Bruder Hermann Mergenschröer SJ
2. Juni 1990 in Münster

Als Br. Hermann Mergenschröer im November 1982 nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus P. Provinzial bei der Visite bat, ihn in den "Ruhestand", d. h. nach Münster ins ordenseigene Altenheim zu versetzen, war es nicht nur die Einsicht über seinen Gesundheitszustand, sondern Mut, ja Demut, die sich nicht scheute, sich ins Unvermeidliche zu fügen, es bewußt anzunehmen, wenn er nicht mehr, wie gewohnt, schaffen konnte, die langjährige liebgewonnene Arbeit endgültig aufzugeben. So kam er im Dezember 1982 nach Haus Sentmaring in Münster.

Br. Mergenschröer war als zehntes von elf Kindern am 24. November 1904 in Hörstel bei Rheine geboren. Er wuchs in einem von echten christlichen Geist geprägten Elternhaus auf, dem er, wie er selbst später sagen konnte, nächst Gott vor allem den Beruf als Ordensmann verdankte.

Nach der Volksschule entschloß sich der lebensfrohe Hermann, ein solides Handwerk zu lernen, er wollte Schuhmacher werden. So begann er in Stadtlohn eine Lehre als Schuhmacherlehrling mit dem Abschluß der Gesellenprüfung.

Die Wende in seinem Leben trat ein anläßlich einer religiösen Woche in Stadtlohn. Er wurde sich bewußt, daß Gott ihn zu etwas anderem berufen hatte. Er entschloß sich, Ordensbruder bei der Gesellschaft Jesu zu werden und trat am 6. April 1924 in das Noviziat in 's-Heerenberg (Holland) bei Emmerich ein.

Nach der Zeit der Prüfung, die für ihn selbst und auch den Orden die notwendige Klarheit und Festigkeit erweisen sollte, legte er am Fest Mariä Lichtmeß (2. Februar 1935) im Ignatiuskolleg in Valkenburg (Holland) seine letzten Gelübde ab.


Br. Mergenschröer in seiner Schuhmacherei in Valkenburg

Hier wirkte er zunächst als gelernter, erfahrener Handwerker - Meister seines Fachs. Er war sich stets bewußt, daß seine Mitbrüder durch seine Kunst mit solidem Schuhwerk auf echten Sohlen in der Welt auftreten konnten. Aber auch zu anderen Aufgaben war 'er bereit. So konnten ihm die Oberen die Pflege der Kranken anvertrauen.

Da die Ortsveränderung im Leben eines Jesuiten nichts Ungewöhnliches ist, so war Br. Mergenschröer in verschiedenen Häusern der Westprovinz tätig. Im Ignatiuskolleg in Valkenburg, dann in Trier, dann wieder in Valkenburg bis zur Aufhebung des Hauses durch die Gestapo im Jahre 1942.

Am 8. Dezember desselben Jahres mußte Br. Mergenschröer dann erleben, daß eine andere Welt nach ihm griff: Er wurde zu aktivem Militärdienst eingezogen. Gegen Kriegsende geriet er in Jugoslawien in Kriegsgefangenschaft, aus der er erst am 8. Dezember 1948 entlassen wurde. Er hat diese harte Zeit überstanden, blieb der an Leib und Seele gesunde Jesuitenbruder.

Nach diesen schweren Jahren beriefen ihn die Oberen zunächst ins Noviziat Burg Eringerfeld bei Lippstadt. Anschließend war er in Köln und schließlich für viele Jahre im Aloisiuskolleg in Bad Godesberg.

Wieder an einem 8. Dezember, im Jahre 1982, übersiedelte er nach Münster ins Altenheim Haus Sentmaring. Ein schweres Leiden an der Speiseröhre war ein letztes Opfer, das ihn reifen ließ für die letzte "Destination", die Gott selbst für den Menschen vollzieht. Nach seinen eigenen Worten wollte er Gott seine Krankheit aufopfern für die Gesellschaft Jesu und für die Kirche in den Nöten unserer Zeit. Nachdem ihm auf eigenen Wunsch die Krankensalbung gespendet wurde, kehrte er heim ins Haus Gottes. Er starb am 2. Juni 1990, am Vorabend des Hohen Pfingstfestes. Die letzte Ruhestatt fand er am 6. Juni 1990 auf dem Friedhof im Park des Hauses Sentmaring.

R.i.p.

P. Heinrich Thurn SJ

Aus der Norddeutschen Provinz, 2/1991 - März, S. 46f