seiner schwachen Gesundheit schloß er nach dem 3. Jahr die Theologie ab und machte 1912/13 sein Terziat in Exaeten. 1913-18 war er in Tisis als Minister, Sozius des Novizenmeisters und Leiter des während des ersten Weltkrieges dort eingerichteten Kriegslazaretts, 1918 noch kurze Zeit als Krankenwärter im Kriegslazarett, 1919-21 Minister in Sittard. 1922 war er Krankenhausseelsorger und ND-Pater in Mülheim/Ruhr, 1923 Minister in Köln, Albertusstraße, 1924-27 Krankenhausseelsorger in Trier, Brüderkrankenhaus, 1927-28 Beichtvater in der Kapelle des Trierer Hauses, 1928-33 Operarius und Beichtvater in dem neuerworbenen Haus in Saarlouis, 1933-39 Spiritual im Priesterseminar Rudolfinum in Trier. 1939-44 war er infolge des Krieges und der Vertreibung aus unseren Häusern bei den Vorsehungsschwestern auf der Friedrichsburg in Münster. Dort wurde er am 15.11.1941 von drei Gestapoleuten verhaftet wegen eines Artikels über "Priester und Frau" in der Linzer Quartalschrift, Jahrg. 1941. Man warf ihm unberechtigte Kritik am Staat vor. Nach mehreren stundenlangen Verhören wurde er am 6.12. gegen Zahlung einer Kaution von 1000 Mark aus dem Gefängnis entlassen. Als Münster, auch die Friedrichsburg, durch Bomben zerstört war, wurde er nach Duderstadt evakuiert, wo er im Krankenhaus tätig war. 1945-48 war er bei den Alexianerbrüdern in Aachen tätig. 1948 kam er als Spiritual und Priesterbeichtvater in das Ignatiushaus in Essen/Ruhr. Es war das die längste Station seines Lebens. Vor dort siedelte er dann, als der Arzt ihm erklärt hatte, er könne ihm nicht mehr helfen, am 4.3.1967 nach Münster über, wo er jetzt, zusammen mit schon 31 Mitbrüdern ruht auf unserem schönen Parkfriedhof.

Schon Mitte der zwanziger Jahre wollte man ihn in Trier operieren wegen seines Darmleidens, wagte es aber dann doch nicht, weil er für eine so schwere Operation zu schwach sei. So hielt er sich denn aufrecht durch Diät und Heilfasten, mit großer Energie und einer unermüdlichen Arbeitsfreude. In Essen mußte er sich aber schließlich doch noch mit über 70 Jahren der schweren Operation unterziehen, so daß er bis zum Ende seines Lebens auf die Hilfe anderer angewiesen war, besonders seines treuen Helfers Br. Holböke und der Krankenbrüder, denen er sich sehr zu Dank verpflichtet fühlte. Auch durch eine fast völlige Taubheit und Blindheit war er sehr behindert. Aber all das lähmte nicht seinen apostolischen Eifer. Noch am Tage vor seinem Tode diktierte er einen Brief, durch den er helfen wollte in einem wichtigen Anliegen, der Gewinnung von Priester- und Ordensberufen.

In Trier begann auch seine schriftstellerische Tätigkeit über Fragen der Moral und Pastoral, wie er sie vor allem in der Priester-, Kranken- und Konvertitenseelsorge kennen lernte. So schrieb er viele Jahre lang sehr geschätzte Artikel in der Linzer Theologisch-praktischen Quartalschrift. Er war Bearbeiter und Herausgeber der 5. - 17. Auflage des Konvertitenkatechismus von Rosemeyer bzw. P. Leblanc. Er verfaßte einen Erwachsenenkatechismus, einen Leitfaden für Ordensbrüder, die 'Lebensschule für Ordensschwestern', 'Die Oberin im Plane Gottes', 'Die Aufgaben der Novizenmeisterin', 'Der Priesterberuf', 'Priester werden?' Auch die 'Richtlinien zur Förderung und Beurteilung von Priesterberufen', die nach dem 2. Weltkrieg von einigen Bischöfen herausgegeben wurden, sind im Wesentlichen sein Werk. Das "Leben Jesu" von P. Meschler bearbeitete er neu in drei Bänden. Dazu eine große Anzahl von kleineren Schriften. Nur einige Titel: Grundriß der christlichen Aszese (5 Hefte); Mode und Frau; Sport und Tanz; Die Ehe-Enzyklika Pius XI. in Frage und Antwort; Rechtes Verstehen; Die Alten und die Jungen; Was soll ich glauben?; Die Eucharistie; Hysterie; Massenpsychologie im Lichte unserer Zeit usw. Ein Büchlein gegen das Zigarettenrauchen, "Der Siegeszug der Zigarette", fiel in der Zensur durch. Offenbar war die Zigarette stärker als seine Argumente. Ein besonderes Anliegen war ihm die Verbreitung eines interkonfessionellen Gebetszettels als Hilfe für Kranke und Sterbende, der in verschiedene Sprachen übersetzt und in Millionen von Exemplaren auf der ganzen Welt verbreitet wurde.

So hat er aus seinen Kräften und Talenten herausgeholt, was ihm nur möglich war. Auch die Beschwerden und Leiden des Alters und der unheilbaren Krankheit faßte er durchaus apostolisch auf. Er wußte sich darin verpflichtet und von Gott beauftragt für alle die großen Anliegen und Sorgen unserer Zeit, die er Tag für Tag in vielen schlaflosen Nächten mit Gott besprach im Gebet. Er ist nie der Versuchung des Alters erlegen, sich für "überflüssig" zu halten. Das bewahrte ihm auch in der Einsamkeit des Krankenzimmers seine Aufgeschlossenheit für jeden, der von ihm Hilfe erbat. In seinem mitfühlenden Herzen, in der Klarheit und Klugheit, in der Sicherheit und Festigkeit, mit der er andere beraten konnte, lag wohl das Geheimnis seines seelsorglichen Einflusses. Seine Beliebtheit und auch seinen Einfluß bei den Mitbrüdern zeigt der Name, den man ihm in seinen alten Tagen gegeben hatte, und den er auch gar nicht ungern hörte: "Väterchen".

R.i.p.

P. Wesseling SJ

Aus der Provinz, Nr. 3 - Mai 1969, S. 78 f.