P. Rudolf Bernds SJ
* 8. Oktober 1925 in Dinslaken
18. Februar 1999 in Köln

Im Sommer 1994 wurde ich gefragt, ob ich nicht regelmäßig einmal in der Woche bei den Benediktinerinnen in Köln-Raderberg die hl. Messe feiern könnte. Ich sagte zu und fuhr fortan jeweils donnerstags früh zu den Schwestern. Bei meiner Versetzung im Herbst 1996 erklärte P. Bernds sich bereit, diesen Dienst zu übernehmen. So hätte er eigentlich auch in der Frühe des 18. Februar, einem Donnerstag, bei den Schwestern sein sollen. Doch hatte er sich am Vorabend bei ihnen entschuldigt, weil er sich nicht wohl fühlte und glaubte, die Grippe zu haben. Weil das aber kaum einer wußte, vermißte ihn am nächsten Morgen auch niemand. Erst als beim Mittagstisch jemand nach P. Bernds fragte, machte Bruder Beelte sich auf den Weg, um nach ihm zu schauen. Er fand ihn tot in seinem Sessel sitzend. Als ich am frühen Nachmittag angerufen und gefragt wurde, ob ich schon wisse, daß P. Bernds gestorben sei, habe ich zweimal zurückgefragt, so unbegreiflich war mir diese Nachricht im ersten Augenblick. Mein letztes Telefongespräch mit ihm lag nicht weit zurück, und da war von krank oder gar todkrank keine Rede. Und wie mir erging es wohl vielen, Mitbrüdern, Freunden, Verwandten und Bekannten, sie alle wurden von seinem Tod total überrascht.

Rudolf Bernds wurde am 8. Oktober 1925 als drittes Kind des Postbeamten Hermann Bernds und seiner Ehefrau Maria geb. de Vries in Dinslaken am Niederrhein geboren. Er hatte zwei Brüder. Hermann, der Älteste, lebt heute noch in Essen; Robert fiel im Juli 1943 in Rußland. Nicht lange nach Rudolfs Geburt wurde der Vater nach Rheindalen versetzt; ein erneuter Umzug stand an, als Rudolf "gerade die ersten Buchstaben des Alphabets gelernt hatte." Grund dieses Umzugs war die Ernennung des Vaters zum Leiter des Postamtes in Essen-Kray, wo die Familie dann auch seßhaft wurde. Rudolf besuchte dort zunächst die Krayer Kiwittschule und wechselte Ostern 1936 zum neusprachlichen Carl-Humann-Gymnasium. Rudolf hat einmal angedeutet, daß von dort auch schon mal ein blauer Brief ins Haus kam. Da es dabei aber nicht um Versetzung oder Nichtversetzung ging, scheint der Vater das nicht sehr tragisch genommen zu haben.

Die politischen Ereignisse jener Jahre und der Ausbruch des Krieges bewegten natürlich auch den Heranwachsenden. Er träumte vom Fliegen und von der Luftwaffe und ging deshalb zusammen mit seinem Bruder Robert zur Flieger-HJ. Die hatte nicht nur alles, was man zum Bau von Flugmodellen brauchte, sondern verfügte auch über richtige Schulgleiter und Segelflugzeuge und bot die Chance zu ersten Luftsprüngen und Kurzflügen. Als die Reichspost als Beitrag zur Wehrertüchtigung Funker-Kurse anbot, nahm er auch daran teil und erhielt am Schluß ein Zeugnis über die erfolgreiche Teilnahme. Bei der Musterung zum Wehrdienst wurde er mehrmals gefragt, ob er nicht Offizier werden wolle. Doch er lehnte ab. Im Gegenzug verweigerte man ihm die Erfüllung seines Wunsches, der Luftwaffe zugewiesen zu werden, vielmehr bestimmte man ihn für die Infanterie. Doch gab er sich noch nicht geschlagen. Kurz vor der zu erwartenden Einberufung meldete er sich als Freiwilliger bei der Luftwaffe und wurde auf Grund des vorgelegten Funkerzeugnisses angenommen. Zunächst mußte er aber noch zum Arbeitsdienst, den er von Mai bis Juli 1943 auf der Insel Usedom ableistete. Anschließend durfte er noch einmal für zwei Monate nach Haus, dann wurde er zur Luftwaffe nach Augsburg eingezogen.

Die Grundausbildung machte er in Dijon, von dort wurde er Anfang 1944 zur Bordfunkerschule nach Nordhausen versetzt. Er schien am Ziel: "Mit Ausbildungsflügen über Mitteldeutschland und der Tschechoslowakei erlebte ich mitten im Krieg eine sehr schöne Zeit." Doch sie endete jäh. Mitte 1944 wurden die Übungsflüge wegen Treibstoffmangels eingestellt und die angehenden Funker zu den Fallschirmjägern in Gardelegen abkommandiert. Von dort ging es sehr bald zum (Infanterie)-Einsatz nach Italien, wobei Rudolf am Fuß verwundet wurde. Er empfand es als glücklichen Zufall, daß er zur Genesung nach Bayern kam, weil er dabei das Land kennen und lieben lernte. Übrigens brachte ihm die Verwundung, wie er später mit verschmitzten Lächeln erzählte, das Anrecht auf eine lebenslange Versorgung mit Maßschuhen durch "Vater Staat" ein. Nach der Genesung kehrte er zu seiner Truppe zurück und kam mit ihr im Februar 1945 am Niederrhein zum Einsatz. Dabei geriet er in englische Gefangenschaft, wurde aber bald den Franzosen übergeben. Schließlich kam er nach Calonne, einer kleinen Stadt etwa 60 km westlich von Lille, in ein Lager mit 3000 Kriegsgefangenen, die im nordfranzösichen Kohlenrevier unter Tage eingesetzt wurden. Er hatte gerade eineinhalb Jahre Soldatenleben hinter sich, der neue Einsatz sollte doppelt solange dauern.

Über das alltägliche Leben in jenen Jahren hat er wenig erzählt. Wohl aber gibt es eine Notiz von ihm über das, was ihn damals innerlich bewegte: "Hier in der Gefangenschaft traten mir die Aufgaben eines Priesters in die Augen, und durch die Lesung einer Biographie unseres jetzigen Heiligen Vaters angeregt, überlegte ich und durchdachte ich den Priesterberuf. Es bewog mich vor allem die Not meiner Mitkameraden dazu. Mitte 1947 schlossen sich einige junge Kameraden in unserem Lager zusammen und gründeten eine katholische Gruppe, die den Geist im Lager und das katholische Leben heben wollte. Durch diese Gruppe - zum Patron war der hl. Ignatius erkoren worden - lernte ich die Gesellschaft Jesu kennen und erwog, in sie einzutreten. Bei meiner Entlassung im August 1948 stand es für mich fest, daß ich Jesuit werden sollte."

Diese Überzeugung war kaum die Folge einer plötzlichen Erleuchtung. Vielmehr hatte er einen Kameraden, der schon vor seiner Einberufung zur Wehrmacht Kontakt zu den Jesuiten aufgenommen hatte und sich als Kandidat betrachtete. Er war der Initiator der katholischen Gruppe: "Wir haben im Lager so eine Art katholischer Jugendbewegung gemacht!" Er versuchte, gute Kameraden um sich zu sammeln und gründete so die erste Gruppe. Er dürfte wohl auch den hl. Ignatius als Patron vorgeschlagen haben. Dann regte er an, daß jeder einen neuen Kreis um sich sammeln sollte. Und so soll Rudolf Bernds eine "Gruppe Canisius" gegründet und geleitet haben. Aus dem Bemühen, "den Geist und das katholische Leben im Lager zu heben", ist dann bei einigen Gefangenen der Gedanke erwachsen, dieses Anliegen zur Lebensaufgabe zu machen und Priester zu werden; vier von ihnen waren entschlossen, in die Gesellschaft Jesu einzutreten. Darüber müssen sie wohl mit dem französischen Lagerpfarrer gesprochen haben, der offenbar weitreichende Beziehungen hatte. Jedenfalls ging im Sommer 1948 bei der Lagerleitung eine Anweisung des französischen Innenministerium ein, daß diese vier jungen Männer bei nächster Gelegenheit zu entlassen seien.

So geschah es. Zwei von ihnen traten noch im Herbst 1948 in das Noviziat der süddeutschen Provinz ein und sind ihrer Berufung bis heute treu geblieben. Rudolf Bernds aber hatte vor dem Eintritt noch ein Hindernis zu überwinden: er hatte kein Abitur! Man hatte ihn ohne einen schulischen Abschluß zum Arbeitsdienst und dann zur Luftwaffe eingezogen. Vielleicht hatte er den "Reifevermerk" erhalten, mit dem man berechtigt sein sollte, ein Universitätsstudium zu beginnen. Aber nicht lange nach Kriegsende mußten die Heimkehrer ohne Schulabschluß an einem einjährigen Förderkursus teilnehmen, an dessen Ende man das Abitur machen konnte. Als Rudolf nach Haus kam, wurde in Essen ein solcher Kursus am Borbecker Gymnasium angeboten. Er meldete sich umgehend an und machte im Juli 1949 das Abitur. Damit stand seinem Ordenseintritt eigentlich nichts mehr im Wege. Aber was sagten seine Angehörigen? Die gut katholische Mutter, Cousine der beiden Patres Josef und Wilhelm de Vries, war wohl von Anfang an einverstanden. Aber auch der evangelische Vater hatte damit keine Schwierigkeiten. Jedenfalls erinnerte sich der ältere Bruder, der selbst erst kurz vor Rudolfs Heimkehr aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückgekommen war, daß er seinen Vater gefragt habe, ob Rudolf denn wirklich "Pastor" werden wolle. Der habe darauf einfach nur geantwortet: "Kann er doch!"

Der Weg war frei. Am 7. September 1949 begann Rudolf Bernds in Burg Eringerfeld das zweijährige Noviziat, nach dessen Abschluß es im Herbst 1951 vor allem zum Studium der alten Sprachen ins Juniorat auf der hoch über dem Starnberger See gelegenen Rottmannshöhe ging. 1952 schloß sich das dreijährige Studium der Philosophie im Berchmanskolleg in Pullach an. Mit Rücksicht auf das fortgeschrittene Alter (Wehrdienst und Kriegsgefangenschaft) erließen ihm die Obern das übliche Interstiz und schickten ihn im Sommer 1955 sogleich auf die Theologische Hochschule St. Georgen in Frankfurt/M. Am 31.07.1958 empfing er dort die Priesterweihe und schloß im Sommer 1959 sein Studium ab. Statt der erwarteten Destination ins Terziat übertrugen ihm die Obern zunächst die Jugendseelsorge in Lübeck, mit der Reisen kreuz und quer durch Schleswig-Holstein verbunden waren, eine - nach zehn Jahren in Ausbildungshäusern verbrachter Zeit - mit Begeisterung übernommene Aufgabe. Doch währte die Freude nicht sehr lange; im Herbst 1960 mußte er zum endgültigen Abschluß der Ausbildung ins Terziat nach Münster.

Die Erwartung, daß es nach Beendigung des Terziates im Sommer 1961 mit der Jugendseelsorge weitergehen würde, erfüllte sich nicht. Offensichtlich waren die Obern der Ansicht, daß er auch in ganz anderen Bereichen einsetzbar war und übertrugen ihm die Aufgabe des P. Ministers im Aloisiuskolleg in Bad Godesberg. Damit steckten sie den Bereich ab, in dem er in Zukunft vorwiegend arbeiten sollte. Was am Ende daraus wurde, mag die folgende Aufstellung verdeutlichen:

1959 - 1960 Jugendseelsorger in Lübeck - (1960/61 Terziat)
1961 - 1966 P. Minister im Aloisiuskolleg, 1964 zusätzlich ND-Kaplan in Godesberg
1966 - 1968 ND-Kaplan in Frankfurt für die Gruppen der Stadt und des Bistums Limburg
1968 - 1970 Kaplan und Jugendseelsorger in St. Ignatius in Essen
1970 - 1976 P. Minister im Germanicum in Rom
1976 - 1983 P. Minister im Biblicum in Rom
1983 - 1984 Kaplan in St. Canisius in Berlin
1984 - 1988 Klinikseelsorger in Gießen
1988 - 1996 P. Minister im Peter-Faber-Kolleg in Berlin-Kladow

Ein Blick auf diese Aufstellung sagt alles über den Schwerpunkt seiner Arbeit. In den seiner Ausbildung sich anschließenden 36 Jahren war er 26 Jahre P. Minister in größeren Häusern. Offensichtlich hat er, wie man so sagt, dafür eine gutes Händchen gehabt.

Seine Eignung muß den Obern schon früh aufgefallen sein, denn schon während der Theologie hatten sie angedeutet, daß die Verwaltung größerer Häuser eine Aufgabe für ihn sein könnte. Zu dieser Einschätzung mögen Erfahrungen mit ihm während des Noviziates und der Philosophie beigetragen haben. In seiner Noviziatszeit bedrängten die Novizen den Novizenmeister, im Park von Eringerfeld einen Tennisplatz anzulegen. Den erwarteten Einwand, daß dafür kein Geld da sei, ließen die Novizen nicht gelten, weil das meiste doch in Eigenleistung zu schaffen war. Für den Unterbau des Platzes wurde ein Stück Rollbahn des nahe gelegenen früheren Feldflughafens aufgenommen; die "Rote Asche" fabrizierten Novizen, indem sie in einer Ziegelei mit den bei der Fertigung zerbrochenen Ziegeln eine Steinmühle fütterten; und für den Transport von allem stellte der freundliche Nachbar dem Noviziat Traktor und Anhänger zur Verfügung. Fehlte noch der Zaun. Rudolf Bernds hatte einen Bekannten bei einer Essener Zeche, auf deren Terrain ein Haufen von kürzeren und längeren Rohrenden herumlag, Reste von früheren Montagearbeiten - Schrott. Rudolf erreichte es, daß man ihm diese Reste überließ und er organisierte auch den Transport nach Eringerfeld bzw. Störmede, wo ein Schmied die unterschiedlich langen Enden zu Rohren von einer ganz bestimmten Länge zusammenschweißte. Das waren dann die Pfosten für den Zaun! Schließlich mußte der Maschendraht wohl gekauft werden, aber sicherlich gehörte dieser Tennisplatz zu den billigsten, die je für die Gesellschaft Jesu gebaut wurden, denn auch die Montage des Zaunes erfolgte in eigener Regie.

Weit bekannter wurden Frater Bernds' Fähigkeiten aber durch einen Einsatz in Pullach. Dem Kolleg war kurz nach dem Krieg ein Ferienhaus in Aidenried am Ammersee geschenkt worden. Kriegs- und Nachkriegsjahre hatten es unansehnlich werden lassen. Deshalb beauftragte P. Heinrich Glahn, der damalige Rektor von Pullach, Frater Bernds, sich um das Haus zu kümmern. Der suchte sich einen Mitstreiter, der etwas von Elektrizität und Installation verstand und einen anderen, der den Garten herrichten sollte. Dieses Kleeblatt radelte an Villatagen dann monatelang an den Ammersee und machte sich an die Arbeit, zuweilen noch durch weitere Mitbrüder bei Schwerpunkteinsätzen wie Rasenmähen oder Laubrechen unterstützt. Frater Bernds führte Regie, und dann hatte er noch zwei wichtige Fähigkeiten: er konnte mit Farben umgehen und strich das Haus von innen und außen an, und er konnte kochen - gut kochen! Damit konnte man es zu vorlesungsfreien Zeiten leicht auch mehrere Tage in Aidenried aushalten! So ging die Arbeit voran, das Haus wurde wieder wohnlich und von vielen Mitbrüdern besucht. Wenn diese nach ihren Studien einmal von Aidenried erzählten, war natürlich auch immer von Rudolf Bernds die Rede.

Dieses bei solchen Aktionen aufblitzende Organisationstalent lag in den frühen Jahren seiner Jugendarbeit keineswegs brach. Zu der Zeit steckte in ihm noch ein gutes Stück Jugendbewegung, und so oft er damals von seinen Jugendgruppen erzählte, berichtete er von Wochenenden, Nachtwanderungen, Sommerlagern, Skifreizeiten, Romfahrten und ähnlichen Unternehmungen. So etwas zu organisieren lag ihm sicher mehr, als für seine Jugendlichen eine Meditation oder gar Exerzitien zu halten. So ist es gar nicht verwunderlich, daß er viele Jahre das Amt des P. Ministers in größeren Häusern der Gesellschaft ausgeübt hat. Bei seinem Wechsel nach Rom hat er sich den Bewohnern des Germanicums mit einigen Zeilen vorgestellt, wobei er kurz seine früheren Tätigkeiten in Seelsorge und Verwaltung erwähnte. Er schloß diese Vorstellung mit folgendem Satz: "Die Sorge für das geistliche und leibliche Wohlergehen war stets beieinander; mag auch hier das leibliche Wohlbefinden dem geistlichen dienen und helfen." Ich denke, hier hat P. Bernds uns einen Blick tun lassen auf die Motive seines Arbeitens. Er konnte "der Minister" sein, der organisierte, Weisungen erteilte, Leute zurechtwies, wenn etwas nicht seinen Vorstellungen entsprechend ausgeführt worden war. Aber in ihm lebte auch etwas von der anderen Seite des Ministerseins, nämlich das, was mit Dienen zu tun hat. Bei meinen Recherchen habe ich immer wieder zu hören bekommen, daß es dem P. Bernds als Minister ein Anliegen war, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich die Mitbrüder wohl fühlten.

Dazu möchte ich im folgenden ein paar Leute zu Wort kommen lassen.
Aus dem Germanicum: "Mit dem Ausscheiden von P. Rudolf Bernds verlieren wir in unserer Hauskommunität einen Mann, der durch seinen disziplinierten und verantwortungsvoll geordneten Tagesablauf vielen ein Vorbild hätte sein können. Früh morgens schon, wenn die Alumnen noch in Träumen schlummerten, begann er bereits sein Tagewerk mit dem Zelebrieren der hl. Messe in der Krypta, um danach seinen vielgestaltigen Aufgaben nachzukommen. Daß er dabei mit manchen Schwierigkeiten fertig werden mußte, daß nicht immer alles "glatt" ging, war wirklich nicht ihm allein anzulasten. Seine Frohnatur erlaubte es ihm, manche unbrüderliche Attacke einzustecken. Das Verständnis seines Ministeramtes, mit dem er im Herbst 1970 im Germanicum seinen Dienst aufnahm, kam vor allem uns Studenten zugute. Für bestimmte Anlässe besorgte er deutsches Bier, er ließ es sich nicht nehmen, hin und wieder selbst am Herd zu stehen, um leckere Suppen zu bereiten (seine Spezialität: frz. Zwiebelsuppe, feine Erbsensuppe), er besorgte aber ebenso selbstverständlich zu günstigen Preisen lat. Breviere und Meßbücher".

Eine Stimme aus dem Biblicum: "In den letzten zwanzig Jahren war Rudolf Bernds jener Minister, der im Biblicum am längsten die Stellung gehalten hat. Er nahm seine Aufgabe ernst, seine praktische Begabung und sein Organisationstalent kamen ihm dabei sehr zustatten. Als exzellenter Koch machte er an Sonntagen zusammen mit Bruder Mauderer die Küche, was ihm von allen Anerkennung und Bewunderung einbrachte. Seine Küche konnte sich wahrhaftig sehen und genießen lassen. Auf diese Weise konnte das Haus Finanzen sparen, weil die angestellten Köche am Sonntag nicht kommen mußten. Für die Wochentage machte er jeweils einen Speiseplan, nach dem die Angestellten kochten und dabei noch manches lernen konnten. Die meisten Angestellten haben ihn sehr geschätzt und einige trauern ihm heute noch nach. Bei den Abschiedsfeiern am Ende des akademischen Jahres kamen seine Talente immer wieder zur Geltung. Das Anzapfen des Bierfasses, was er mit Bravour meisterte, machte ihm und anderen viel Vergnügen."

Wie von den Germanikern wurde seine Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit hervorgehoben, z.B. in der Einhaltung der Sprechzeiten, was längst nicht bei allen anderen selbstverständlich gewesen sei. Schließlich sei noch der Superior des Biblicums zitiert, der bei der Rückkehr von P. Bernds nach Deutschland ganz verzweifelt gewesen sei und geklagt habe: "Sie haben mir beide Arme amputiert!"

Dem Bericht des Germanikers ist noch anzufügen die Erinnerung an San Pastore, dem P. Bernds seine besondere Sorge zuteil werden ließ. Er kümmerte sich um die Instandsetzung des Hauses und öffnete es im Sommer für Angehörige und Freunde der Germaniker und der Patres. Das ermöglichte den Gästen einen preiswerten Italienaufenthalt und brachte gleichzeitig einige Gelder ein, mit denen die Renovierung vorangetrieben werden konnte. Bis heute unvergessen ist in der Umgebung von San Pastore sein Bemühen um eine gute Freundschaft zu den italienischen Bewohnern von Gallicano und Palestrina und vor allem sein Einsatz für den "Coro Polifonico di Palestrina", dem er durch sein Organisationstalent mehrere Konzertreisen nach Deutschland, Österreich und Jugoslawien ermöglichte.

Stellvertretend für viele möchte ich von ihm als Gastgeber berichten. Mein Rombesuch begann damit, daß er mich sorgfältig instruierte, wie ich am besten vom Flughafen ins Germanikum kommen würde, per Bus und Taxi - "Aber hüte dich vor einer bestimmten Sorte von Taxis!" Bei meiner Ankunft fand ich vieles sorgfältig vorbereitet. Er hatte Karten für den Kreuzweg am Karfreitag und den Gottesdienst bei St. Peter am Ostermorgen, ich war eingeladen zur Mitfeier der Eucharistie am Gründonnerstag und in der Osternacht in "Il Jesu", er hatte einen kompetenten Führer für den Besuch der Katakomben und der Ausgrabungsstätten unter St. Peter. Er packte mich in sein Auto und stürzte sich mitten in den Verkehr, um zu demonstrieren, 'wie die Römer Auto fahren' und drehte dann eine große Runde durch die Stadt, um mir die größten Sehenswürdigkeiten zu zeigen. An einem der Abende führte er mich schließlich auch in ein (äußerlich) bescheidenes Restaurant - ein Geheimtip! Gewiß, ich war sein alter Freund - aber es gibt eine Reihe von Mitbrüdern, die bei ihrem Rombesuch ähnliches erfahren haben.

Schließlich seien noch zwei Zitate von Mitbrüdern angeführt, die mir auf die Seele gebunden haben, ich müsse das unbedingt erwähnen: "Als Theologen haben wir einmal in Godesberg Ferien gemacht. P. Bernds war damals der P. Minister. Er hat sich alle erdenkliche Mühe gegeben, uns den Urlaub abwechslungsreich und angenehm zu gestalten."
"Ich war Präfekt in Godesberg. Wir waren oft ziemlich gestreßt. Wenn es mal wieder ganz schlimm war, dann gingen wir zum P. Minister (P. Bernds); da konnte man zwischendurch ein bißchen Luft holen, und dann ging es erst mal wieder leichter."

Zur Beerdigung von P. Bernds war auch eine stattliche Anzahl von Verwandten nach Münster gekommen war. Er hat zu seinen Verwandten zeitlebens einen guten Kontakt gehabt. Eine Cousine, die er sehr schätzte, hatte zu diesem Nachruf noch etwas Bemerkenswertes beizutragen. Wie wohl in jeder Sippe, berichtete sie, habe es auch in der ihrigen das eine oder andere "schwarze Schaf" gegeben, das sich abgesetzt habe oder von den übrigen geschnitten worden sei. Nur Rudolf habe auch zu diesen immer noch Kontakt gehabt und sich bemüht, ihn auch zu behalten.

Im April 1996 erlösten die Oberen P. Bernds nach einer Amtszeit von acht Jahren, der längsten seiner ganzen Laufbahn, von seiner Aufgabe als P. Minister des Peter-Faber-Kollegs in Berlin und versetzten ihn ins Canisiushaus nach Köln. Hier sollte und konnte er alles ruhiger angehen lassen. Für kleinere Aushilfen und Vertretungen war er aber auch weiterhin immer bereit. Von der an seinem Todestag erwarteten Aushilfe hat er sich tags zuvor noch korrekt abgemeldet und ist dann ganz still von uns gegangen. Möge der Herr ihm das Tor öffnen zu der Gemeinschaft mit ihm, zu der auch wir alle gerufen sind.

R.i.p.

P. Konrad Pohlmann SJ

Aus der Norddeutschen Provinz, 4/1999 - Juli, S 131-36