P. Max Köttgen SJ
31. Mai 1977

Max Köttgen wurde am 31. Juli 1899 in einer Aachener Familie als drittes von 5 Kindern geboren. Aus seinen Gymnasialjahren am Kaiser-Karl-Gymnasium wurde er 1917 zum Kriegsdienst eingezogen und machte erst nachher (1919) sein Abitur. Dann war er 5 Jahre Bankangestellter, bis er sich zum Eintritt in den Orden entschloß. Sein Noviziat begann er im September 1924 in 's-Heerenberg. Es folgten die normalen Ordensstudien in Valkenburg, unterbrochen von einem Jahr Präfektur in Godesberg (1929/30). Die Priesterweihe empfing er am 27. August 1933 in Valkenburg. Nach dem Tertiat in Münster (1934/35) war er fast 40 Jahre in unserer Pfarre St. Ignatius in Frankfurt/Main, wo er mit sichtlichem Erfolg in der Kinderseelsorge und in einem überpfarrlichen Hausangestelltenverein (mit über 200 aktiven Mitgliedern) wirkte. Für beide Arbeiten wußte er tüchtige Mitarbeiterinnen zu gewinnen. Seine Beliebtheit bei den Kindern und deren Familien und bei den Hausangestellten machte ihn sogar der Geheimen Staatspolizei verdächtig, die seine Tätigkeit bespitzeln ließ und ihn immer, wieder zu strengen Verhören bestellte.

Um ihn hier "aus der Schußlinie zu nehmen", wurde er 1934 als Kaplan nach Recklinghausen, St. Gertrud, geschickt. 1945-1949 war er Pfarrvikar in Stolzenau an der Weser. Dann kam er wieder als Kaplan an unsere Ordenspfarreien: 1949-1960 an St. Robert Bellarmin in Köln und 1961-1966 an die uns neu übertragene Altstadtpfarrei St. Peter in Köln. Dazwischen war er kurze Zeit Minister und Ökonom in unserer Niederlassung in Dortmund; aber in der Verwaltungsarbeit lag nicht seine Stärke. Auf seine Bitte wurde er 1966 als Kaplan in der Erzdiözese eingesetzt, zuerst in Euskirchen, dann in der großen Pfarre St. Severin in Köln. Hier hat er noch 7 Jahre unermüdlich mitgearbeitet, obwohl stark gehbehindert durch eine schmerzhafte Erkrankung des Hüftgelenks. Seine letzten 4 Jahre verbrachte er in unserem Altenheim in Münster, Haus Sentmaring. Dort unterzog er sich auf den Rat der Ärzte noch mit 75 Jahren einer Hüftoperation, die aber nicht den erhofften Erfolg hatte. Am 31. Mai 1977 ging er still in Gottes Frieden ein. Sein Leib wurde auf unserem Friedhof im Park von Sentmaring beigesetzt.

Das ist in kurzen Zügen der äußere Verlauf seines Lebens. Viel weniger kann ich über seinen inneren Weg sagen, obwohl ich längere Strecken seines Weges aus der Nähe miterlebt habe.
Seine ältere Schwester schrieb über seine Jugendzeit "Er war immer ein Einzelgänger... In der Familie war es ihm immer zu eng. Draußen - bei seinen Freunden vom Gymnasium - war er der Spaßvogel". Diese Eigenart hat er auch in seinen Ordensjahren nie ganz verleugnen können, wenn sie auch in milderen Formen zum Ausdruck kam. Seine Obern und Mitbrüder hatten es manchmal nicht leicht, ihn zu verstehen. Das führte gelegentlich zu Spannungen, unter denen er selber gelitten hat. Er wußte wohl auch um seine Grenzen und hatte oft gegen Mutlosigkeit und Minderwertigkeitsgefühle anzukämpfen. Nur ganz selten sprach er davon. Auch seine körperliche Behinderung durch eine asthenische Konstitution und vor allem in älteren Jahren durch Rheuma und Hüftgelenk-Arthrose hat er mit großer Geduld ertragen. Depressionen überwand er relativ schnell durch Gebet und im Gespräch mit seinem Spiritual. Man darf wohl sagen: Das ihm anvertraute "Talent" hat er nicht "vergraben", sondern bei seinen Arbeiten bereitwillig eingesetzt. Es war vor allem sein kindlicher Glaube, ein unerschütterliches Gottvertrauen und eine opferstarke Liebe. Als natürliche Ausstattung besaß er ein sanguinisches Temperament und ein im Grunde sonniges Gemüt. Kein Wunder, daß die Herzen der Kinder ihm zuflogen. Aber auch die erwachsenen Pfarrangehörigen haben ihn hochgeschätzt. Sie lobten seinen selbstlosen Einsatz und sein liebenswürdiges Wesen. Solche Urteile über ihn habe ich in Frankfurt und in Köln gehört. Ein kritischer Kölner faßte seine Anerkennung zusammen in die Worte: "P. Köttgen war ein Priester, der sich gar nichts einbildete."

R.i.p.

P. Hermann Deitmer SJ

Mitteilungen aus der Provinz, Nr. 6 November 1977, S. 91f