Bruder Matthias Hoffeld SJ
26. Dezember 1977 in Münster

Still und unauffällig wie er gelebt hatte, so ist Br. Hoffeld auch nach kurzer Krankheit in aller Stille aus diesem Leben geschieden. Als es darum ging, den Nachruf für ihn zu schreiben, fand sich niemand, der glaubte, ihn dafür genügend gekannt zu haben. Trotz aller Bemühungen war es nicht einmal möglich, Auskünfte von Belang über ihn zu bekommen. In der Erinnerung lebt der Verstorbene als lieber, bescheidener Mitbruder, der treu seine ihm übertragenen Arbeiten verrichtete und dadurch eine große Hilfe für die Häuser bedeutete, in denen er tätig war. Auf seinem Antlitz lag, selbst wenn er lächelte ein Hauch von Weltschmerz.

Für den folgenden Nekrolog sind wir fast ausschließlich auf die kargen Daten aus der Personalkartei angewiesen. Geboren wurde Matthias Hoffeld am 23.8.1901 in Merzig an der Saar. Br. Wilhelm Würth - gestorben im November 1938 -, der auch aus Merzig in die Gesellschaft kam (wenn er auch in Saarbrücken geboren war), mußte einmal den Ruf seiner Heimatstadt gegen einen Provinzial verteidigen. In Anspielung auf die für einen Wissenden im Wort Merzig unterschwellig mitgenannte dortige Heilanstalt bemerkte besagter Provinzial dem Bruder gegenüber, der damals an der Provinzprokur beschäftigt war: "Nun ja, wir wissen ja, was in Merzig los ist". Darauf die prompte Erwiderung des Bruders: "Gewiß, dort ist die berühmte Provinzial-Heilanstalt".

Welcher Beschäftigung Br. Hoffeld nach dem Schulabschluß nachging, konnte nicht völlig geklärt werden. In den Personalakten steht als Beruf verzeichnet "Fabrikarbeiter", wobei man wohl an eine Arbeit in der Merziger Filialfabrik von Villeroy und Boch denken muß. Auf dem Totenzettel heißt es, er habe das Schneiderhandwerk erlernt. Vielleicht trifft beides nacheinander für die Jahre vom Abschluß der Volksschule bis zum Beginn seines Ordenslebens zu. Jedenfalls wurde er nach seinem Eintritt in die Gesellschaft am 6. April 1924 in 's-Heerenberg in der Schneiderei beschäftigt.

Von 1928 bis 1932 arbeitete er als Schneider und Pförtner in Valkenburg und von 1932-1936 in gleicher Eigenschaft in der Luxemburger Residenz. Dort scheint er sich auch um die Kapelle gekümmert zu haben. In einem Beileidsbrief aus Luxemburg nach seinem Tod heißt es nämlich: "Meine langjährige Formation als Ministrant durch Br. Hoffeld war eine gute Vorbereitung für das Leben, und seine liebevolle Zurechtweisung hat mir später oft geholfen. Besonders über die Kriegszeit in russischer Gefangenschaft war es ein erbauliches Andenken. Auch in Zukunft dürfte diese Jugenderinnerung nicht verblassen".

Von Luxemburg kam Br. Hoffeld 1936 nach Bonn, wo er Pforte und Wäschekammer betreute. Tm Jahre 1940 wurde er zu den Landesschützen eingezogen und im folgenden Jahr gemäß dem bekannten Geheimerlaß als "nicht zu verwenden" wieder entlassen. Nach dieser Entlassung vom Militär machte er in einer Schneiderei in Paderborn eine regelrechte Lehre durch, die er mit der Gesellenprüfung abschloß. Im Jahre 1945 wurde er dienstverpflichtet in einer Eisenbahnwerkstätte in Eschwege.

Nach dem Kriege war die erste Station in seinem vom häufigen Ortswechsel gekennzeichneten Ordensleben das neu übernommene Kolleg in Büren, wo er die Schneiderei übernahm. Von dort siedelte er 1949, ebenfalls als Schneider, nach Sankt Georgen/Frankfurt über. Von Juli 1951 bis März 1952 war er in Trier als Schneider und "Mädchen für alles". Von März bis August 1952 betreute er die Pforte im Aloisiuskolleg/Bad Godesberg. Dann kehrte er für nicht ganz zwei Jahre nach Büren zurück, diesmal als Pförtner. Die darauf folgende Zeit war jene Zeit im Ordensleben des Bruder Hoffeld, während der er sich am wohlsten fühlte und von der er bis zum Ende seines Lebens immer wieder gern erzählte. Über 8 Jahre, von Mai 1954 bis September 1962, verbrachte er als Schneider in der Trierer Residenz. In diesem Hause war der Bruder sehr angetan von dem Seelsorgs-"Betrieb", den er erlebte, von den vielen guten Leuten aus Trier und aus der ländlichen Umgebung, die in die Kapelle kamen und oft auch an der Pforte vorsprachen.

Im September 1962 kam Br. Hoffeld schließlich an den letzten Ort seiner irdischen Laufbahn, an dem er über 17 Jahre lebte. Er übernahm den Posten als Pförtner und Schneider in Haus Sentmaring/ Münster. Ende 1976 zeigten sich bei ihm die ersten gesundheitlichen Beschwerden, Behinderungen bei seinen Bewegungen, nicht zuletzt beim Gehen, sowie auch Gedächtnisschwierigkeiten. Auf ärztlichen Rat machte er Anfang 1977 noch eine Regenerationskur in einer Fachklinik in der Nähe von Münster, die ihm jedoch kaum Erleichterung brachte. So mußte er seine Tätigkeit an der Pforte aufgeben. Im Laufe der Zeit wurden die Symptome einer Schüttellähmung immer deutlicher, und zuletzt war der Patient ganz auf Pflege angewiesen. In den Abendstunden des 26. Dezember 1977 ist er dann sanft heimgegangen. Unter den Beileidsschreiben war ein Brief eines amerikanischen Oberstleutnants und der eines belgischen Oberst, mit denen der Verstorbene in brieflicher Verbindung gestanden hatte; wie er mit diesen Herren bekannt wurde, ließ sich nicht mehr ermitteln. Nun ruht er auf dem Sentmaringer Friedhof ein guter und getreuer Knecht.

R.i.p.

Aus der Norddeutschen Provinz, 4/1978 - August, S. 57f