P. Heinrich Böcker SJ
* 20. Mai 1897 in Münster
29. September 1974 in Neheim-Hüsten

P. Böcker wurde geboren zu Münster in Westfalen am 20. Mai 1897. Sein Vater war Studienrat am Gymnasium Paulinum, seine Mutter war Katharina geb. Berghaus. 1907 kam P. Böcker ebenfalls auf das Paulinum, wo er 1915 das Kriegsabitur machte. Er trat dann als Kriegsfreiwilliger beim Feldartillerie-Regiment 67 in Hagenau ein und nahm an Kämpfen in Ost und West teil. 1918 wurde er zum Leutnant befördert. Er wurde einmal verwundet und erhielt wegen tapferen Verhaltens bei einer Patrouille das Eiserne Kreuz erster Klasse.

Nach Kriegsende studierte er erst eine Zeitlang in Münster, wo er auch Mitglied der katholischen Studentenverbindung "Saxonia" (CV) wurde. Von Mitte 1919 finden wir ihn in Innsbruck, wo er Theologie studierte. Im Canisianum war er zusammen mit Michael Keller, dem späteren Bischof von Münster, und Johannes von Rudloff, dem heutigen Weihbischof von Osnabrück. Gegen Schluß der Studien kehrte der junge Theologe in die Heimat zurück, um sich im Priesterseminar auf die Priesterweihe vorzubereiten, die er am 3. Dezember 1922 erhielt. Da er sich um die missionarische Arbeit in der Diaspora beworben hatte, verbrachte er die vier ersten Priesterjahre als Kaplan in Ostritz (Sachsen).

Am 3. April 1926 trat er zu 's Heerenberg ins Novizat der Niederdeutschen Provinz SJ ein, verbrachte aber den größten Teil seines Noviziates in Mittelsteine. Von 1927 bis 1931 ergänzte er seine philosophischen und theologischen Studien in Valkenburg und machte anschließend sein Tertiat in St. Andrä (Kärnten). 1932-34 war er Minister und Operarius in Köln, wurde 1934 Superior in Bonn und 1938 in Köln, übernahm dann aber ganz die Pfarrvikarie St. Robert, die damals mit unserem Haus in der Stolzestraße verbunden war. Hier durchlebte er die schweren Kriegsjahre, bis er 1948 als Pfarrvikar und zunächst auch als Superior nach Frankfurt in den Trutz versetzt wurde.

Hier fand er trostlose Verhältnisse vor, weil zwei Drittel der Häuser in der Pfarrei zerstört waren; außerdem hatten die Amerikaner einen trennenden Stacheldraht mitten durch das Gebiet der Pfarrei gezogen. Die Zahl der Pfarrkinder war um die Hälfte gesunken.

In seiner ruhigen, aber zähen Art verstand es P. Böcker die Pfarrvikarie langsam wieder aufzubauen und daraus eine Gemeinde zu machen, die treu und opferfreudig zusammenhielt. Je mehr die Zahl der Mitglieder wuchs, desto drängender wurde die Frage nach einem größeren Gotteshaus, denn die Kapelle unserer Residenz reichte bald nicht mehr aus. Es traf sich glücklich, daß die Metallgesellschaft an unserem Grundstück interessiert war und es erwerben wollte, um das große Bürohaus der Lurgi weiter auszubauen. Sie bot einen schönen Platz für die neue Pfarrkirche an. Er lag allerdings fast an der Peripherie der Pfarrei, bot aber soviele Vorteile, daß man auf den Tausch eingehen mußte.

Für P. Böcker kam nun die Zeit des Planens und der vielen Beratungen mit der Diözese und den Baufirmen. Aber 1963 konnte schließlich mit dem Bau begonnen werden, nachdem schon im Jahre vorher der Bau unserer Residenz in der Elsheimerstraße und des Pfarrhauses in der Leerbachstraße erstellt worden und fast fertig war. Als der Kirchbau in vollem Gang war, erkrankte P. Böcker schwer. Wegen seiner Magengeschwüre mußte ihm ein großer Teil des Magens entfernt werden. Zu Fronleichnam 1963 stand es auf des Messers Schneide, und man rechnete fast mit seinem Tod. Aber er erholte sich überraschend schnell wieder, so daß er noch persönlich den Bau vollenden und bei der Einweihung der Kirche mit dem Bischof konzelebrieren konnte. Das war der Höhepunkt seines Lebens.

Mit diesem Tage wurde auch die bisherige Pfarrvikarie zur "Pfarrei St. Ignatius Frankfurt" erhoben. Das stellte P. Böcker vor weitere große Aufgaben des Ausbaus der neuen Pfarrei. Er ging aber mit froher Schaffenskraft ans Werk. Er hat sich dabei wohl überanstrengt und erlitt einen Herzinfarkt, der ihn lange ans Krankenbett fesselte und zur Folge hatte, daß er nun wegen der geschwächten Kräfte die große Pfarrei abgeben mußte (etwa 9 000 Seelen).

1967 fand er ein neues, seinen jetzigen Kräften gut angemessenes Arbeitsfeld in dem großen katholischen Krankenhaus in Neheim-Hüsten, wo er neben der Krankenhausseelsorge auch für die religiöse Ausbildung der Schülerinnen zu sorgen hatte. Damit war er innerlich wieder ganz ausgefüllt und arbeitete froh voran. Von Zeit zu Zeit kam er immer wieder nach Frankfurt und besuchte seine alten Pfarrkinder. In ihrer Mitte feierte er 1972 auch sein Goldenes Priesterjubiläum.

Auch im September 1974 war er noch hier. Er sah zwar etwas schlecht aus und wirkte müde. Aber niemand hätte geglaubt, daß er am Ende seiner Kräfte stehe. Darum waren alle erschüttert, als acht Tage nachher plötzlich die Nachricht kam, daß er am 29. September in Neheim-Hüsten im Katharinen-Hospital gestorben sei. Die Trauer war groß.

Wie P. Böcker als Priester wirkte, entnehmen wir einem der Berichte, die im Laufe der Jahre über ihn im Limburger Kirchenblatt "Der Sonntag" erschienen: "Durch seine bescheidene, liebenswürdige Art hatte P. Böcker schnell viele Herzen gewonnen. Es lag ihm fern, den 'Pfarrherrn' herauszukehren. Vielmehr war er immer aufgeschlossen und dankbar für brauchbare Anregungen aus der Gemeinde. In vielfältigen Arbeitskreisen, hat er den Teilnehmern ein vertieftes religiöses Wissen vermittelt. Seine Predigten waren, weil theologisch und dogmatisch tief fundiert und von einer tiefen Frömmigkeit getragen, auch von anspruchsvollen Mitbrüdern geschätzt. Was P. Böcker aber in persönlicher Seelsorge gewirkt hat, wird kaum zu ermessen sein. Er hat seine ganze Kraft und sein gütiges, väterliches Herz restlos, ja schonungslos eingesetzt, um 'allen alles' zu werden."

R.i.p.

P. Ad. Rodewyk SJ

Mitteilungen aus der Provinz, Nr. 8, Dezember 1974,, S. 83f