P. Ludwig Alexi SJ
11. Februar 1988 in Münster

Über die Kindheit und Jugend von P. Ludwig Alexi schreibt eine seiner Schwestern, Frau Maria Linnebank:

    "Am 13. August 1915 wurde er als sechstes Kind mit Jubel und Freude in die Gemeinschaft der Eltern und Schwestern aufgenommen. Sein Vater sah ihn zum ersten Mal, als er bereits ein halbes Jahr alt war. Von den Geschwistern wurde der kleine Junge behütet und geliebt. Mit 6 Jahren besuchte er die damals auslaufende 3-jährige Vorschule der Schwestern vom Armen Kinde Jesu in Bad Godesberg und kam als 9-jähriger als Sextaner zum Aloisius-Kolleg, wo er schon im selben Jahr zur Erstkommunion geführt wurde.

    Ludwig zeigte schon früh Interesse für religiöses Tun, das sich zunächst am auffälligsten im kindlichen Spiel des Messelesens zeigte. Dieses Interesse am Spiel vertiefte sich so, daß er bis ins 13. Lebensjahr daran festhielt und ihm die Kenntnis und das Wissen um die lateinische Meßliturgie selbstverständlich zu eigen wurde. Während der Schuljahre war er neben den Aufgaben des Studiums engagiert für das Leben in der Neudeutschen Gruppe im Kolleg. Schon mit 16 oder 17 Jahren befaßte er sich mit der Frage der Berufswahl. Zwei Möglichkeiten zeigten sich ihm: Entweder Theologe oder Ingenieur zu werden, wozu ihm seine Begabung auf mathematischem Gebiet hätte führen können. Als er mit 18 Jahren am Aloisius-Kolleg die Reifeprüfung bestanden hatte, wünschte er sich, in die Gesellschaft Jesu einzutreten. Der damals noch evangelische Vater stimmte diesem Berufswunsch zu.

    Das Studium des Novizen wurde durch seine Einberufung zum Reichsarbeitsdienst für einige Zeit unterbrochen. Mir, seiner Schwester, hat er später gesagt, daß hauptsächlich die Lebensformung, die er durch die Schule und das beginnende Noviziat des Ordens gewonnen hatte, ihm die Kraft gegeben habe, die Zeit des Arbeitsdienstes auszuhalten. In den Jahren des theologischen Studiums schrieb er, angeregt von P. Lippert, einige Aufsätze zu ethischen und psychologischen Fragen. Bei späterer, starker seelsorglicher Tätigkeit in den Kriegsjahren unterblieben diese Versuche, literarisch tätig zu sein."

Am 26. April 1933 begegneten wir uns zum ersten Mal und begannen unser Noviziat im Bonifatiushaus in 's-Heerenberg. Magister war P. Heinrich Schmitz, der aber Mitte 1934 als Instruktor nach Münster ging und durch P. Wilhelm Flosdorf, der gerade aus dem Terziat kam und sich als Socius Magistri auf die Übernahme des Amtes vorbereiten sollte, abgelöst wurde. Dieser etwas plötzliche Wechsel wurde dadurch nötig, weil P. Provinzial Wilhelm Klein nach Japan reiste und der Instruktor, P. Walter Sierp, Vizeprovinzial wurde. Diese Ablösung brachte manche Veränderung in das Noviziatsleben hinein, die wir Zweitjährigen anfangs mit einer gewissen Skepsis betrachteten.

1935 trennten sich für ein Jahr unsere Wege. Ludwig Alexi ging nach Pullach in die Philosophie, während ich als Schüler eines 'Reform-Realgymnasiums' noch ein Jahr im Juniorat Latein und Griechisch nachmachen mußte. 1936 trafen wir uns in Pullach wieder.

1938 ging Ludwig Alexi als Präfekt an das Aloisius-Kolleg Bad Godesberg. In diese Zeit fällt auch seine Einberufung zum Reichsarbeitsdienst, den er in der Nähe von Hamburg ableistete.

1939 ging er in die Theologie nach Frankfurt. Da er wegen einer Meniskus-Verletzung nur bedingt tauglich war, wurde er nicht zur Wehrmacht eingezogen. Nach meiner Entlassung aus der Wehrmacht im Dezember 1941, begegneten wir uns wieder in Frankfurt. Ich hatte mein Theologiestudium 1939 noch in Valkenburg beginnen können und wurde Februar 1941 zur Wehrmacht eingezogen. So konnte ich mein unterbrochenes Studium in Frankfurt mit den vielen Mitbrüdern, die wegen ihrer Zugehörigkeit zur Gesellschaft entlassen worden waren, fortsetzen. Am 17. und 18. März 1942 empfingen die Fratres Alexi, Bibo, Eriksen, Kolle, Schroll und ich die Subdiakonats- und Diakonatsweihe durch Bischof Anton Hilfrich in Limburg. Am Fest des Heiligen Josef, 19. März 1942, wurden P. Alexi und ich zu Priestern geweiht. Als wir uns anschließend beim Bischof bedankten, meinte er lächelnd: "Die Jesuiten sind doch immer die bevorzugten Söhne des lieben Gottes. Während meine Theologen an der Front stehen, können sie geweiht werden und sich auf die Seelsorge vorbereiten."

Im Oktober 1942 kam eine vertrauliche Mitteilung des Wehrmeldeamtes in Frankfurt, daß Ende des Jahres eine Musterung stattfinden würde. Es bestehe die Gefahr, daß alle, die nicht zum Wehrdienst eingezogen würden, dem 'Arbeitseinsatz Saukel' zugeteilt würden. Es wäre deswegen gut, daß alle Jesuiten, die aus der Wehrmacht entlassen worden seien, eine UK-Stelle nachweisen könnten.

Daraufhin entschied sich P. Provinzial Wilhelm Flosdorf, alle Theologen durch den Bischof von Mainz am 9. November weihen zu lassen. Danach wurden wir in alle Winde zerstreut. P. Alexi wurde 1943 Kaplan an St. Antonius in Trier und 1944 an St. Paulin. Nach Beendigung des Krieges ging er nach Friedrichsroda und arbeitete in der Flüchtlingsseelsorge. Seine Studien, die er 1942 hatte unterbrechen müssen, beendete er von Februar bis August 1946 in Büren.

Von da führte ihn sein Weg nach St. Ignatius in Essen, wo er als Kaplan tätig war. 1947 folgte die Terziatszeit in Münster. Es war das erste Terziat, das in dem wiederaufgebauten Haus Sentmaring begonnen wurde. Es war allerdings ein schwerer Beginn. Die Heizung funktionierte noch nicht. Es fehlte an allen Ecken und Kanten. Die Waschschüsseln mußten zwischen der 'Frühschicht' und der 'Spätschicht' ausgewechselt werden. Aber unter der gütigen Leitung von P. Karl Wehner, der viel Verständnis für die alten Kapläne hatte, wurde es ein fruchtbares und schönes Jahr. Am Ende haben wir dankbar und froh gesungen: "Das große Herz im kleinen Mann, hat den Terziariern gut getan." Anschließend kehrte P. Alexi nach Essen zurück, um weiter als Kaplan - nun aber auch als Minister - sich zu mühen. Am Wiederaufbau des zerstörten Hauses und der Kirche war er maßgeblich beteiligt.

Als er 1952 als Kaplan und Minister nach Göttingen versetzt wurde, schrieben die 'Ruhr-Nachrichten': "P. Alexi SJ geht nach Göttingen. Vielen katholischen Essenern war P. Alexi ein gerechter Berater und guter Beichtvater. In Exerzitien, Einkehrtagen, besonders für katholische Schüler von Oberschulen, Gymnasien und Mädchenlyzeen, aber auch für die Jugend, die nach der Schulentlassung in das Leben traten, schaffte P. Alexi sich viele Freunde der männlichen und weiblichen Jugend des gesamten Reviers. Das katholische Essen verliert in P. Alexi einen beliebten und bekannten Seelsorger. Die Wünsche der Essener begleiten ihn auf seinem Weg in die Diaspora."

Drei Jahre später mußte er seine Zelte in Göttingen abbrechen und als Beichtvater, Minister und Ökonom in das Paulushaus nach Bonn übersiedeln. Wie es scheint, war er für das Ministeramt geradezu prädistiniert, aber bevor er seinen letzten Ministerposten in Trier übernahm, führte ihn sein Weg 1966 nach Viersen.

Dort übernahm er für fünf Jahre die Leitung des Exerzitienhauses und des Exerzitienreferates der Diözese Aachen. Aus seiner umfangreichen Korrespondenz mit dem Generalvikariat in Aachen und P. Provinzial Ostermann ergibt sich, daß der starke Rückgang der Exerzitienkurse- und Teilnehmer ihn veranlaßte, um seine Ablösung und Versetzung zu bitten, die am 31.12.1971 erfolgte.

Von Viersen gelangte P. Alexi zum letzten Arbeitseinsatz seines Lebens nach Trier, wo er vor fast 30 Jahren als Kaplan seine Seelsorgstätigkeit begonnen hatte. Er übernahm das Amt des Beichtvaters, des Ministers und Ökonomen und wurde Präses der Marianischen Bürgersodalität. Von 1973 bis 1983 trafen wir uns alljährlich auf der Pilgerfahrt der Sodalität nach Rom, bei der P. Alexi die 500 Teilnehmer begleitete. Die Fahrt ging über Basel, Brig, Stresa am Lago Maggiore, Genua nach Rom, wo wir eine Woche blieben. Von dort ging es zu einem 2-tägigen Aufenthalt in Assisi. Letzte Station war Brunnen am Vierwaldstättersee. Von dort fuhren wir zum Dank- und Schlußgottesdienst nach Maria Einsiedeln. Mit dem Schiff ging es dann von Brunnen über den Vierwaldstättersee nach Luzern und von dort in die Heimat zurück. P. Alexi war ein guter Reisekamerad und verstand es, sowohl durch seine geistlichen Ansprachen im Zug, als auch durch seine witzigen Erzählungen, zum guten Gelingen der Pilgerfahrt beizutragen.

Am 4. Oktober 1983 erlitt er plötzlich einen Schlaganfall, der zu einer linksseitigen Lähmung und zu einer schweren Sprachbehinderung führte. Aus diesem Grunde kam er am 29. November nach Münster. Bei meinen Besuchen war ich immer sehr davon beeindruckt, mit welcher Gelassenheit und auch Fröhlichkeit er sein schweres Leiden trug. Er konnte sich zwar nicht 'erbaulicher Worte bedienen', aber in seiner Sprachlosigkeit hat er allen gezeigt, 'daß er die Krankheit als ein Geschenk unseres Schöpfers und Herrn entgegengenommen hat, da sie ja geradesogut eine Gabe Gottes ist, wie die Gesundheit.'

Am 11. Februar hat Gott ihn in seinen ewigen Frieden heimgerufen. Wir dürfen hoffen, daß er nun wieder mit voller Stimme das Erbarmen Gottes preisen darf, das er in seinem Leben so reichlich erfahren durfte.

R.i.p.

P. Ernst Schellhoff SJ

Aus der Norddeutschen Provinz, 3/1988 - Mai, S. 46ff