Bruder Bernard Ossenkopp SJ
* 28. Oktober 1915 in Söhre, Kreis Hildesheim
10. Oktober 1997 in Münster

Bruder Bernard Ossenkopp entstammt einer Handwerkerfamilie. Er war der jüngste von fünf Brüdern. Söhre ist ein katholisch geprägtes Dorf des Stiftes Hildesheim von niedersächsischer Lebensart. Zeit seines Lebens hat sich Br. Ossenkopp eine außergewöhnliche Heimatliebe bewahrt und sich nicht gescheut, diese ständig zum Ausdruck zu bringen. Die Hildesheimer Kirchenzeitung war sein Leib- und Seelenblatt. Wenn einmal eine Ausgabe ausblieb oder verspätet kam, mußte der Verlag mit einer Mahnung rechnen. Bei lebhaften Frühstücksgesprächen, zumal, wenn noch ein Landsmann dabei war, standen Ereignisse von Hannover oder Hildesheim im Mittelpunkt. Während meines Lebens ist mir nie ein anderer Mitbruder mit einer so ausgeprägten Heimatliebe begegnet.

Nach Abschluß seiner Volksschulzeit hat Bernard in Hildesheim das Tischlerhandwerk erlernt und mit seiner Gesellenprüfung abgeschlossen. Lange konnte Bernard nicht als Tischlergeselle arbeiten, denn bereits im Jahre 1937 mußte er zum Reichsarbeitsdienst, und im Anschluß daran trat er seinen aktiven Wehrdienst bei der Luftwaffe an. Während des Krieges tat er Dienst bei einer Flakscheinwerfer-Abteilung.

Wohl bereits während seiner Lehrzeit verspürte Bernard seinen Ordensberuf. Der Grund dafür war sicher in seiner christlichen Familie gelegt worden. Eine religiöse Woche bei P. Joseph Offergeld hat ihn wohl darin bestärkt. Die Berufsentscheidung fiel bei Rekrutenexerzitien, die er bei P. Josef Schütte mitmachte. Noch als Soldat, im Jahre 1940, besuchte er das Provinzialat in Köln und erhielt dort bereits seine Aufnahmebestätigung. Mir ist dieser Besuch in besonders guter Erinnerung geblieben. Ich wohnte damals im Canisiushaus, und habe ihn bei seinem Besuch betreut. Als ich ihn schließlich zum Hauptbahnhof in Köln begleitete und wir bereits auf dem Bahnsteig waren, machte sich der Zug ohne ihn davon ...

Br. Ossenkopp ahnte damals wohl noch nicht, daß er mehr als zehn Jahre auf den Eintritt in den Orden warten mußte. Daß er aber in dieser langen Zeit an seinem Entschluß festhielt, verdient höchste Anerkennung. Während der Kriegszeit wurde er auf der Krim eingesetzt, mußte dann aber ein ganzes Jahr wegen Beschwerden in den Beinen in einem Lazarett in Prag zubringen. Als er wieder hergestellt war, machte er seinen Dienst weiter in Krems, Wien und Budapest, bis er in amerikanische Kriegsgefangenschaft geriet. Damit hat seine Soldatenzeit acht Jahre gedauert. Nach seiner Entlassung konnte er seine an der Gicht leidende Mutter nicht verlassen, und er hat sie bis zu ihrem Sterben im Jahr 1951 gepflegt. Danach war er frei, und er hat im Oktober 1951 in Eringerfeld sein Postulat begonnen.

Bis zum Jahre 1954 blieb Br. Ossenkopp in Eringerfeld, bis er nach Frankfurt versetzt wurde. In Sankt Georgen war er zwei Jahre als Schreiner tätig, bis er für drei Jahre nach Köln kam; hier war er in der Krankenpflege für unsere alten Mitbrüder tätig. Im Jahre 1959 kehrte er nach St. Georgen zurück, als zweiter Pförtner und Schreiner. Da die Schreinerei aber bereits mit drei Brüdern besetzt war, konnte er sich im Haus mit handwerklichen Arbeiten nützlich machen. Im Februar 1964 kam er nach Münster, wo er bis zu seinem Sterben verbleiben sollte. In Haus Sentmaring übernahm er die Mundiz, sorgte für Sakristei und Refektor. Darüber hinaus richtete er sich eine kleine Schreinerei ein. So hat er lange Jahre hindurch dem Haus nützliche Dienste geleistet.

Es liegt ein ärztliches Attest vor, in dem Br. Ossenkopp seit 1986 eine Behandlung wegen einer Polyarthrose bescheinigt wird. "Es handelt sich hierbei um einen Verschleiß in den großen Gelenken, insbesondere in den Hüft- und Schultergelenken." Man sah es Br. Ossenkopp an, daß er sich in seinen Bewegungen sehr schwer tat. So mußte er sich in den letzten Jahren ganz auf den Dienst als Sakristan beschränken. Diese Aufgabe erfüllte er mit großer Gewissenhaftigkeit. Die Kapellen und Sakristeien, Geräte und Kleidung, waren sauber und gepflegt.

In den letzten Monaten wurde Br. Ossenkopp von seinen Arbeiten noch weiter entlastet, bis er etwa 14 Tage vor seinem Sterben das Krankenhaus aufsuchen mußte. Zunächst litt er an Atemnot, bis ein Lungenkrebs seinen Tod herbeiführte.

An Br. Ossenkopp hatten wir einen bescheidenen und anspruchslosen Mitbruder, einen Ordensmann, der korrekt und treu seiner Berufung lebte.
Aus einem Lied zu Ehren des Heiligen Bruder Alphons fällt mir ein Vers ein:

"...drum führte der Herr dich himmelan,
weil du Kleines mit großer Liebe getan."

R.i.p.

Bruder Fritz Wellner SJ

Aus der Norddeutschen Provinz, 1/1998 - Februar, S 10f