Bruder Friedrich Mescheder SJ
* 8. August 1911    6. Mai 2001
Eintritt 1931 - Letzte Gelübde 1942

Friedrich Mescheder kam von der Sieg. Wenige Kilometer unterhalb der Stadt Siegen wurde er am 8. August 1911 in Brachbach geboren. In ihm sahen wir viele Eigenschaften der Menschen dieser Landschaft zwischen Sauerland und Westerwald verkörpert: Munter und aufgeschlossen stand er im täglichen Leben, hatte einen praktischen Sinn für das Notwendige, und viele schöne Dinge wie Geselligkeit, Musik und Sport begleiteten und stärkten ihn. Seine größte Kraft war seine tiefe Gottverbundenheit.

Nach Schule und Gesellenprüfung als Schneider machte sich Fritz im Januar 1931 auf den Weg ins Noviziat nach s'-Heerenberg. Das Ignatiusfest 1933 war der Tag seiner Ersten Gelübde, und bis zur Einberufung als Soldat arbeitete er in der Schneiderei des Noviziates. Exakt 30 seiner 70 Ordensjahre war er Schneider: In Hochelten, Eringerfeld, Ascheberg und Köln.

Von ihm selbst haben wir öfter gehört, wie er in der Nacht vor dem Einmarsch nach Russland bei Brest unmittelbar an der Grenze lag, den allerletzten Getreidezug über die Eisenbahnbrücke rumpeln sah, zu den Soldaten auf den russischen Beobachtungstürmen aufschaute, die es am kommenden Morgen wohl als erste erwischen würde. Als Gefreiter kehrte er noch 1941 in die Heimat zurück und verbrachte die restlichen Kriegsjahre im Vinzenzkrankenhaus in Paderborn. Mit dem staatlichen Krankenpflegeexamen stellte er eine Weiche für sein späteres Leben. 1969 holte ihn der Orden aus der Schneiderei und übertrug ihm die Leitung der Pflegeabteilung in unserem Altenheim in Münster. Seine ruhige Nüchternheit hat ihm bei der Erfüllung dieser Aufgabe gewiss geholfen, wir wissen aber auch, wie ihm diese Arbeit sehr zugesetzt hat, zumal er an vielen schweren Tagen mit Br. Derichs ganz allein in der Station war. Zahlreichen Mitbrüdern hat er in den letzten Stunden beigestanden und ihnen die Augen geschlossen.

1978 kam der erlösende Ruf nach Köln. Über diese Jahre schreibt Bruder Bernward Beelte: "Er sorgte für die Pforte und die Sakristei. Bruder Mescheder war kein Einzelgänger, er liebte es in der Gemeinschaft zu sein. Ihm war es immer eine Freude, wenn wir montags und mittwochs zum Schwimmen fahren konnten, ins 'Zölibad' im Priesterseminar. Bei den anderen Gästen war er beliebt, er plauderte gern und war der 'schmale Fritz' im Gegensatz zum 'alten Fritz' Bruder Barbian. Hatten wir Gäste im Canisiushaus, machte er gern den Stadtführer und wusste viel zu berichten und zu erklären. Der begeisterte Fußballfreund konnte sich bei der Übertragung der Spiele im Fernsehen heftig ereifern. Am Karfreitag nahm er regelmäßig am Kreuzweg im Dom teil. Er berichtete ergreifend, wie der jeweilige Kardinal diesen Kreuzweg gebetet hatte. Auch bei der Bußwallfahrt der Männer war er immer dabei. Er war ein Beter vor dem Herrn."

P. Franz-Anton Neyer schreibt in seinem Kondolenzbrief: "Oft, wenn ich von der anderen Seite der Welt ins Canisiushaus kam, erfreute mich sein Willkommensgruß - unaufdringlich, von Herzen." So war er: Absolut zuverlässig, immer wachsam, mit dem Herzen bei der Sache. Für die Brüdermesse am Sonntagmorgen suchte er die Lieder aus, und die Angehörigen berichten: "Am zweiten Weihnachtstage konnte er von Köln aus immer im großen Familienkreise dabei sein, dann wurde kräftig gesungen."

1994 nahm er das Angebot an, nun als Ruheständler nach Münster zu kommen. Sieben Jahre lebte er als frohgemuter, liebenswerter Mitbruder in Haus Sentmaring. Die Pflegestation sah er lediglich als Gast, wenn er die Kranken besuchte. Bei der Liturgie, als Sakristan und in der Bügelkammer brachte er sich kräftig ein, war der Bruder Mescheder, wie alle ihn von früher kannten: Zuverlässig und gewissenhaft in der Pflicht, ein froher Geselle in der Erholung. Wie seit dem Noviziat gewohnt begann sein Tag in aller Frühe mit Visite und Betrachtung, war in vielen festen Punkten mit dem Herrn verbunden und endete am Abend nach der Tagesschau mit dem "Punktemachen" für den kommenden Morgen.

Es war ihm geschenkt, auch die letzten Tage in diesem Rhythmus zu verbringen. Am Sonntag des Guten Hirten holte ihn der Herr, für uns ganz plötzlich, für ihn gar nicht unerwartet, heim. Weit über seinen Begräbnistag am 10. Mai auf unserem Friedhof war er in unseren Gedanken und Gesprächen noch bei uns.

Br. Mescheder liegt begraben auf dem Ordensfriedhof in Haus Sentmaring in Münster.

R.i.p.

P. Fitz Abel SJ

Jesuiten-Nachrufe 2001, S. 33f