Bruder Karl Kirch SJ
6. März 1966 in Münster/Westf.

Ein unverfälschtes Gewächs von der Saar war unser Br. Karl Kirch. Zu Püttlingen, der Heimat des P. Eberschweiler, wurde er am 11. März 1892 geboren. Von den 9 Kindern - 7 Jungen und 2 Mädchen - war er das 3. Kind. Besondere Ereignisse sind aus seiner Kinderzeit kaum bekannt. Denn bei der Reihe Kinder gab es nicht leicht etwas Außergewöhnliches, und bei den meisten Familien - damals gab es noch mehr kinderreiche Familien - ging es nach alter Sitte einfach und bescheiden zu. Da hatte jeder seine Arbeit in der Familiengemeinschaft. Die Freizeit gehörte dem Spiel, das manche Arten kannte. Im Klickerspiel brachten es Gebrüder Kirch durch Glück und Geschick auf eine Menge, die nach tausenden zählte. Und man wußte, auch aus kleinen Erlebnissen Freude zu schöpfen. Ob es nun eine Jagd auf Mäuse war oder der Versuch, im abgelaufenen Mühlbach Fische zu fangen. Meist waren dann mehrere mit von der Partie. Beengt wohnten die Kirchs nicht. Zum Hause gehörte auch ein Garten mit Obstbäumen, aber auch auf ihn waren die Kinder nicht eingeengt. Karl entwickelte ein besonderes Interesse, die verschiedenen Obstsorten kennenzulernen. Da war dann kein Baum zu hoch. Seine Mustersammlung wurde in Geschwistergemeinschaft probiert, und Karl galt als der beste Kenner sowohl des Reviers wie auch der Sorten. Bei einer herbstlichen Obstbaumversteigerung hätte er schon die richtigen Bäume ansteigern können. Für Winterfreuden brauchte er keine Reise in ein Wintersportgelände. Das war alles am Ort. Und ein solider Schlitten im Gemeinschaftsgebrauch der Geschwister fehlte nicht. So verging Jahr um Jahr und damit auch die Schulzeit, von der ja die Ferien bekanntlich der begehrteste Teil ist. Und welcher Junge wird schon gerne "aus der Schule" gefragt?

Ob eigener Wunsch oder Rat und Bestimmung des Vaters ihn das Schmiedehandwerk erlernen ließen? Jedenfalls ist ihm der 10-Stundentag als Lehrling sicher manchmal sauer geworden. Die ersten Groschen des selbstverdienten Geldes dagegen mögen ihn mit einem stillen Stolz erfüllt haben. Nach der Lehrzeit ging er als Schmied auf die Grube. Wenn die Jahrhundertwende auch wohl als die gute Zeit angesehen wird, das Leben war auch damals ein Kampf, und die heranwachsende Jugend blieb davon nicht verschont.

Karl hatte das Herz nicht auf der Zunge. Aber eine Mutter versteht es eben doch, ein Siegel zu brechen oder zu erweichen. Besonders dann, wenn sie im Bett ihres Jungen ein Brett findet, daß vom Bußeifer ihres Karl zeugt. Überdies muß sie den Karl besonders gern gehabt haben; und er hat ihr das Geheimnis seiner Klostergedanken eröffnet. Doch der Vater, der übrigens sehr standfest in seiner Meinung und nicht gerade gelinde in seinem Wesen war, war für die Klostergedanken seines Sohnes gar nicht zugänglich. So mußte der Beruf durch Prüfung der Geduld erhärtet werden. Dann kam der Krieg. Karl wurde Soldat und machte den Feldzug mit. Auch drei Brüder wurden eingezogen. In dieser Zeit hat er von seinem Berufsgedanken nichts mehr erwähnt. Dann kamen alle vier nach Hause. Als der Letzte aus der französischen Gefangenschaft heimkam, erklärte Karl: "Ich habe mir vorgenommen, wenn alle Brüder heil zurückkommen, gehe ich ins Kloster." Auch der Vater erkannte die Bestimmtheit des Entschlusses. Auf Anraten seines Pfarrers ging Karl nun nach Maria Laach, obgleich er mehr zu den Jesuiten neigte. Seine Schwester Barbara begleitete ihn. Mit den besten Hoffnungen und großem Eifer begann er das Ordensleben. Nach einiger Zeit wurde ihm aber erklärt, daß er den Forderungen des monastischen Lebens nicht gewachsen sei. Das war eine harte Enttäuschung für ihn. Nun legte der Schmied ein zweites Eisen ins Feuer, und es war ja eigentlich sogar das erste: das war der Gang zu den Jesuiten.

Nach eingehender Prüfung bekam er die Aufnahme durch R. P. Provinzial Kösters. Zum Peter-Faber-Haus in Bendorf am Rhein, wo damals immer einige Postulanten ihre Vorbereitungszeit auf das Noviziat zubrachten, wurde damals auch Karl Kirch beordert. Man hatte dem Br. Schröer, seinem späteren Präfekten, schon angekündigt, in der "Waldesruh" - so hieß das Haus ursprünglich - warte ein tüchtiger Schmied und Schlosser auf das Noviziat.

Mitte April 1921 kam Karl im Bonifatiushaus in 'sHeerenberg an. Novizenmeister war damals P. Bley. Als Manuduktor fungierte Br. Hillebrand, dem im Herbst dann Br. Frank folgte. Karls erste Beschäftigung dort war die Mundiz. Ob das so ganz seinen Erwartungen entsprach? Die Tagesordnung war gut ausgefüllt. Selbst am Abend waren die Brüder noch "eingeladen" zum Schuhputzen im Exerzitienhaus. Bei den anderen gemeinsamen Arbeiten hat man dem kräftigen Schmied dann gern das Kesselwaschen zugeschoben. Die Verwendung des Schmieds in der Hausreinigung dauerte fast ein Jahr; obwohl er sich auch hier seiner Aufgabe erfolgreich widmete, schien es besser, ihn wieder in seinem erlernten Beruf zu beschäftigen. Beim Militär hatte er ja außerdem noch die Prüfung als "Fahnenschmied" (Hufbeschlag) gemacht. Die zweite Prüfungszeit bei den Jesuiten hat er gut bestanden. Der Wechsel vom beschaulichen zum tätigen Orden hatte für ihn als Bruder nicht so große Bedeutung, obgleich er sich im flachen Holland noch manchmal an Maria Laach erinnerte. Auch die Liturgie hier war wohl etwas flacher...!

Die zweite Prüfungszeit stand unter dem Rektorat von P. Beiker. Im gleichen Jahr wechselte auch P. Magister Bley mit P. Sträter. Br. Kirch war für Br. Schröer eine willkommene Hilfe; denn er konnte selbständig arbeiten und war firm nicht nur in der Schmiede, sondern auch im Hartlöten, Bleilöten und Installieren. Er hatte einen handwerklich geschickten Griff und vor allem leistete er solide Arbeit. Alle größeren Arbeiten wurden im Verein mit Br. Schröer bewältigt z. B. die Vorkehrungen gegen Hochwassergefahr durch Sicherungen der Kanalabflußleitungen. Die Anlage der eigenen Wasserversorgung in Hochelten mit Druckkessel und automatischer Schaltung ist das gemeinsame Werk der beiden. Br. Kirch hat sich auch am Bau der Lourdesgrotte dort eifrig beteiligt. Ihm war auch noch die Zentralheizung übertragen. Sie verschlang im Jahr 150-200 t Koks, die im Sommer in den niederen Keller eingefahren und aufgeworfen werden mußten. An Arbeit hat es ihm nie gefehlt, und Freizeit fand er kaum. In einem Jahre wurde der Koks etwas zu groß geliefert, so daß er zum Anheizen noch zerkleinert werden mußte. Das war eine mühsame Zusatzarbeit, die viel Zeit kostete. Wenn schon Schuhputzen, Rasieren und Briefschreiben für ihn Überwindungsarbeiten waren, so war es die letzte Arbeit doch in ganz besonderer Weise. In dieser Zeit war auch die Electio fällig, und das brachte ihn arg in Bedrängnis. Wie es aber damit geworden ist, blieb unbekannt. Jedenfalls hat es nicht zu Berufsschwierigkeiten geführt.

Br. Kirch war schon "alter Bruder" als Martin Kirch ins Noviziat eintrat. Beide waren gerade eine Woche in der Spülküche beschäftigt, als ihr Manuduktor, Br. Schmitz, meinte, man solle den älteren Br. Kathedrale nennen und den jüngeren Br. Kirch. Doch das hat sich nicht durchgesetzt. Es war auch unbegründet, da Br. Karl Kirch 1925 nach Exaten versetzt wurde, um dem alten Br. Beyer zu helfen und ihn letzten Endes auch abzulösen. Exaten hatte damit eine gute Erwerbung gemacht. Br. Schröer aber hat seinen Socius sehr vermißt; denn Br. Kirch war ein Mann der zugriff, überlegt schaffte und auf Ordnung in der Werkstatt hielt.

Als das Haus in Exaten aufgegeben wurde, kam Br. Kirch nach Godesberg zum Aloisius-Kolleg, dem er mit der Unterbrechung in den Kriegsjahren bis zum Lebensende angehörte. Hier hat er seine Kräfte eingesetzt. Außerdem bildete er sich noch im autogenen Schweißen aus. An Arbeit fehlte es auch hier nie. Besonders viel Mühe verursachte die alte Wasserleitung im "Stella Rheni" und im ganzen Park mit ihren häufigen Rohrbrüchen, so daß man nach jeder Arbeit sagen konnte: "Meister, die Arbeit ist fertig, wo sollen wir jetzt flicken?" Neben größeren Arbeiten, z. B. dem Bau der Heizungsanlage im Jägerhäuschen, der Waschanlage in den Schlafsälen und den Geländern in laufenden Metern an Treppen und Schulhöfen, gab es dazwischen immer wieder all die kleinen Reparaturen an überstrapazierten Matratzen und Eisenbettstellen, an den Wasserspülkästen der Toiletten, und was sonst so alles noch bei einem hilfsbereiten Handwerker seine Zuflucht nimmt. Welcher Junge interessiert sich nicht für Technik und stiehlt sich darum bei günstiger Gelegenheit einmal in die Werkstatt? Nach einem solchen Besuch ging es im Kreis der Jungen dann rund: "Mensch, der Br. Kirch, der ist stark!" Sie hatten zugesehen, wie er eine Rundeisenstange "kalt" mit den Händen umbog.

Von Godesberg aus wurde er 1932 vorübergehend nach Köln ausgeliehen, um die hauseigene Wasserversorgung für das Canisiushaus und die Häuser in der Gabelsbergerstraße anzulegen. Was Br. Kirch an Arbeit lieferte war solid. Seine Arbeitsweise war ruhig und überlegt. Überhastete Pfuscharbeit war ihm zuwider, ebenso eine ungeordnete Werkstatt. In der Zusammenarbeit zeigte er Verständnis und Einsatz, Tugenden, die ihm bei verschiedenen Gelegenheiten nachgerühmt werden. Ein Beweis für das gute Verhältnis zu seinen Arbeitskameraden war, daß er noch längere Zeit mit ihnen in Briefverkehr blieb.

Br. Kirch besaß auch Humor. Wieder einmal mußte einem Rohrbruch auf den Grund gegangen werden. Bald war die Bruchstelle auch freigelegt. Einem hinzukommenden Mitbruder sagte er: "Alles ist mir zu eng in diesem Loch, alles ist mir im Weg. Mich dünner machen geht nicht, also muß ich das Loch weiter machen." Lächelte und ging ans Werk.

Ein anderes Mal hatte er ein großes eisernes Tor in Schmiedearbeit fertig. Als er es montiert hatte, stellte es sich heraus, daß es wohl massiv war, aber den statischen Gesetzen nicht ganz entsprach. Und als er sich das so besah, sprach er ganz ruhig und bedächtig: "Karl, Karl, das da ist kein Meisterstück." Das war ehrliches und bescheidenes Geständnis; er hat den Fehler dann meisterhaft beseitigt.

Auch in den Erholungen fehlte es ihm nicht an erbaulichem oder drolligem Gesprächsstoff, z. B. das köstliche Reiseerlebnis bei seiner Fahrt zu den Exerzitien. - Es war schon knapp mit der Zeit und Br. Kirch mußte eilen und kam etwas ins Schnaufen. Da geschah das Peinliche. Beim Einsteigen löste sich das Kofferschloß und der Inhalt lag auf dem Bahnsteig. Das mußte nun gerade ihm passieren, der so manches Kofferschloß repariert hatte. Aber ihn brachte das nicht aus der Ruhe; er suchte seine Sachen zusammen, wobei ihm drei Ordensschwestern behilflich waren. Selbst der Mann mit der roten Mütze ging nicht genau nach der Uhr voran. Dieses Erlebnis mit dem Köpferchen (Köfferchen) konnte er öfter schmunzelnd erzählen. Auch sonst hatte er immer Geschichten zu erzählen, und in seiner einfachen Art mit dem saarländischen Tonfall war er ein angenehmer Gesellschafter.

Wenn an den Festtagen abends Fusio war, konnte er bei einer Zigarre so nett und köstlich erzählen nach der Weise: "Schau nicht auf die Uhr, denn das stört ja nur." Dann ist es auch oft spät geworden, wie sich manche Fratres erinnerten. Seinem emsigen Schaffen für das Kolleg setzte die Aufhebung des Hauses durch die Nazis ein Ende. Damals mußten Wertsachen und Bücher aus unseren Häusern sichergestellt werden. Und so kam es, daß Br. Kirch und Br. Auf der Springe eines Tages mit einem Lastwagen voller Bücherkisten nach Wildenburg (an der Grenze von Siegerland und Rheinland) fuhren. Dort angekommen, mußten die Kisten mit einem Flaschenzug bis zu einem Luk hoch oben im Turm gehievt werden. Dabei verlief alles programmäßig, bis das altersschwache Seil unerwartet und plötzlich riß. Die Bücherkiste fiel aus einiger Höhe auf den Boden des Burghofes und ging dabei in Stücke. Als Br. Kirch nach dem ersten Schrecken zu sich kam und dann des Kisteninhalts ansichtig wurde (die Wertbegriffe von Archivaren und Bibliothekaren sind eigener Art), sagte er stotternd zu Br. Auf der Springe: U-und wegen d-diesem M-mumpiz (wertloses Zeug) m-mußten wir hierher f-fahren!" Was zuoberst auf dem Bücherberg zu sehen war, das waren "Mitteilungen aus den deutschen Provinzen der Gesellschaft Jesu".

Zunächst konnte er sich nun in Bonn nützlich machen, bis 1941 auch dieses Haus aufgehoben wurde. Wieder war er obdachlos. Auf Gut Rosenkranz bei Paderborn, dem Landgut, das zum Mutterhaus der Vinzentinerinnen gehört und auf dem auch P. Vollmer S J weilte, fand er ein neues Betätigungsfeld. Den Schwestern war so ein allseitig beschlagener Handwerker eine willkommene Hilfe. Vier Jahre dauerte das Exil. Nach Kriegsende zog er wieder nach Godesberg. Mit den anderen Heimkehrern setzte er nun seine Kräfte ein, das Kolleg seinem früheren Zweck wieder dienstbar zu machen. Es sah trostlos aus. Aber unverdrossen schaffte er in seiner bedächtigen und soliden Weise.

Im Jahre 1957 bekam er einen Herzinfarkt, der eine längere Krankenhausbehandlung erforderte, und später lautete die Vorschrift des Arztes: Schonung und Ruhe. Doch die aufgezwungene Muße wußte er auszufüllen, einmal durch die geistlichen Übungen und durch die Lektüre geschichtlicher Bücher, die auch einen gediegenen Stoff zur Unterhaltung mit seinen Besuchern boten. Man hatte aber außerdem bei der Untersuchung im Krankenhaus auch noch Zucker festgestellt. So war er doch arg angeschlagen. Aber langsam kam er wieder zu Kräften, so daß er leichtere Arbeiten ausführen konnte. Da man aber ein Ende für seinen Arbeitsausfall nicht absehen konnte, mußte man Umstellungen treffen, die einem Ausbooten von Br. Kirch ähnlich sahen. Das hat ihn doch etwas schockiert; denn das Untätigsein gefiel ihm gar nicht. Er fing mit leichten Arbeiten wieder an.

Doch konnte er sich über den Rückgang seiner Leistungsfähigkeit selbst nicht länger täuschen, und so sagte er schließlich selbst: "Et fluppt nit mehr so." Sein Gedächtnis war mittlerweile auch nicht mehr ganz zuverlässig. Mit einem bewundernswerten Gleichmut wußte er aber dieser Mißlichkeit zu begegnen. Ein Mitbruder gibt das mit folgenden Worten wieder. Für eine Arbeit hatte er ein notwendiges Werkzeug vergessen, und der Weg bergauf war ihm sauer und kostete Zeit. Und er: "Dat da is en dumm Ding, aber ich kann in der Wegzeit de Rosekranz beten." Das war eine glückliche, sorglose Natur, die aber wohl doch nicht in einem Tag gewachsen ist.

Seiner Zuckerkrankheit wandte er nicht die erforderliche Aufmerksamkeit zu. Er war fast naiv darin, wenn er meinte, die Diät sei nicht so wichtig, man könne ja spritzen. Das Fehlen dieser konsequenten Selbstbehandlung brachte starke Schwankungen in seinem Gesundheitszustand, die sogar in die Gefahrenzone gingen und mehrmals eine Krankenhausbehandlung notwendig machten. Schließlich wurde sein Zustand derart, daß er ständiger Pflege bedurfte. Eine Übersiedlung im Oktober 1965 nach Münster war da die beste Lösung. Jedoch hielt man sein Zimmer in Godesberg noch für ihn frei, denn er war ja schon öfter wieder zu Kräften gekommen.

Die gute ärztliche Betreuung und sorgsame Pflege, die eine rigorose Beobachtung der Diät notwendig machte, hatte nach vier Wochen einen sichtlichen Erfolg. Er konnte aufstehen und sich im Hause herumbewegen. Mitteilsam wie er war, plauderte er gern mit jedem, der ihm zuhörte, über alles, ob Handwerk oder die Godesberger Vergangenheit und die jetzigen Zeitläufe, die doch so ganz anders seien. Er hatte ja Zeit. Bald konnte er sich auch in den Garten wagen. Sein Begleiter war der Rosenkranz. Fand sich sonst ein Gesellschafter, war es ihm sehr recht.

Ein anderer schweigender Begleiter war ihm früher eine gute Zigarre, mit der er sich jetzt manchmal in verschwiegener Weise unterhielt. Und die Diät, ja mußte die denn wirklich so rücksichtslos sein? Mußte der Krankenbruder das denn immer gleich merken? Der Doktor wollte auch nicht drei gerade sein lassen. Daß auch die Gesundheit spürbare Opfer verlangt, mußte er nun am eigenen Leib erfahren. Und Bruder Kirch hat dieses Opfer, so gut es ging, gebracht. Ein anderer Schmerz aber, den wohl kaum einer geahnt hat, war sein Heimweh nach dem Kolleg in Godesberg, von dem er selbst kaum sprach. Wie ein entwurzelter Baum hatte er sich wohl mit seinem Schicksal abgefunden. Er war sehr geduldig, anspruchslos und fromm und hat in schlaflosen Zeiten manchen Rosenkranz für die armen Seelen gebetet.

Zum 85. Geburtstag von Br. Graber im Februar 1966 veranstalteten die Brüder von Haus Sentmaring ein kleines Fest, zu dem auch einige Brüder aus Ascheberg sowie Br. Schlickum aus Köln erschienen. Br. Kirch, der doch sonst gemütlich und unterhaltsam war, saß still und fast teilnahmslos dazwischen; und das war ein sicheres Zeichen des Rückgangs. Und in der Tat ging es in den folgenden Wochen auch langsam aber stetig bergab mit seinen Kräften. Am Sonntag, dem 6. März, brachte ihm der Krankenbruder zur gewohnten Zeit das Mittagessen und wünschte ihm guten Appetit. Als Br. Westermeyer nach dem ersten Tisch das Eßgeschirr holen wollte, lag Br. Kirch bewußtlos im Bett. Der sofort herbeigerufene Arzt bemühte sich um ihn. Nach einer Stunde kam Br. Kirch wieder zu Bewußtsein. Er empfing die hl. Krankensalbung. Der Arzt hielt eine sofortige Überführung ins Krankenhaus (Clemens-Hospital) für notwendig. Ob Br. Kirch sein nahes Ende fühlte, wenn er meinte, man solle ihn doch im Haus Sentmaring sterben lassen? Trotz aller ärztlichen Bemühungen ist er am gleichen Abend dem 6. März 1966, noch gestorben.

Am 9. März, zu Beginn der Brüderexerzitien, zu denen noch mehrere Brüder aus verschiedenen Häusern kamen, haben wir ihn auf unserem Friedhof in Sentmaring zu Grabe getragen.

R.i.p.

Bruder Josef Fix SJ

Mitteilungen 129, S. 183-188