Bruder Erich Derichs SJ
* 10. November 1909    24. Mai 2001
Eintritt 1930 - Letzte Gelübde 1942

Die Zimmertür stand offen, im Sessel Bruder Derichs, ein Gebetbuch oder den Rosenkranz in der Hand, allen Vorübergehenden froh zuwinkend, die Hereinkommenden munter empfangend - so war er bei uns in seinen letzten beiden Lebensjahren, ein liebender Freund aller Pflegekräfte. Gern packten sie ihn in den Wagen, fuhren ihn durch den Park oder zum Wochenmarkt, luden ihn ein zu einem Capuccino.

Ein Ordensmann, der volle fünfzig Jahre auf der Pflegestation für seine älteren Mitbrüder gearbeitet hat, nicht für die Gesunden, sondern gerade für die Schwerkranken, zusammen mit Br. Wilhelm Westermeyer und Br. Friedrich Mescheder, später, solange er es schaffte, zusammen mit den Pflegerinnen und Zivildienstleistenden - und immer war er der zweite, dritte oder fünfte Mann. Das ist das Leben eines Ordensmannes, der sich Gott anvertraut hat.

Erich Derichs war Rheinländer. Am 10. November 1909 wurde er in Korschenbroich bei Mönchengladbach geboren. Er hat oft erzählt, die Mobilmachung 1914 in seiner grenznahen Heimat hatte er lebendig im Gedächtnis. Er besuchte die Schule in seiner Heimat, fuhr danach mit einem kleinen Fahrrad zwei Jahre lang zur Handelsschule nach Rheydt. Er machte eine Lehre als Bierbrauer, arbeitete an mehreren Orten und zum Schluss als Geselle in der Wicküler-Brauerei in Wuppertal.

1930 machte er sich auf den Weg nach s'-Heerenberg (NL) ins Noviziat der Gesellschaft Jesu. Was ihn bewegte, ist auch von den noch lebenden Schwestern nicht zu erfahren: "In diesem Punkt blieb er still und verschlossen. Ein Motiv der Buße scheint auch dabei gewesen zu sein", berichten sie. Sechs Monate vor Ablauf des Noviziates wurde er nach Valkenburg (NL) versetzt; und er legte dort auch am 8. September 1932 seine Ersten Gelübde ab. Sogleich wurde er beweglich: Es folgten kürzere Einsätze in Düsseldorf und Luxemburg.

Vor den fünfzig Jahren in der Pflege war er zwanzig Jahre in Europa unterwegs, so darf man ohne jede Übertreibung sagen. 1934 bis 1937 Koch in Hannover, dann 1937 bis zur Einberufung zum Militär, 1942 Koch in Kobenhavn; dort legte er am 2. Februar 1942 seine Letzten Gelübde ab.

Der 8. Oktober 1942 war sein Einberufungstag nach Neumünster, exakt der 8. Oktober 1948 sein Entlassungstag aus der Gefangenschaft in Bad Kreuznach. In diesen Jahren wurde Br. Derichs wirklich bewegt. Nach der Ausbildung als Krankenträger in Neumünster waren seine nächsten Standorte Eisenach, Weimar, Erfurt. So sagen es seine eigenen Aufzeichnungen. Vier Monate militärische Ausbildung in der Bretagne, ab 5. Januar 1944 Fronteinsatz. Im Mai 1944 Gefangennahme in den Albaner Bergen, von Neapel aus wurde er mit einem Transporter nach Oran gebracht. Bis Kriegsende war er Ordonanz in einem Offizierslager. Bis 1947 arbeitete er außerhalb des Lagers bei Trappisten im Kleinen Atlas, 1500 m hoch.

Raum gibt Br. Derichs in seinen Berichten den Eindrücken in Italien und Afrika. In Italien begeisterte ihn jeweils der Anblick des Meeres. Es traf ihn hart die karge Landschaft und die Armut der Menschen in den Bergen. "Afrika ist wunderschön an den fruchtbaren Stellen, furchtbar in der Wüste und seiner Hitze (am Tage) und seiner Kälte (in der Nacht)."

Im Mai 1947 kam er mit 1000 Kameraden auf dem Dampfer Pasteur über Marseille zurück nach Frankreich. Das letzte Jahr seiner Gefangenschaft verbrachte er quasi als freier Mann bei unseren Patres im Kolleg St. Clemens in Metz.

1948 endlich wieder daheim, half er zunächst drei Jahre im Bürener Kolleg, und 1951 begann in der Krankenabteilung im Canisiushaus in Köln der fünfzigjährige Dienst für die kranken Mitbrüder.

Bis zum letzten Tag war er geistig frisch, reflektierte im Gespräch über die Sonntagspredigt in unserer Kommunitätsmesse, wartete auf den wöchentlichen Pfarrbrief seiner Heimatgemeinde und erhielt viel Post aus der Familie.

In den letzten Tagen, als das Ende trotz mancher gut überstandener Schwächephasen nun ziemlich deutlich erkennbar war, blieben unsere Pflegerinnen und Zivildienstleistenden in ihrer verfügbaren Zeit gern lange bei ihm, die Stunden am letzten Nachmittag in seinem Zimmer waren ausgesprochen fröhlich. Kurz nach Beginn des Himmelfahrtstages stellte die Nachtschwester fest: Der Puls hat aufgehört zu schlagen Die Anteilnahme im ganzen Hause war groß, und unsere Zivildienstleistenden sagten einmütig: "Bruder Derichs war für uns ein vorbildlicher Ordensmann."

Nachdem wir gemeinsam mit seinen Verwandten, Freunden und unseren Angestellten für ihn am 29. Mai 2001 das Requiem gefeiert haben, fand er seine letzte Ruhestätte auf unserem Friedhof im Park von Haus Sentmaring in Münster.

R.i.p.

P. Fritz Abel SJ

Aus der Norddeutschen Provinz,