P. Heinrich Huthmacher SJ
9. August 1978 in Münster

28 Jahre hat P. Heinrich Huthmacher in Hamburg gearbeitet und sollte doch sein letztes Stündlein nicht hier erleben. Die ihn seit etwa zwei Jahrzehnten belastende Herzschwäche hatte in den letzten Wochen so stark zugenommen, daß er nach Münster übersiedeln mußte, wo er auch am 9. August gestorben ist.

P. Huthmacher wurde am 25. Januar 1902 in Köln geboren. Den Geburtstag auf Pauli Bekehrung wählte er aus folgendem Grunce: "Meine Mutter war eine geborene Heyden. Es wollte mir aber nicht aus dem Sinn, daß ich doch unmoglich als doppeltes Heidenkind auf die Welt kommen könnte. So wählte ich mir diesen besonderen Tag, an dem der Heide (ital) Saulus sich zu dem Christen Paulus wandelte." Er hatte einen Bruder und eine Schwester, die vor ihm gestorben sind (der Bruder ist im Krieg gefallen), von denen ich ihn nie habe sprechen hören, wohl von seiner Mutter, um die er sich in deren letzten Lebensjahren in Godesberg sehr gekümmert hat, wie er auch um die Pflege ihres Grabes sich sehr bemüht hat; eine ganze Reihe von Briefen an den damit beauftragten Gärtner bezeugen das.

In Köln besuchte er das Gymnasium in der Kreuzgasse, gehörte in seinen letzten Schuljahren zu den Mitbegründern von "Neudeutschland" und bestand 1921 unter Befreiung vom Mündlichen die Reifeprüfung. Kurz danach trat er in 's-Heerenberg in die Gesellschaft ein. Die philosophischen Studien machte er in Valkenburg. Von 1926-1929 war er Präfekt im Aloisiuskolleg, Die Theologie machte er zunächst in Valkenburg, die zwei letzten Jahre am Berchmanskolleg in Löwen. 1932 empfing er die Priesterweihe in Valkenburg. Das Terziat verbrachte er in St. Beuno's in der Englischen Provinz. Es folg ten die philologischen Studien an der Universität Bonn in Englisch, Französisch und Latein, die er 1939 mit dem wissenschaftlichen Staatsexamen für das Lehramt an höheren Schulen abschloß. Zur Referendarausbildung wurde er aber schon nicht mehr zugelassen.

Da den Oberen daran lag, die "kostbaren", "teuren" Philologen möglichst außer Landes zu bringen, bestimmte man ihn als Deutschenseelsorger in Shanghai. Der Kriegsausbru verhinderte aber die Ausreise. Für einen späteren Versuch, die Reise über Rußland zu wagen, verweigerten ihm die Nazis die Ausreise. So wurde er in der Seelsorge eingesetzt, vor allem in Rheydt, Hamburg und Dortmund.

Erst 1945 konnte er seine eigentliche Bestimmung antreten. Er begann am Aloisiuskolleg, holte von dort aus die ihm 1939 verwehrte pädagogische Staatsprüfung nach, siedelte 1947 nach Büren über und trat 1950 seine eigentliche Lebensstellung an der Sankt-Ansgar-Schule in Hamburg an.

P. Huthmacher war ein strenger Lehrer. Wo eine Klasse Disziplinschwierigkeiten machte, wurde er hinbeordert und brachte die Jungen zur Ordnung. Dabei verfuhr er nach seinem Spruch: "Revolutionen ersticke ich im Blute, aber nicht in meinem." Schon die ser Spruch zeigt, daß er sich eine Dosis Kölnischen Humors bewahrt hat. Dieses Humor wegen, wie auch wegen seiner Ordnungsliebe und erfolgreichen Lehrtätigkeit wurde er von Schülern, Eltern und Kollegen geschätzt. Die Strenge hat er übrigens in späteren Jahren stark gemildert. Manchmal allerdings hat er sich und anderen das Leben sauer gemacht durch seinen Mangel an Takt und seine Neigung, Verfügungen mißzuverstehen. Im ganzen war er aber ein umgänglicher, geachteter Hausgenosse und Mitbruder. Im Ansgar-Haus war er auch lange Jahre Spiritual und bedauerte nur, daß die Mitbrüder sein Dienste so wenig in Anspruch nahmen.

Neben seiner Lehrtätigkeit wirkte er, auch viel in der Seelsorge. Jahrelang übte er sonntags Kaplansdienste in den Pfarreien Ochsenzoll und Tonndorf aus. Bischofsvikar und Weihbischof Johannes von Rudloff, der wohl Verständnis dafür hatte, daß P. Huthmacher eine Schmeichelei gern hörte, sagte einmal über diese Tätigkeit in den Pfarreien: "P. Huthmacher ist mit Gold nicht aufzuwiegen." Auch die Betreuung der Altschülervereinigung und die Kriegsgräberfürsorge lagen ihm sehr am Herzen.

Schließlich mußte aber der ihn behandelnde Professor ihm raten, seine Lehr- und Seelsorgstätigkeit mit Rücksicht auf seine Gesundheit einzustellen. Er wirkte dann nur noch als Verwalter der Lehrerbibliothek. Zuletzt aber gestand der Arzt dem P. Rektor: "Zehn Jahre habe ich sein Herz gestützt. Jetzt geht's nicht mehr. Er kann morgen umfallen oder in einem Jahr." So wurde Münster seine letzte Station.

In P. Huthmacher haben wir einen nahezu unersetzlichen Lehrer, einen eifrigen Seelsorger, einen frommen Priester und einen geschätzten Mitbruder verloren.

R.i.p.

P. Hans Gumbel SJ

Aus der Norddeutschen Provinz, 5/1978 - Oktober, S. 83 f