P. Peter Knein SJ
11. Juli 1975 in Opatija (Jugoslawien)

Peter Maria Knein wurde am 3. Januar 1915 in Köln geboren. In Köln besuchte er bis 1935 das "Kaiser-Wilhelm-Gymnasium". Sein damaliger Direktor berichtet, daß seine Klasse nach Begabung und Haltung die beste seines Wirkens gewesen sei und sich schon damals ein befreundetes Kleeblatt späterer Theologen gebildet habe, P. Knein, Franz Biesenbach, Peter Nettekoven (später Generalvikar in Köln) und Heinrich Felder (jetzt Pfarrer an St. Markus, Rösberg). Dem Peter, dem wortgewandtesten von ihnen, habe er schon damals in einer Aussprache über Berufsberatung prophezeit, daß er, falls er bei seinem Berufsziel bleibe, wohl ein guter Missionsprediger werde. Diese Prophezeiung ging dann auch in Erfüllung. 1949 bis 1960 war er Volksmissionar zunächst in Rheine, dann in Essen und Dortmund.

Bei seinen Mitschülern hatte er als Spitznamen seinen zweiten Vornamen, "Mariechen", was ihm wohl nicht sehr behagt hat, denn später hat er ihn nicht mehr erwähnt. Bei einer Aufführung war er auch einmal als "Funkenmariechen" aufgetreten.

Nach dem Abitur trat Peter Knein im April 1935 in das Noviziat in s' Heerenberg ein und machte die Verlegung nach Hochelten mit. Die Philosophie machte er in Pullach 1937 bis 1939.

Im Arbeitsdienst, den er noch vor der Philosophie ableisten mußte, wurde der Arbeitsmann Knein ausgewählt, beim großen Parteitag in Nürnberg als linker Flügelmann vor dem Führer zu paradieren und dafür vom Vormann besonders gedrillt, damit "der Jesuit vor dem Führer eine gute Figur mache". Nun, eine gute Figur hat P. Knein immer im Leben gemacht, wenn es damals auch der Führer kaum bemerkt haben dürfte. Nicht nur in seinem Äußern, sondern in seiner ganzen Art zeigte er sich immer korrekt und vornehm. Selbst wenn er jemand "auf die Schüppe nahm", ließ sein Witz und Humor nicht die Achtung vor dem Mitbruder außer acht.

1939 bis 1941 war er Soldat (bis zum Obergefreiten hat er es gebracht) im Westen und später im Osten. Auch nach dem Kriege hat er mit den ehemaligen Kameraden Kontakt gehalten. Die Treue zu Menschen, mit denen er Beziehungen hatte, war überhaupt ein besonderer Charakterzug, und mit sichtbarem Interesse nahm er Anteil am Schicksal anderer Menschen.

Diese Eigenart hat sich in den letzten Lebensjahren besonders ausgewirkt, als er von 1967 an Leiter des Referates für Exerzitien am Generalvikariat der Diözese Münster und selbst unermüdlich in der Exerzitienseelsorge tätig war.

In seiner freundlichen, ruhigen Art hat er vielen Menschen geistliche Weisung und Ermutigung geschenkt. In einem der vielen Schreiben zu seinem Heimgang heißt es: "Ich habe ihn hoch geschätzt, sein Verstehen, seine Güte und Geduld, seine Lauterkeit, sein frohes Wesen, seine Treue. Die Begegnungen mit ihm waren Gnadenstunden". Und in einem andern heißt es: "P. Knein hielt manche Jahre in unserem Hause die Exerzitien. Wir können einen solchen Priester, der uns so vorbildliche Wegweisung gab, nicht so schnell vergessen. Eine solche Priesterpersönlichkeit scheint uns heute unersetzlich".

Doch nun zurück zu den Daten seines Lebens!
Nach seiner Entlassung vom Militär auf Grund des Führerbefehls studierte er 1941 bis 1942 in Frankfurt Theologie. Als die Obern Wind davon bekamen, daß die NS-Regierung einen Coup plante, durch den in einer Nacht alle Jesuitenscholastiker nach Theresienstadt oder sonst ein KZ eingeliefert werden sollten, entschlossen sie sich - suadente P. von Nell - kurzerhand dazu, einen Bischof zu suchen, der binnen weniger Tage die Scholastiker zu Priestern weihen sollte, damit diese anschließend als Kapläne in der Umgebung von Frankfurt verteilt in der ordentlichen Seelsorge helfen, selber aber noch als fahrende Studenten an den Vorlesungen teilnehmen könnten.
Bischof Stohr von Mainz verstand das Anliegen und erteilte in fünf Tagen die Höheren Weihen bei verschlossenen Türen in der Mainzer Seminarkirche, wobei der Tag der Priesterweihe bewußt auf den 9. November 1942 gelegt wurde, weil man wegen der Beschäftigung mit dem Nazi-Feiertag von der Gestapo eine geringere Aktivität erwartete. Wie eine Fußballmannschaft reisten die Scholastiker, den Talar im kleinen Köfferchen in Zivil nach Mainz, empfingen die Weihe und kehrten nach Sankt Georgen zurück, am andern Tage dasselbe. Schon eine Woche später waren alle Neupriester als Kapläne eingesetzt. P. Knein kam in den westfälischen Raum nach Coesfeld, wo bei einem Fliegerangriff unser Mitbruder P. Wünsche unter den Trümmern der Jakobikirche lebendig begraben wurde.

Nach dem dritten und vierten Theologiejahr 1945-1947 in Büren machte P. Knein sein Tertiat in Münster und wurde dann missionarius und operarius 1949 in Rheine, 1950 in Essen und von 1951 an in Dortmund. Von dort ging er 1960 als Superior nach Koblenz, wo er im Oktober 1963 den ersten Herzinfarkt erlitt. 1964 wurde er Rektor in Münster in Haus Sentmaring, wo er dann auch als Diözesan-Exerzitienmeister blieb. Die Letzten Gelübde hatte er am 2.2.1949 in Rheine abgelegt.

Wie andere deutsche Patres, so war auch P. Knein der Einladung der kroatischen Patres zu einem Erholungsaufenthalt in Opatija in Jugoslawien gefolgt. Er kam am 2. Juli dort an und fühlte sich im schön gelegenen Haus der Jesuitenpatres wohl. "Bin bei frohen und hilfsbereiten Mitbrüdern gut aufgehoben", schrieb er am 8. Juli. Täglich fuhr er mit einigen Mitbrüdern zum Baden an den Strand und machte auch kleine Ausflugsfahrten in die Umgebung. Es freute ihn besonders, gute Freunde aus den deutschen Ordensprovinzen zu treffen. Auch am 11. Juli fuhr P. Knein mit mehreren Patres ans Meer. Am Abend besuchte er eine folkloristische Darbietung im Park der Stadt. Gegen Mitternacht ging ein heftiges Gewitter nieder. Wie man später aus der Lage des Toten schloß, muß er am Fenster gestanden haben, als ganz nahe ein Blitz mit gewaltigem Donner einschlug und ihn ein Herzschlag traf. Am nächsten Vormittag vermißte man ihn und ließ das verschlossene Zimmer in Gegenwart von Arzt und Polizei öffnen, P. Knein lag tot vor dem Fenster auf dem Rücken, die Hände etwas über die Schultern erhoben, ein ruhiges Lächeln auf dem Gesicht. Der Arzt stellte plötzlichen Tod durch Herzversagen fest.

Er selber hat wohl mit einem Re-Infarkt gerechnet und nichts deutet seine innere Gesinnung besser als die Tatsache, daß man in seiner Brieftasche einen Zettel fand, auf dem er folgende Verse aus Is 30 geschrieben hatte:

      So spricht Gott, der Herr, der Heilige Israels:
      In der Stille und im Vertrauen liegt eure Kraft.
      Der Herr wartet darauf, euch zu begnadigen.
      Selig alle, die auf ihn warten.

R.i.p.

P. Klemens Brockmöller SJ

Aus der Provinz, Nr. 6 - November 1975, S. 62f