P. Rudolf Böhmer SJ
4. April 1982 in Münster

Zu seinem Goldenen Ordensjubiläum am 15. September 1976 ließ P. Böhmer ein Andenkenbildchen drucken, auf dem er zum Ausdruck brachte, was sein Leben prägte: "Christus will ich erkennen und die Macht seiner Auferstehung und die Gemeinschaft mit seinem Leiden. Sein Tod soll mich prägen. So hoffe ich, auch zur Auferstehung von den Toten zu gelangen. Das Ziel vor Augen, laßt uns dem Siegespreis nachjagen: Der himmlischen Berufung, die Gott uns schenkt in Christus Jesus!" (nach Phil 3,10-14).

Eine kleine Begebenheit in seinem Sterben verdeutlicht diese seine Haltung. Wie üblich wollte die Schwester dem Toten sein Ordenskreuz in die Hände legen. Es blieb unauffindbar. Damit scheint symbolhaft angedeutet zu sein: P. Böhmer benötigte am Ende seines Lebens nicht mehr das Zeichen des Kreuzes in seinen Händen, weil er durch und durch vom Geheimnis des Kreuzes geprägt war. Im wahrsten Sinn des Wortes war er ein Gezeichneter.

P. Böhmer stammte aus Dortmund, wo er am 1. Januar 1905 als drittes von acht Kindern geboren wurde. Nach dem Abitur im März 1926 trat er am 15. September desselben Jahres in 's-Heerenberg in die Gesellschaft Jesu ein. Schon damals scheint seine Gesundheit nicht die beste gewesen zu sein, denn in seinem knappen Lebenslauf sagt er: "Ich habe ein halbes Jahr ausgesetzt zur Erholung. Der Einsatz in Neudeutschland (als Gaugraf) war wohl unvernünftig gewesen". Ab Herbst 1928-31 folgte das Studium der Philosophie in Valkenburg. Hier legte er den Grund für seine umfassende Schriftkenntnis. Seit dieser Zeit beschäftigte er sich während seiner Studienjahre jeden Sonntag mit der Heiligen Schrift. Im Juni 1931 wurde P. Böhmer als Präfekt ans Aloisiuskolleg nach Bad Godesberg geschickt. Zwei Jahre später, 1933, siedelte er nach 's-Heerenberg über, um die Novizen und Junioren in Latein und Griechisch zu unterrichten. Im Herbst 1934 begann er mit dem Studium der Theologie in Valkenburg. Dort empfing er am 24. Juni 1937 die heilige Priesterweihe. Nach Abschluß seiner Studien - im Sommer 1938 - begann P. Böhmer von Dortmund aus seine Tätigkeit als Exerzitienleiter. Ins Tertiat unter der Leitung von P. Albert Steger begab er sich am 15. September 1939 nach Pullach bei München. Danach weilte P. Böhmer als Minister und Operarius bis 1942 in Hannover. Von 1942-46 war er Rektor im Bethlehem-Hospital in Stolberg bei Aachen. Hier erlebte er das Kriegsende mit all seinen Begleitumständen.

Nach einer kurzen Zeit in Dortmund übernahm er im Oktober 1946 die Leitung des Exerzitienhauses in Pützchen bei Bonn. Im September 1948 mußte er sich einem neurochirurgischen Eingriff unterziehen, der eine Querschnittslähmung zur Folge hatte. Bezeichnend für seine Energie ist der folgende Satz aus seinem Lebenslauf: "Juli 1949 konnte ich wieder soweit gehen, daß ich in Dortmund arbeiten konnte: Beichtstuhl, Kapelle". 1962/63 erlitt er einen Rückfall, der eine erneute Operation in Köln-Merheim erforderlich machte. Nach seiner Wiederherstellung begann P. Böhmer am 1. April 1964 seine Tätigkeit als Rektor im Kloster Nette bei Osnabrück im Mutterhaus der Missionsschwestern Mariens. Neben vielem anderen wie Vorträge, Vermittlung von Exerzitienleitern für die Schwestern unterrichtete er die Novizinnen und Juniorinnen, denen er vor allem den lebendigen Umgang mit der Heiligen Schrift erschloß und eine ganze Anzahl von Schwestern auf die Erlangung der 'Missio canonica' vorbereitete. Unmöglich, sein fruchtbares, verborgenes und vielseitiges Wirken auch nur annähernd zu umschreiben. Vielleicht kommt das am besten zum Ausdruck in dem, was viele Schwestern anläßlich seiner Beisetzung in Münster äußerten: "P. Böhmer war immer da!" In der Tat, wann immer man ihn brauchte, er war stets zu erreichen.

Seine hohe Intelligenz verbunden mit einem nüchternen Blick ließ ihn Zusammenhänge rasch erfassen und er scheute sich dann aber auch nicht, seine Meinung unverblümt zum Ausdruck zu bringen. Bei einer von ihm klar erkannten Sachlage konnte er durch seine unbeugsame Haltung manche Auseinandersetzung auslösen, der er dann aber auch nicht auswich. In solchen Situationen konnte der Umgang mit ihm recht schwierig werden. Andererseits zeigte er sich stets bereit zur Versöhnung und zum Frieden. Bis zum letzten Augenblick blieb er sich treu. So gab er sich über die Schwere seiner Krankheit keinen Illusionen hin, sondern sah den kommenden Dingen klar entgegen. Mit einer Bereitschaft ohnegleichen nahm er sein Sterben an. "Ich bin ohne Sorge", meinte er wenige Stunden vor seinem Heimgang. Das Gebet und die Fürsorge der Schwestern im Kloster Nette begleiteten ihn bis in die letzten Augenblicke. 14 Tage vor seinem Tode meinte er angesichts seines schlechten Gesundheitszustandes (perniziöse Anämie): "Ostern bin ich im Himmel". Der Herr hat ihm am frühen Morgen des Palmsonntags diesen seinen Wunsch erfüllt und ihn sein Ziel erreichen lassen. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Friedhof von Haus Sentmaring in Münster.

R.i.p.

6/1982 - Oktober, S.101f