P. Franz Feldmann SJ
* 22. Oktober 1909    25. März 2002
Eintritt 1931 - Priesterweihe 1939 - Letzte Gelübde 1943

92 Jahre, fünf Monate und drei Tage ist er alt geworden, unser Münsterländer aus Senden, Pater Feldmann. Seine Heimat hat ihn geprägt, das Knorrige und Sensible seines Wesens, dazu seine Naturverbundenheit. Bis zum Ende seiner 80er Jahre stieg er gern aufs Fahrrad und kannte rund um Münster alle Pädken und Ausflugsziele.

Die bis in die Nazizeit bewährte Münsterländische Festigkeit im katholischen Glauben hat ihn mit seinen drei Brüdern in Familie und Gemeinde geformt. Er gehörte der "Sturmschar" im Katholischen Jungmännerverband an. Das war ausschlaggebend für die innere Ausrichtung. Trotzdem hat er zum Priestertum einen Umweg gemacht, indem er nach dem Abitur auf dem Münsterschen Paulinum ein Ingenieurstudium an der Technischen Hochschule Hannover begann.

Am 9. Februar 1931, acht Tage nach Mariä Lichtmess, wurde er Novize der Gesellschaft Jesu in 's-Heerenberg. Nach der zweijährigen Noviziatszeit wurde er nach Valkenburg zu Philosophiestudium beordert mit Abschluss 1935.

Zur damaligen Zeit war es eine große Hilfe für die Deutsche Ordensprovinz, als die Mitbrüder von Argentinien und Brasilien unsere Theologen einluden, ihr Studium in Südamerika zu Ende zu führen und eine Zeitlang dort seelsorglich tätig zu bleiben. Also wurde ein Schiff nach Übersee bestiegen, und ein ganzer Pulk junger deutscher Jesuiten fiel bei den Lateinamerikanern ein. Von 1936 bis 1940 studierte Franz Feldmann in Sao Leopoldo. Dort wurde ihm auch 1939 die Priesterweihe zuteil.

Bevor P. Feldmann im April 1956 nach Deutschland zurückkehren konnte, war er als begehrter Seelsorger an verschiedenen Orten Brasiliens tätig, war Lehrer am Kleinen Seminar in Cerro Largo und wirkte als Operarius in drei Pfarreien. In Sao Ivas/Itapiranga musste er sich zwei Bruchoperationen unterziehen.

In Deutschland war seine seelsorgliche Tätigkeit zunächst sehr wechselhaft, ausgenommen zehn Jahre als Operarius in Saarlouis. Nach kurzer Tätigkeit als Pfarrverweser in Bliesheim (Köln) zog es ihn in die Diaspora, und der Bischof von Hildesheim gab ihn zur Anleitung durch verschiedene, zum Teil selber kauzige "Kaplanserzieher". Und dann kamen die nahezu zehn Jahre als Pastor in Neuhaus/Oste im Land Hadeln. Ich schätze, das war seine glücklichste Zeit: kleine Seelenzahl, große Entfernungen. Man kannte sich und hielt zusammen. Die Jugend kam gern ins kleine, gemütliche und kreativ eingerichtete Heim. Und dann erst die Kinder! Für sie hat er das Muster eines Abenteuerspielplatzes aufgebaut, der tags nie leer wurde. In einem Landeswettbewerb erhielt der Platz den Ersten Preis, und es gab eine Fernsehreportage.

Im Herbst 1979 legte er, 70-jährig, die Verantwortung für die Kath. Gemeinde Neuhaus nieder. Für die Einwohnerschaft ein betrübter Abschied, für P. Feldmann aber die Freiheit, noch eine Menge für das Reich Gottes tun zu können als Operarius in Frankfurt, Trutz und ab 1985 von Münster aus auf der Insel Baltrum, im Harz, in Wolfsburg und an vielen anderen Stätten. Spätestens als er zwei künstliche Hüftgelenke hatte, kam er "an die Kette" - seine Hauptaufgabe: Vorbereitung der Heimkehr zu Gott und entsprechend Distanz zur Welt. Nach langer Krankheit verstarb er in Münster an Nierenversagen.

Als Letzten in der Reihe der verstorbenen Mitbrüder haben wir ihn im Parkfriedhof von Haus Sentmaring begraben.

R.i.p.

P. Franz Schilling SJ

Jesuiten-Nachrufe 2002, S. 17