P. Alois Henkel SJ
13. September 1975 in Münster

Geboren am 26. März 1891 in Hinkerode (Eichsfeld) wuchs: P. Henkel auf dem elterlichen Hof im Schoß einer gläubigen Familie auf und nahm dort auch die Liebe zur Natur in sich auf, die sich ihm in der herben Landschaft seiner Heimat darbot. Er war der jüngste unter 5 Brüdern und 2 Schwestern; der älteste Bruder Jakob lebt noch mit 96 Jahren. Sein Bruder Karl wurde Priester, promovierte in Freiburg und starb als Dechant, sein Bruder Andreas war Studienrat am Friedrich Wilhelm-Gymnasium in Köln und ist dort begraben. Unser Alois ging nach dem Besuch der Volksschule seiner dörflichen Heimat an das Lehrerseminar in Hildesheim, nach dessen Abschluß er einige Jahre Lehrer in Duderstadt war. Seinen Militärdienst absolvierte er bei den schweren Reitern, den Kürassieren. Ein Foto zeigt ihn in der Galauniform, sonst aber erzählte er an Einzelheiten sehr wenig über seine Militärzeit. Während des Ersten Weltkrieges war er bei der Militärpolizei und hatte für gute Ordnung in Köln zu sorgen. Er erwähnte einige Razzien in der Gegend des Griechenmarktes.

Nach dem Ersten Weltkrieg ließ er sich als Lehrer nach Hannover versetzen, um neben seiner Schultätigkeit noch das Abitur nachzumachen. Am 25. April 1922, bald nach dieser Reifeprüfung, trat er in 'sHeerenberg in das Noviziat der Gesellschaft Jesu ein. Mitnovizen erinnern sich seiner als eines älteren, würdigen Herrn im Frack, der darin zu aller Erbauung und Freude auch die täglichen "Opera" leistete. Da er schon älter war, durfte er bereits 1923, also ein Jahr nach Beginn seines Noviziates, in die Philosophie nach Valkenburg übersiedeln, wo sich für ihn nach drei Jahren das Studium der Theologie anschloß. Zwei Jahre der Theologie machte er in Valkenburg und zwei Jahre in Leuwen/Belgien. Der Theologie fügte er dann noch ein Jahr Studien der französischen Sprache in Paris und Bonn an. Seine Neigung, "verschiedene Orte zu durchwandern", zeigte sich schon damals. So machte er sein Terziat in St. Andrä/Österreich. Nach dem Terziat kam er in die Seelsorge und war fast 10 Jahre in Koblenz als Bezirkspräses der Männerkongregation. Besonders in der Nazizeit begründete er zahlreiche Gruppen in den Städten an Rhein und Mosel. Aus dieser Zeit wohl stammt auch sein auf Erfahrung beruhender Anspruch auf ein kompetentes Urteil über Weinsorten und Weingüte. Nicht immer wurde es von seinen Mitbrüdern anerkannt; es gab ihnen Anlaß, ihn auf die Probe zu stellen, die er zu allgemeiner Freude nicht immer bestand.

P. Henkel hat das Leben nicht leicht genommen. Neben all dem Guten gab ihm seine Eichsfelder Heimat ein schweres Temperament und ein großes Beharrungsvermögen. Bei seiner Art stand er bei Scherzen nicht gern im Mittelpunkt. Von ganz undiplomatischer Art ging er von einmal gefaßten Meinungen nicht leicht ab und ging dabei auch harten Auseinandersetzungen nicht aus dem Wege. Gemildert wurde diese Anlage durch eine gesunde Aszese und ein gutes Herz, die es schließlich doch fertigbrachten, mit den ihm Anvertrauten und seinen Mitbrüdern gut auszukommen.

Während des Zweiten Weltkrieges war er Kaplan in einer Pfarrei in Hannover und wirkte nach dem Kriege nach Wiedereröffnung des Godesberger Kollegs einige Jahre dort als Lehrer. Mit zunehmendem Alter wurde ihm das zu schwer, aber er setzte sich dann an vielen Orten, u. a. in Eringerfeld, Münster, Oldenburg, Köln, als Operarius ein und gab unermüdlich Exerzitien und Einkehrtage. Wurde irgendein Ort im Süden oder in den anderen Gegenden des deutschen Sprachgebietes erwähnt, so hörte man immer wieder von ihm die Bemerkung: dort habe ich schon einmal Exerzitien gegeben. Als ihm durch sein Herzleiden und seine fortschreitende Hirnsklerose die apostolischen Arbeiten zu schwer wurden, beschäftigte er sich mit einem Lieblingsfach, das er schon vorher betätigt hatte, der Vogelkunde. Man drängte ihn immer wieder, für populäre Zeitschriften zu schreiben, weil seine Aufsätze von Abonnenten gern gelesen würden. Aus der Universitäts- und anderen Spezialbibliotheken verschaffte er sich Material, um seine Arbeiten wissenschaftlich zu unterbauen. Weil er selbst nicht in der Lage war, seine Artikel mit der Schreibmaschine für den Druck vorzubereiten, war er sehr dankbar, wenn sich jemand für diesen Liebesdienst anbot. Stolz zeigte er Besuchern den dicken Packen Manuskripte, die teilweise veröffentlicht waren oder auf den Druck warteten.

Die letzten Monate seines Lebens wurden ihm nicht leicht. Er merkte selbst, daß er immer vergeßlicher wurde und sich auch im Hause nicht mehr ganz zurechtfand. Wenn es ihm auch nicht leicht fiel, so war er doch schnell und gern mit dem Vorschlag zufrieden, nach Haus Sentmaring in Münster überzusiedeln, weil er dort eine bessere Pflege hatte. Es hat dann auch nicht mehr lange gedauert, bis der Herr ihn zu sich rief.

R.i.p.

P. Hermann Tophinke SJ

Aus der Provinz, Nr. 6 - November 1975, S. 64