P. Anton Lücker SJ
13. September 1979 in Münster

Zunächst sah es lediglich nach einer Routineuntersuchung aus, als P. Lücker am 8. September von Haus Sentmaring ins Klemenshospital eingeliefert wurde, am 13.September führte indes ein Atemstillstand im Gefolge eines Schlaganfalls zu seinem Tod. Seine lange Krankheit und der stetig fortschreitende Abbauprozeß fanden damit ihr Ende. Seit dem Frühling 1970 hatten sich unübersehbar Altersbeschwerden gezeigt und ihn schon damals gezwungen, sich ins Frankfurter Marienkrankenhaus zu begeben. Über dem nun in langer Krankheit nahezu unbemerkt beschlossenen Leben steht als Motto das Wort des Totenbildchens: "Treu ist Gott, durch den ihr berufen worden seid zur Gemeinschaft mit seinem Sohn Jesus Christus, unserem Herrn" (1 Kor. 1.9).

Antonius Lücker wurde am 12. Oktober 1903 in Krümel, Post Selters, geboren. Etwas von der soliden Kraft, aber auch von der unverkennbaren Zurückhaltung des Westerwälders trug er Zeit seines Lebens mit sich. Er sprach wenig über sich selbst, seine Familie, seine Heimat. Die Auskünfte der Mitbrüder sind entsprechend karg.

Im Mai 1924 meldet "Aus der Provinz" den Eintritt von 28 Novizen ins Bonifatius-Haus in 's-Heerenberg. Einer der Scholastikernovizen war "Anton Lücker aus Montabaur". Das "viele-Orte-Durchwandern" betrifft bereits den Novizen: er wird den mit P. Magister Constantin Kempf nach Exaten umziehenden "Ostnovizen" zugeschlagen. Mit ihnen gehörte er auch zur Gründungsgeneration von Mittelsteine. Sein Ausbildungsweg in der Gesellschaft wird der übliche. Zwischen die Philosophie (1926-29) und die Theologie (1932-36), beides in Valkenburg, schiebt sich ein dreijähriges Interstiz am Kolleg in Godesberg.

Die Priesterweihe empfing er am 27. 8. 1935 in Valkenburg durch Bischof W. Lemmens von Roermond. Offenkundig schon in den Studien zeigte sich seine Hinneigung zum Dienst des Missionars und Predigers, Aufgaben, die sein Leben bestimmen und seine Eigenart prägen sollten. So schickte man ihn im Anschluß an das Terziat, das er in Münster unter P. Walter Sierp machte, nach Essen in das Seminarium homileticum, dem P. Friedrich Vorspel als Direktor vorstand und bei dem P. Jakob Nötges als Professor wirkte. Mit-Biennisten waren die Patres B. Determann, J. Heyer und W. Weymann. In den Jahren 1939-1941 war es ihm dann vergönnt, von Essen und Dortmund aus zu praktizieren, Missionen und Jugendwochen zu halten.

Von Mai 1941 bis März 1943 war er eingezogen; der Wehrdienst führte ihn von Bonn über Kupferdreh bis Braunschweig. Nach der Entlassung nahm er wieder die Jugendwöchnerarbeit auf und durchzog von Dortmund aus den Bereich der Diözese Osnabrück. Er wechselte dann nach Sorsum, von wo aus er Religiöse Wochen im Bereich der Diözese Hildesheim hielt. 1946-49 gehörte er zur Missionsresidenz in Rheine. Nach deren Auflösung bezog er sein Standquartier in der Stolzestraße Köln. Als Präfectus Missionum - er blieb dies bis 1960 - oblag es ihm, Einsätze zu dirigieren, Termine abzustimmen, die zunehmend schwieriger sich gestaltende Arbeit durchzuhalten. Von Mai 1956-1962 war er Superior in Essen, anschließend bis 1966 in Trier. Diese Ämter und Aufgaben, zu denen noch von November 1955 bis Juli 1961 die des Provinzkonsultors hinzukam, belasteten ihn mehr als man ihm anmerkte.

Der Niedergang der Volksmission war ein schwerer Schlag für ihn. Vielleicht lagen hier die Gründe für sein vorschnelles Altern. Die Kräfte waren verbraucht. 1966-68 gehörte er als Operarius dem Haus in Koblenz an. 1968 übernahm er Pfarraufgaben in Bad Homburg, mußte aber 1970 für ein knappes Jahr ins Marienkrankenhaus/Frankfurt. Dort erholte er sich so weit, daß er ab April 1971 als Hausgeistlicher nach Polch gehen konnte. Dieser Tätigkeit versuchte er, mit viel Sorgfalt und Mühen gerecht zu werden. Sein Gesundheitszustand ließ es schließlich im Spätwinter 1976 geraten erscheinen, ihn nach Münster ins Altersheim zu bringen.

Gleichsam wie ein Aufflackern und wie Erinnerungen an die große Zeit des leidenschaftlichen Seelsorgers und Verkünders des Evangeliums war es, wenn es ihn in Haus Sentmaring nicht mehr hielt und er weg wollte, wenn er Stola, Regelbuch und Ordenskreuz ergriff, um Mission zu halten und den Menschen zu predigen. Möge er Gott, der ihn nun heimgerufen hat, als den getreuen Gott erfahren.

R.i.p.

P. Karl Heinz Fischer SJ

Aus der Norddeutschen Provinz, 5/1979 - Oktober, S. 93f