Anton Kuska SJ

P. Anton Kuska SJ
11. Dezember 1990 in Münster

P. Anton Kuska wurde am 9. März 1913 in Babitz, Kreis Ratibor, in Oberschlesien geboren. Seine Eltern, Wilhelm Kuska und Frau Maria, geb. Blazy, scheinen dort einen Gasthof betrieben zu haben, denn im Noviziat wurde Kuska öfter damit aufgezogen, daß er "unter dem Billardtisch" aufgewachsen sei.

Nach dem Abitur am (humanistischen Gymnasium nahm er zunächst das Theologiestudium in Breslau auf, wohl angeregt durch seinen älteren Bruder, der 1933 geweiht wurde und auch nach dem Krieg in Oberschlesien als Pfarrer geblieben ist. Anfang der 80er Jahre verstarb sein Bruder. Über die anderen Familienangehörigen ist mir nichts bekannt.

Nach vier Semestern Theologie in Breslau kam Kuska am 23.11.1936 ins Noviziat nach Mittelsteine in der Grafschaft Glatz. Novizenmeister war P. Otto Pies. 1938 ging es zum Philosophiestudium ins Berchmanskolleg nach Pullach. Vom 1. Kriegstag an bis zum 2. Januar 1942 mußte Kuska zum Militär.

Als wehrunwürdig entlassen, konnte er in Pullach die Philosophie beenden und im Herbst 1942 die Theologie in Frankfurt, Sankt Georgen beginnen. Nach der Bombardierung des Kollegs kam er 1944 nach Breslau und studierte privat weiter. Als Breslau zur Festung erklärt wurde, ging er nach Neiße; dort überrollte ihn die Front. Nach der Aussiedlung kam er wieder nach Pullach, um seine Studien zu beenden. Im Berchmanskolleg wurde er auch am 28. Juli 1946 zum Priester geweiht. 1947 kam er in die 'Ostzone', das Gebiet der Ostprovinz, und zwar nach Erfurt-Hochheim, um sich auf seine Tätigkeit als Volksmissionar vorzubereiten. Von 1948 bis 1957 gehörte er zur 'Missionsturme' in Weimar, allerdings wurde diese Tätigkeit durch das Terziat unterbrochen, das er 1952/53 in Erfurt-Hochheim bei P. Drost machte. Die Missionsarbeit lag ihm wohl sehr und hat ihn auch für später geprägt.

Er hatte noch verschiedene Stellen zu betreuen: 1957 bis 1960 war er Kaplan in Parchim/Mecklenburg und fuhr mit einem klapprigen Motorrad durch die ausgedehnte Pfarrei zu Stationsgottesdiensten und Religionsunterricht. 1960 bis 1967 war er Pfarrvikar in Sayda und Neuhausen im Erzgebirge, 1967 bis 1972 Pfarrvikar in Pillnitz und zuletzt von 1972 bis Juni 1988 Pfarrvikar in Bernstadt in der Oberlausitz.

Der Wechsel von der Kuratie Pillnitz nach Bernstadt ereignete sich so: Bischof Schaffran wollte seine Residenz vom abgelegenen Bautzen in die zentrale Großstadt Dresden verlegen, erhielt aber von den staatlichen und städtischen Behörden keine Wohnung zugewiesen. So mußte er auf eine Wohnung ausweichen, die schon der katholischen Kirche gehörte, und da erschien ihm das Pfarrhaus der Gemeinde Pillnitz als Residenz geeignet. P. Kuska wohnte eine Zeitlang noch im Haus Hoheneichen und betreute von da die Gemeinde, aber er fühlte sich sehr eingeengt und ging deswegen gern auf den Vorschlag ein, eine andere Gemeinde zu übernehmen. In Bernstadt fühlte er sich ganz wohl, die schlesische Mentalität der Leute war ihm vertraut.

Am Christ-Königs-Fest 1984 (25. 11.) erlitt er bei der Andacht in der Kirche einen Herzanfall und am 10.1.1985 erhielt er im Bezirkskrankenhaus in Görlitz einen Herzschrittmacher, an den er sich nach anfänglichen Schwierigkeiten einigermaßen gewöhnte, aber er hatte nicht mehr die frühere Schaffenskraft.

Gleichwohl blieb er noch bis zum Sommer 1988 in Bernstadt und besorgte die Gottesdienste. Nach einem kürzeren Intermezzo in Magdeburg kam er nach Münster ins Haus Sentmaring, um die letzte Destination zu erfüllen: "Orat pro Ecclesia et Societate".

P. Kuska war sehr gastfreundlich und gesellig und konnte auch kleinere Ereignisse sehr anschaulich und dramatisch erzählen. Er muß eine sehr lebbafte Phantasie gehabt haben, wobei er nicht immer zwischen Wahrheit und Dichtung zu unterscheiden vermochte. Unser Mitbruder hatte auch einen ausgeprägten Sinn für Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit, und wenn er Verdacht schöpfte, daß es da irgendwo nicht stimme, da wurde er zu einem zweiten "Michael Kohlhaas".

Es ist zu befürchten, daß er da manchmal übers Ziel schoß und Opfer seiner starken Phantasie geworden ist. Er hat sich dadurch manche Schwierigkeiten bereitet. - Nun, jetzt wird er alles im rechten Lichte sehen und versöhnt sein mit allem.

P. Kuska ist am 11. Dezember 1990 verstorben, Todesursache war Herzversagen. Am 14.12. wurde er auf dem ordenseigenen Friedhof in Münster, Haus Sentmaring, beerdigt.

R.i.p.

P. Anton Zug SJ

Aus der Norddeutschen Provinz SJ, 2/1991 März