P. Constantin Becker SJ
* 1. Juni 1924    10. Februar 2002
Eintritt 1951 - Priesterweihe 1959 - Letzte Gelübde 1963

Constantin war der Älteste von uns. Er war wie wir alle von Eltern geprägt, die ihr Leben ganz auf den Glauben gründeten und daher Hitler bedingungslos ablehnten. Von 1934 bis 1942 hat er in Köln das Dreikönigsgymnasium besucht, ein früheres Jesuitenkollegium, und seine Schulkirche war Mariä Himmelfahrt, die frühere Kollegskirche, ein prächtiger Bau im Jesuitenbarock. Ob diese beiden Gebäude für ihn der Anlass waren, an die Gesellschaft Jesu zu denken, oder die Kontakte, die unser Vater mit P. Quirl und P. Vincenti hatte oder vielleicht noch ein anderer Anlass, ist schwer zu sagen.

Die damaligen Jahre in der Schule waren nicht einfach. Es hat ihn schwer getroffen, dass einer seiner besten Lehrer sich das Leben nahm, weil er das furchtbare Ende des dritten Reiches vorausahnte und diese Voraussicht nicht ertragen konnte. Nach dem Abitur machte er ein Jahr Reichsarbeitsdienst in Jugoslawien und zog sich dabei ein so schwere Gelbsucht zu, dass die Reichswehr, die ihn sofort anschließend einzog, ihn 1944 (!) als wehruntauglich wieder zurückschickte. Ich habe ihm damals die Tür aufgemacht, als er, noch ganz unter dem Eindruck einer Heimfahrt mit dem Zug unter dauernden Angriffen von Jagdbombern, zu Hause geschellt hatte.

Ab 1945/46 hat er an der Uni Köln tatkräftig bei der Gründung der Katholischen Studentengemeinde mitgewirkt und dabei Verbindungen geknüpft, die ein Leben lang bestehen blieben. Bei der Beerdigung habe ich noch einige dieser Kommilitonen begrüßen können.

Nach der Unizeit hat ihm P. Syre in einer sehr schwierigen Lage große Hilfe und Unterstützung geboten. Dann trat mein Bruder 1951 in Eringerfeld ins Noviziat ein. Von seinen sieben Studienjahren in Pullach und Frankfurt haben wir drei Jahre in der Theologie zusammengelebt und -studiert, und nicht selten hat sich dort eine Erfahrung unserer gemeinsamen Studienzeit in Köln wiederholt: Wir wurden verwechselt, einmal sogar von P. Weisweiler. Seit dieser Zeit habe ich mich daran gewöhnt, in solchen Fällen gleich zu klären: "Ich bin mein Bruder".

Nach dem Terziat kam er - wohl auf den Rat von P. Kotier hin - in unsere Residenz nach Koblenz, zunächst als Beichtvater. Aber bald nahm seine Arbeit eine große Vielfalt an. Er war einige Jahr in der Studentenseelsorge tätig, einige Jahre als Minister. Er hat unzählige geistliche Vorträge gehalten und viele Personen persönlich begleitet. Diese Kontakte dehnten sich aus, als viele mit der Entwicklung, die nach dem Konzil einsetzte, nicht mehr fertig wurden. Mehr und mehr aber wurden die Exerzitien der Schwerpunkt seiner Arbeit. Er hat mehrere Jahre zusammen mit dem Schweizer P. Kaiser in Bad Schönbrunn die großen Exerzitien gegeben. Dann schlug das Haus eine andere Richtung ein. So gab er vermehrt Wochenexerzitien für Gruppen. Anfangs hat er eine damals moderne Form zusammen mit körperlichen Entspannungsübungen erproben wollen, ist aber schließlich ganz davon abgekommen und gab nur noch rein ignatianische Exerzitien, zum Schluss völlig in Einzelbegleitung der jeweiligen Gruppenteilnehmer. So war er immer weniger in Koblenz - wie wir uns lächelnd sagten, wurde es seine Katalogresidenz - und immer mehr unterwegs. Er hatte einen unglaubhch großen und ausgedehnten Bekanntenkreis. Manche habe ich kennengelernt und war über die Vielfalt der Berufe und Charaktere überrascht.

Wir haben viel miteinander gesprochen und einen fruchtbaren Gedankenaustausch geführt, der erst mit den ersten Zeichen seiner Krankheit abnahm. In all diesen Jahren hat P. Rodewyk ihm sehr viel bedeutet. Die beiden haben sich sehr gut verstanden. Der Weg, den die Gesellschaft mit der 32. GK begonnen hatte, hat ihm schwer zu schaffen gemacht, die Versetzung nach Münster ihn tief verletzt.

Den Patres in Münster ist das Kunststück gelungen, ihn zu gewinnen, am Anfang mit dem großen Verständnis für seine vielseitigen Pläne, dann für seine zunehmende körperliche Schwäche. Denn nach und nach setzte ein körperlicher Verfall ein, der sich zunächst einer genauen Diagnose zu entziehen schien. Er konnte am Anfang noch begreifen, wie sehr man sich um ihn bemühte und im zu helfen suchte. Er hat aber deutlich gesehen, dass es bergab dem Tode entgegen ging. Für mich war es die Zeit, in der die Kontakte geringer wurden und schließlich abbrachen. Er konnte nicht mehr schreiben und nicht mehr telefonieren. Das Pflegepersonal hat ihn hervorragend behandelt. Nach deren Bericht muss er noch in Dankbarkeit begriffen haben, wie sehr sie sich um ihn bemühten.

Am 1. Juni 1924 ist er geboren; am 10. Februar 2002 hat der Herr ihn heimgeholt. Er ist noch in Sentmaring begraben.

R.i.p.

P. Karl Josef Becker SJ

Jesuiten-Nachrufe 2002, S. 6f