P. Heinrich Quirl SJ
* 25. Dezember 1909 in Köln
17. September 1992 in Münster

Seine Eltern, der Postschaffner Jodokus Quirl und Elisabeth, geborene Borsch, haben acht Kinder großgebracht. Heinrich hat uns berichtet, daß sein Vater ein strammes Regiment geführt hat. Mülheim, heute Köln-Mülheim, ist seine Heimat, und da darf man getrost mit 'Heidewitzka' an die 'Möllemer Böötscher' denken. Von seinen Hannoverschen Konvertiten wird vermerkt, daß P. Quirl stets froh war und Sinn für Humor zeigte.

Es muß vermutet werden, daß bei Familie Quirl die Gottesfurcht nicht ausschließlich "von hinterwärts in's Kinderherz gekommen ist". Nein, das würde zu Verdrossenheit führen. Es ist eine echte Frömmigkeit gewesen, dafür zeugt mit Heinrich sein acht Jahre älterer Bruder Peter, der wiederum acht Jahre vor Heinrich Jesuit geworden ist.

Das 'Nostrae vocationis est diversa loca peragrare' hat Heinrich Quirl reichlich in seinem Jesuitenleben erprobt, wenn nicht erlitten. Seine Laufbahn nennt für sein Noviziat von 1930-1932 s'-Heerenberg, für sein Philosophiestudium von 1932-1935 Valkenburg und für sein Interstiz von 1935-1937 Bad Godesberg. Damals hatte die Niederdeutsche Provinz Devisenprobleme mit ihren Häusern in Holland. Exaten und Sittard war schon in den 20er Jahren abgegeben, 's-Heerenberg 1936 und für Valkenburg gab es noch keine entsprechende Lösung. In dieser Situation waren es die Jesuitenprovinziäle in Argentinien und Brasilien, die für etliche unserer Scholastiker Studienplätze bereitstellten. So kam Heinrich Quirl im Anschluß an sein Interstiz zum Theologiestudium nach San Miguel in Argentinien und wurde am 23. Dezember 1939 in Buenos Aires zum Priester geweiht.

Nach Beendigung des Theologiestudiums hieß es wieder auf Reisen gehen: 1940 für ein Jahr nach Uruguay in die Stadt Youno, wo er als Operarius für ein gutes Jahr wirkte. Mit gleichem Auftrag ging es nach Mendoza in Argentinien. Sein Tertiat machte er 1944/45 in Córdoba.

Mit Fug und Recht kann man sagen: Mit der Destination am Ende des Tertiats begannen für P. Heinrich Quirl die 'Flitterwochen, -monate, ja -jahre' seines Priestertums. Er kam als Seelsorger nach Villa Carlos Paz in Argentinien und blieb fast 12 Jahre dort. Freunde aus Carlos Paz berichteten, diese heute wunderschöne Ferienstadt sei zu P. Quirls Zeiten ein kleines Dorf gewesen. Er habe dort eine Kirche gebaut und ein geordnetes Pfarrleben eingeführt. Das besagt auch eine Gedenktafel, die auf dem Platz vor der Kirche für ihn angebracht ist.

Bestimmt ist es ein wenig südländischer Überschwang, wenn wir in einem Brief aus Córdoba vom 6. Oktober 1992 lesen: "Durch seine tiefe Gottes- und Nächstenliebe war er unserem Leben Vorbild. Wie ein Leuchtturm wies er und beleuchtete er unseren Weg zum Heil allen, die ihn kannten und seine Freundschaft besaßen."

Wir Mitbrüder bekamen von P. Quirl nur karge Notiz über seine Zeit in Argentinien. Ab und zu fiel einmal die Bemerkung, daß ihm die Zeit als Pfarrer von Carlos Paz Freude gemacht hat, daß er sozusagen im Sattel zu Hause war, weil er anders die im Umkreis wohnenden Pfarrkinder nicht erreichen konnte. Man spürte, ein Stück seines Herzens hat er dort gelassen.

1956 wurde er in seine Heimatprovinz zurückgerufen, wo er verschiedene kurzzeitige Tätigkeiten übernahm, die häufige Ortswechsel mit sich brachten: einige Monate als Operarius in Eringerfeld, ein Jahr als Operarius und Beichtvater in Bad Godesberg, Ende 1957 bis 1959 Minister in Hamburg im Schlump und zwei Jahre lang Religionslehrer in Lübeck.

Die zweite Hohe Zeit seines Lebens in der Erfüllung seines Priestertums kam im Oktober 1962, als er in der Nachfolge von P. Josef Schütte als Minister in das Friedrich-Spee-Haus nach Hannover kam. Die Kataloge der Jahre weisen ihn als Minister, Oeconomus, Praefectus valetudinis, Confessarius domus et in sacello, auch als Confessarius nostrorum in Göttingen und als Operarius aus. Später wird er als Synodalrichter am Offizialat des Bistums Hildesheim vermerkt. Aber das wichtigste war und blieb in seiner Hannoverschen Zeit das 'Curam agit neoconversorum'. Diese Arbeit mit und für seine Konvertiten war es auch, die ihn in Hannover festhielt, als unsere Residenz der damaligen Ostdeutschen Provinz inkorporiert wurde. Bis 1986 konnte er in dieser Tätigkeit verbleiben. Dann zwangen ihn die starken Schmerzen in beiden Beinen kürzerzutreten. Damit war er wohl das Opfer seiner Leidenschaft für eine gute Zigarre geworden.

Aus dem Jahre 1972 liegt uns ein Tätigkeitsbericht vor, den P. Heinrich Quirl über seine Arbeit mit den Konvertiten verfaßt hat. Darin lesen wir unter anderem: "Im November 1962 übernahm ich von meinem Vorgänger P. Josef Schütte SJ diesen Arbeitsbereich. Dieser hatte durch Eigeninitiative die Konvertitenseelsorge zu einem Zentrum ausgebaut. Ich führte diese Arbeiten weiter und konnte in den fast zehn Jahren 218 Konvertiten aufnehmen, 20 Erwachsenentaufen spenden und 7 Personen wieder in die Kirche aufnehmen." Im allgemeinen erfolgte der Unterricht in Gruppengesprächen; je nach den Umständen gab P. Quirl aber auch Einzelstunden.

Im Bericht fährt er fort: "Da monatlich in unserer Kirchenzeitung auf die Informationsmöglichkeit und die Kurse hingewiesen wird, kommen nicht wenige, auch suchende Katholiken, daraufhin zu mir. Die meisten aber werden von Pfarrern aufmerksam gemacht und zu mir geschickt."

P. Quirl ließ es nicht bei dem Unterricht mit seinem Abschluß durch Übertritt oder Wiederversöhnung bewenden. Sein Kontakt zu den Familien riß nicht ab, zumal er in der Regel die Ehepartner zum Unterricht mit einlud. Alle zwei Monate fand eine gemeinsame Eucharistiefeier in unserer Herz-Jesu-Kapelle statt und anschließend ein Abend mit Gesprächen über Glaube und Leben der Kirche. Es gab auch Familienausflüge in die weitere Umgebung und im Januar eine nachweihnachtliche Feier. Alle zwei Jahre war die Vorbereitung auf die besondere Firmspendung an seine Konvertiten. Für den damaligen Bischofsvikar in Hannover, Weihbischof Pachowiak, und die Firmlinge war das anschließende Plauderstündchen eine besondere Freude.

Unter den Mitbrüdern war P. Heinrich Quirl eher sachlich bis spröde. Er ließ sich nur selten aus der Reserve locken. Aber unter seinen Konvertiten taute er auf. Ihr Urteil: "Der aufrechte und mitfühlende, strenge und freundschaftliche, arbeitsame und bescheidene Priester, von dem man getröstet nach Hause ging."

Sein Weg nach Hause begann 1988, kurz bevor er am 23. Januar ins Haus Sentmaring übersiedelte, vier Jahre eines Verlöschens mit vielen Schmerzen. Oft genug tönte sein Schrei über den Vorplatz des Noviziats hinweg, und es war nicht auszumachen, ob es ein Schmerzensschrei war. In der letzten Zeit konnte er keinen Kontakt mehr mit Besuchern aufnehmen. Aber es ist mir mit Gitarrenbegleitung gelungen, ihn zum Mitträllern eines Liedes wie etwa "Wir lieben die Stürme ..." zu veranlassen. In vergangenen Zeiten hatte er gerne und gut zur Gitarre gesungen.

Am Abend des 17. September 1992 ist er ganz still in die ewige Erlösung eingegangen.

R.i.p.

P. Franz Schilling SJ

Aus der Norddeutschen Provinz, 2/1994 - März, S.51ff