P. Heinrich Horstmann SJ
* 30. Oktober 1885
31. März 1972

P. Heinrich Horstmann wurde am 30. Oktober 1885 in Ochtrup im Münsterland geboren. Er war das dritte von 10 Kindern. Seinen Eltern ist er besonders dankbar für den religiösen Geist in der Familie und für ihr gläubiges Vorbild, dem er es zuschreibt, daß er sein Leben lang nie von Glaubenszweifeln geplagt wurde. Von früher Jugend an war ihm das Priestertum selbstverständliches Ziel. Nach dem Abitur am Paulinum in Münster und nach seinen theologischen Studien wurde er am 5. Juni 1909 zum Priester geweiht. Seine erste Kaplansstelle führte ihn nach Duisburg-Laar. Da er während seiner Studien sich die polnische Sprache angeeignet hatte, konnte er sich in Laar besonders der 3500 Polen annehmen.

1911 trat er in den Jesuitenorden ein. Seine Studien wurden durch den ersten Weltkrieg unterbrochen, der ihn als Divisionspfarrer in den Westen und dann in den Osten führte. Nach Beendigung seiner Ausbildung wirkte er einige Jahre bei den Volksmissionaren.

1922 begann dann seine Tätigkeit beim Jungmännerverband in Düsseldorf, die ihn 15 Jahre lang voll ausfüllte. Je mehr er in die Arbeit hineinwuchs, umso mehr wuchsen auch die Aufgaben. Neben vielen Vorträgen und Kursen über Jungmännerseelsorge übernahm er die Schriftleitung der Verbandszeitschriften "Am Scheideweg" und "Jungwacht", die viele Tausende junger Menschen religiös formte und festigte. Aus jener Zeit stammt auch das Gebetbuch "Im Dienst des Herrn", ferner "Heiliger Dienst" für die Meßdiener und das "Patenbüchlein" für die Taufpaten. 1935 schied er aus der Verbandsarbeit aus. Es zeichnete sich schon der Beginn des Kirchenkampfes unter den Nazis ab. Bis 1941 war P. Horstmann noch in der Priester- und Schwesternseelsorge tätig. Dann wurde das Haus in Düsseldorf von der Gestapo aufgelöst.

Fulda wurde die nächste Station seiner priesterlichen Tätigkeit. Nach dem Einmarsch der Amerikaner konnte er noch vielen Tausenden von Männern und Frauen, die aus den besetzten Gebieten zur Arbeit verpflichtet waren, behilflich sein, bis sie in ihre Heimat zurückkehren konnten. Schweren Herzens nahm er 1945 Abschied von Fulda und leitete bis 1950 unter schwierigen Bedingungen den Wiederaufbau der Residenz und Kirche in Dortmund. Mit 65 Jahren übernahm er dann die Leitung des Pfarr-Rektorates St. Ignatius in Essen. Auch hier fand er einen Trümmerhaufen vor. - 16 Jahre wirkte er in St. Ignatius und konnte in dieser Zeit den neuen Kindergarten und die neue Kirche aufbauen. Januar 1966, mit 80 Jahren, übergab er die Pfarrei jüngeren Händen und kam nach Münster. Hier hat er bis in die letzten Wochen seines Lebens noch in der Seelsorge ausgeholfen.

Nach kurzer Krankheit starb er am Karfreitag, dem 31. März 1972.

Unermüdliche Schaffenskraft, unangefochtener Glaube, schlichte und unkomplizierte Frömmigkeit, sein zuversichtliches Wesen und die Bereitschaft zu helfen, wo ihm die Not begegnete, prägten seine Arbeit und ließen ihn den Zugang zu den Menschen finden. Mit Dankbarkeit schaute er in den letzten Jahren auf die Führung Gottes durch sein ganzes Leben zurück. Wir dürfen hoffen, d aß er nun das Ziel seines rastlosen Wirkens erreicht hat: die Gemeinschaft mit dem König der Herrlichkeit.

R. i. P.

P. B. Altefrohne SJ

NB. Einen ausführlichen Bericht über sein Leben und seine Arbeiten gab P. Horstmann selbst in "Sturm und Steuer", Januar und Februar 1971. Der Bericht findet sich im Pressespiegel "Aus der Provinz", Juli 1971, S. 175-180.

Aus der Provinz, Nr.4, April 1972, S.89f