P. Kurt Dehne SJ
2. März 1990 in Münster

Als P. Dehne im April 1989 von Hannover nach Münster, Haus Sentmaring, umzog, war der Abschied von seinen vielen Tätigkeiten in der Diözese Hildesheim gewiß nicht leicht. Viele Dankschreiben brachten ihm Trost.

P. Kurt Dehne entstammte einer katholischen Arztfamilie in Hannover. Dort wurde er am 30. Mai 1901 geboren. Nach dem Abitur am Goethe-Gymnasium begann er auf Wunsch des Vaters ein Medizinstudium in Freiburg. Aber schon setzte sich seine Neigung durch und führte ihn als Hildesheimer Theologiestudenten an die Universität nach Münster. Am 29. April 1924 trat er zu s'-Heerenberg (Niederlande) in den Jesuitenorden ein. Seine übliche Ausbildung war durch ein einjähriges Interstiz - in Köln bei P. Ludwig Esch in der Jugendarbeit (ND) unterbrochen. Die Priesterweihe empfing er bereits nach dem 2. Jahr Theologie in Valkenburg (Niederlande) am 27. August 1932.

Nach einer homiletischen Spezialausbildung wurde er 1934 dem Düsseldorfer Rednerteam zugeteilt, das ihn zu regelmäßigen Vorträgen über aktuelle Weltanschauungsfragen auf vielen Kanzeln Deutschlands führte. Wegen Redeverbot durch die Geheime Staatspolizei des Naziregimes nahm seine Tätigkeit ein jähes Ende.

Er kam als Spiritual und als Dozent für Rhetorik und Aszetik an die Hochschule Sankt Georgen nach Frankfurt. Auch da verfolgte ihn die Gestapo, inhaftierte ihn 1943 ins Frankfurter Polizeigefängnis und von da ins Konzentrationslager Dachau, das er bis zum Ende der Nazizeit durchlitten und mit einem Leberschaden überlebt hat.

Bereits Ende 1945 begann in Hannover seine eindrucksvolle und segensreiche Wirksamkeit als Männerseelsorger, Polizeiseelsorger und Diözesanpräses im Kolpingswerk im Bistum Hildesheim. Über vier Jahrzehnte wirkte er in diesen Aufgabenbereichen mit viel Einfallsreichtum und Energie. Seine Arbeit bei den Männern war eingebunden in die Sorge um Ehe und Familie. Seine klare und aufrechte Denkungsart befähigte ihn bei allem Weitblick, sich noch dem einzelnen Menschen zuzuwenden. So wundert es nicht, daß er zum geistlichen Beirat des Familienbundes der Deutschen Katholiken in der Diözese Hildesheim ernannt, und daß seine Aktivitäten durch viele hohe Auszeichnungen durch Bund, Land und Bistum anerkannt und gewürdigt wurden.

Sein hohes Alter und sein Gesundheitszustand erforderten im April 1989 die Übersiedlung nach Münster in das ordenseigene Alten- und Pflegeheim Haus Sentmaring. Dort erlitt er in der Weihnachtsoktav durch einen Sturz in seinem Zimmer einen Oberschenkelhalsbruch. Nach gut verlaufener Operation war der allgemeine Kräfteverfall nicht mehr aufzuhalten. Aus der Klinik entlassen, entschlief er eine Woche darauf am 2. März 1990 in der Morgenfrühe kurz nach sechs Uhr. Auf dem Friedhof im Park von Haus Sentmaring haben wir ihn am 6. März zur letzten Ruhe bestattet.

Der Bischof von Hildesheim schrieb in Würdigung seiner Verdienste folgendes: "Viele Seiten eines Buches reichen nicht aus, all das aufzuzählen, wofür Sie in unserer Diözese Verantwortung übernommen und wie tatkräftig, andere begeisternd, Sie gewirkt haben."

P. Dehne hatte in Hannover und darüber hinaus in der Diözese Hildesheim die Wegzeichen gesetzt, die das katholische Leben, vor allem der Vereine und Verbände, in den Aufbaujahren nach dem Kriege zukunftsweisend geprägt haben. Der Bischof zählt die Stationen seines Wirkens auf: Zwanzig Jahre war P. Dehne als Männerseelsorger tätig, gleichzeitig war er Diözesanpräses der Kolpingsfamilie und stand von 1954 bis 1989 als Geistlicher Beirat dem Familienbund der Deutschen Katholiken in der Diözese Hildesheim mit Rat und Tat zur Seite. 33 Jahre tat er Dienst als Polizei- und Zollseelsorger im Bistum und im Lande Niedersachsen. Bischof Homeyer: "Ihm oblag die verantwortungsvolle Zusammenarbeit mit den leitenden Führungskräften der Polizei, den Ministerien des Inneren und der Gewerkschaft der Polizei. Ziel ungezählter Gespräche und Verhandlungen war immer die Ermöglichung kirchlichen Dienstes an den Polizeischülern und Polizeibeamten. Zeugnis geben, Bruderdienst für den einzelnen Menschen leisten und Gottesdienst mit ihnen feiern, so verstand er seinen Auftrag als Polizeiseelsorger. Nicht zuletzt hat P. Dehne durch Vorträge und Unterricht, durch Glaubensschulung und Gewissensbildung den ihm anvertrauten Menschen Orientierung gegeben."

Der Schreiber dieses Nekrologes lernte P. Dehne zum erstenmal 1939 in Sankt Georgen kennen. Er erteilte den ehemaligen Präfekten aus den Kollegien Nord und Süd Rhetorik, d. h. jede Woche hatten wir eine Predigt schriftlich anzufertigen. Diese mußte nach dem Modell eines 'Exempel' gebaut sein. Die besten Arbeiten wurden vorgelesen und kritisiert.

1948 traf ich ihn wieder in Hannover. Dort war er mit dem Aufbau unseres Hauses in der Hildesheimer Straße beauftragt. Wir hausten im Keller, über uns nur die Decke mit eineinhalb Meter Schutt. Wir alle konnten nur staunen, mit welchem Eifer P. Dehne den Aufbau des Hauses betrieb. Gewiß half ihm dabei, daß er bei Behörden als KZler von Dachau bevorzugt behandelt wurde, so bei der Bauerlaubnis und bei der Beschaffung der notwendigen Materialien. Weiter bewunderten wir seinen ungebrochenen Eifer. Jeden Abend war er draußen in der Diözese zu Vorträgen, irgendwo in Niedersachsen, scheute nicht die weiten Wegstrecken (er besaß als erster einen VW), kam spät nach Hause und bereitete die nächste Aktion vor. So in den Jahren des Aufbaus.

Neben dem wiedererrichteten Haus lag eine Ruine, ein alter Pferdestall. Was damit anfangen? P. Dehne hatte die kluge Idee, das zerstörte Gebäude umzubauen und ein Lehrlingsheim darin unterzubringen. Über alle Schwierigkeiten hinweg, gelang ihm das sehr bald. Und junge katholische Burschen, die in Hannover ihre Lehre oder den Meister machen wollten, konnten darin einziehen. Den jungen Leuten war er ein väterlicher Freund, half manchem mit klugem Rat und sorgte für ihr geistiges und leibliches Wohl.

In das erweiterte Spee-Haus zogen bald Studenten der Technischen Hochschule ein (betreut von P. Mariaux). So wurde das Haus wirklich zu einem geistlichen Zentrum für die Stadt und für die Diözese. Das waren die Jahre bis 1960.

So hat P. Dehne sich auf allen Gebieten Verdienste von bleibendem Wert erworben. Er, der immer tätig sein mußte, rastlos ohne Ermüdung, möge nun ausruhen von seinen Werken und ruhen in Gottes heiligem Frieden.

R.i.p.

P. Adolf Degener SJ

Aus der Norddeutschen Provinz, 6/1990 - Dezember, S. 181f