Bruder Stefan Holböke SJ
20. Juni 1983

Biographische Notizen, die Br. Stefan Holböke in Essen P. Klinkhammer diktiert hat:
"Am 12. Juni 1893 bin ich in Ostenfelde b./Oelde in Westfalen geboren und nach 2 Tagen in der Pfarrkirche getauft worden. Ich besuchte die Volksschule. Wir hatten gute Geistliche, die einen ausgezeichneten Religionsunterricht erteilten, der mir Fundament für das ganze Leben wurde. Besonders gern erinnere ich mich an unseren Herrn Pastor Pieper.

Nachdem ich die Schule verlassen hatte, arbeitete ich auf dem väterlichen Bauernhof. 1913 meldete ich mich freiwillig zum Militär. 1914 begann der 1. Weltkrieg, den ich vom 1. bis zum letzten Tag im Felde mitmachte. Die ganze Zeit über war ich in Frankreich eingesetzt. 1918 wurde ich als Vizefeldwebel entlassen, ging zum väterlichen Hof zurück und half meinem Vater wie zuvor. 1925 hatte ich das Glück, mit einem Pilgerzug, der von Würzburg ausging, nach Rom fahren zu können. In dieser Zeit kamen mir zum ersten Mal Gedanken an das Ordensleben. Ein gelähmter Priester, dem ich mich daheim anvertraute, riet mir zu und so machte ich im Herbst 1926 meine ersten Exerzitien und zwar in Münster bei den Jesuiten, Leiter war P. Rensing.

Ich war inzwischen 33 Jahre geworden und trat am 1. März 1927 im Bonifatiushaus b. Emmerich in den Orden der Gesellschaft Jesu als Bruder ein. Nach Beendigung des Noviziates schickten meine Oberen mich nach Hoch-Elten. Hier arbeitete ich vornehmlich als Gärtner und übersiedelte 1931 in die Residenz nach Hannover. Dort war ich Sakristan und Hausmeister und wenn der Pförtner abberufen wurde, übernahm ich auch sein Amt an der Pforte. Zehn Jahre lebte ich in Hannover, im Winter bediente ich auch noch die Zentralheizung.

1941 begann ein neuer Lebensabschnitt für mich. Meine Oberen sandten mich in das Ignatiushaus nach Essen. Hier übernahm ich die Pforte, den Dienst als Sakristan und den Garten. Sehr gerne machte ich Einkäufe für das Haus mit meinem Moped, bis die Oberen es mir später untersagten, weil der Verkehr immer stärker wurde und ich nicht mehr so fit war. Im Krieg wurde das Ignatiushaus stark zerstört, wir mußten wieder aufbauen, eine neue Kirche entstand, Arbeit gab es genug.

Manchmal werde ich gefragt, warum ich den Ordensstand erwählte, die Antwort ist ganz einfach: weil ich hoffte, hier meinem Herrgott besser dienen zu können. Die Wahl des Ordens hatte ich auch IHM überlassen und ER hat mich wunderbar geführt. Ich bin in meinem Beruf und im Jesuitenorden glücklich geworden, und ich würde ohne Bedenken diesen Weg, der für mich einzig richtig war, wieder gehen.

Nun habe ich die 80 längst überschritten. Ich weiß, daß meine Tage gezählt sind. Aber täglich danke ich Gott, daß ER mir ein so hohes Alter beschieden hat. Man wird täglich reifer für den Himmel, und das ist ja das Hauptziel eines Ordensbruders."

Am 12. Juni feierte Br. Stephan Holböke noch in dankbarer Freude die Vollendung seines 90. Lebensjahres. Von diesem Tage an begannen seine Kräfte aber merklich nachzulassen. Am Vormittag des 20. Juni durfte er in die himmlische Herrlichkeit eingehen. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Friedhof des Hauses Sentmaring in Münster.

R.i.p.

Aus der Norddeutschen Provinz, 4/1983 - Oktober, S.82f