Nikolaus Mangeot SJ

P. Nikolaus Mangeot SJ
* 12. Juli 1889
15. September 1971

Er starb am 15. 9. 1971, um 0.15 Uhr, in Münster, Haus Sentmaring. Im Dezember 1968 war ihm wegen schweren Altersbrandes (Gangräne) das rechte Bein oberhalb des Knies amputiert worden. Seitdem war er an das Krankenzimmer gebunden und ganz und gar auf die Hilfe anderer angewiesen. Anfangs hat er gehofft, mit Hilfe einer Prothese doch noch bald wieder gehen und reisen zu können, bis er einsah, daß auch das nicht mehr möglich war, zumal auch der andere Fuß schon angefangen hatte, brandig zu werden und ständig verbunden werden mußte. Das war für sein lebhaftes Temperament und bei seinem Drang zu apostolischen Fahrten kein leichtes Opfer. Aber er hat die schweren Jahre mit all den Entbehrungen, Schmerzen und peinlichen Verdemütigungen durchgestanden ohne jemals zu klagen und zeigte stets eine große Dankbarkeit für alle Hilfe, die ihm geboten wurde. Wenn er sich früher oft im Scherz den "Berufsaszeten" nannte, so hat er hier gezeigt, daß in ihm ein tiefer Kern echter Aszese und übernatürlicher Hingabe an den Willen Gottes steckte. In den letzten Monaten machte ihm dann auch noch eine starke Altersverschleimung der Bronchien zu schaffen, die schließlich in eine Lungenentzündung überging und so das Ende seiner Leidenszeit herbeiführte. Ruhig und friedlich ist er hinübergegangen in die Ewigkeit.

Am 12. 7. 1889 wurde er zu Saarlouis geboren, in einer frommen, treukatholischen Gärtnerfamilie. Der Vater starb sehr früh. Ebenso sein einziger Bruder. Von den 4 Schwestern waren zwei Lehrerinnen und eine Ordensfrau bei den Borromäerinnen. Am 27.4.1908 trat er in Exaten in die Gesellschaft Jesu ein. Sein Juniorat machte er in Feldkirch, die Philosophie in Valkenburg. 1915-18 war er als Sanitäter im Felde tätig. Ein schwerer Anfall von Flecktyphus brachte ihn 1916 an den Rand des Grabes. Die Theologie machte er zum größten Teil in Innsbruck, von wo aus er am 11.6.1922 in Feldkirch zum Priester geweiht wurde. Nach dem Terziat wirkte er viele Jahre unermüdlich als Operarius, Missionar und Exerzitienmeister. 1933-41 war er Spiritual im Hildesheimer Priesterseminar. 1957 kam er nach Münster, von wo aus er mit Einsatz seiner letzten Kräfte noch tätig war, bis ihm sein Leiden jede Außenarbeit unmöglich machte.

P. Mangeot war in mancher Beziehung hochbegabt. Er hatte ein hervorragendes Gedächtnis für Sprachen, Literatur und Geschichte. Bis in sein Alter hinein machte er mit Leichtigkeit lateinische, griechische und auch deutsche Gedichte. Er war Mitarbeiter an mehreren Zeitschriften zur Pflege der lateinischen Sprache. Von den Erzeugnissen seiner Arbeit hat er nichts aufbewahrt. Die Beleg- und Autorenexemplare, die er bekam, hat er entweder gleich verschenkt oder in den Papierkorb geworfen. Lateinische Gedichte und Hymnen, große Stücke aus Homer, Deutsche Balladen usw. konnte er noch bis kurz vor seinem Tode auswendig deklamieren. Eine besondere Vorliebe hatte er für Mystik und die Randgebiete der Mystik sowie für die dunklen Seiten der Welt- und Kirchengeschichte, vielleicht nicht immer mit der nötigen Unterscheidungsgabe. Bei den Mitbrüdern war er beliebt, da er überall beitrug zu lebhafter Unterhaltung und gehobener Stimmung. Daß er dabei oft von starken Kopfschmerzen und tiefen Depressionen gequält wurde, hat er nur wenigen verraten. Die "dunklen Mächte" und "die da unten", die ihm und andern nach seiner Meinung so viel zu schaffen machten, hat er nun glücklich überwunden.

R.i.p.

P. W. Wesseling SJ

Aus der Provinz, Nr.8, Oktober 1971, S.230f