P. Peter Quirl SJ
29. Juni 1985 in Münster

Als P. Peter Quirl seinen irdischen Lauf vollendete, feierte die Kirche das Fest der Apostel Peter und Paul, zugleich war es sein Namenstag, der 29. Juni 1985.

P. Quirl stammte aus einer großen Familie; seine Eltern, Jodokus Quirl und Elisabeth geb. Borsch, hatten acht Kinder, von denen Peter der Älteste war. Am 17. November 1901 wurde er in Köln-Nippes geboren und am 24. November in der dortigen Pfarrkirche St. Marien getauft. Bei der großen Kinderschar und angesichts des bescheidenen Einkommens des Vaters - er war Postbote - sahen sich die Eltern außerstande, ihren Kindern materielle Güter mitzugeben; dafür vermittelten sie ihnen einen tiefen, lebendigen Glauben. Wie die anderen. Kinder besuchte Peter die Volksschule. Bald fiel dem Pfarrer dessen Begabung auf. Er sprach die Eltern daraufhin an und riet ihnen, ihren Sohn aufs Gymnasium zu schicken. Trotz der angespannten finanziellen Lage stimmten beide Elternteile zu. Ja, die Mutter, die als Weißwäscherin zum Unterhalt der Familie beitrug, fügte hinzu: "Ich werde noch zusätzlich (d.h. nachts) arbeiten." Wenn P. Quirl später darauf zu sprechen kam, konnte er nur mit Mühe seine Ergriffenheit verbergen. Er erhielt privaten Lateinunterricht mit dem Erfolg, daß er beim Eintritt ins Gymnasium gleich zwei Klassen überspringen konnte. Dieser ein wenig ungewöhnliche Beginn seines Lebensweges läßt bereits erkennen, daß ihm nichts geschenkt wurde und er sich alles zu erkämpfen hatte. Vielleicht hat hier eine gewisse Unduldsamkeit, Härte und Hartnäckigkeit ihre Wurzel, die ihm selbst und anderen zeitlebens zu schaffen machten.

Der Weg in die Gesellschaft Jesu scheint maßgeblich durch die Zugehörigkeit zum 1919 gegründeten Bund 'Neudeutschland' gefördert, wenn nicht gar geweckt worden zu sein. Zu den Patres Geier und Grauvogel hatte P. Quirl engen Kontakt.

Am 25. April 1922 trat P. Quirl in das Noviziat in 's-Heerenberg ein, dessen Novizenmeister damals P. Paul Sträter war. Die philosophischen Studien folgten im Ignatiuskolleg in Valkenburg (1924-27). Daran schloß sich von 1927-29 die Tätigkeit als Erzieher am Bischöflichen Seminar in Mariaschein in Böhmen an. Einer seiner damaligen Schüler, Pfarrer Joh. Nep. Scherling aus Tegernsee, schildert ihn als 'eine ziemliche Respektsperson mit einem goldenen Herzen'.

Zum Studium der Theologie kehrte P. Quirl 1929 nach Valkenburg zurück, allerdings nur für ein Jahr. Die restlichen drei Jahre studierte er in Innsbruck. Die Priesterweihe empfing er am 27. August 1932 in Valkenburg. Das Terziat macht P. Quirl 1933/34 unter der Leitung von P. Walter Sierp im Hause Sentmaring in Münster. Nach dessen Abschluß erhielt er die Versetzung nach Bonn, um in der dortigen Männer-MC mitzuarbeiten. Bereits wenige Monate später, im November 1934, kommt er nach Köln, um als Mitarbeiter von P. Spieker wiederum in der Männer-MC zu wirken. Bereits nach wenigen Tagen wurde P. Spieker verhaftet. Von da an sollte Köln die Hauptstätte des Wirkens von P. Quirl werden. 1940 gründete er dort die MC für Priester. Als er 1941 aus Köln durch die Gestapo ausgewiesen wurde, kam er für zwei Jahre als Kaplan nach Friesdorf bei Bad Godesberg. Von 1943-45 wirkte er als Kaplan und Krankenhausseelsorger in Bochum-Gerthe. Ab 1946 sehen wir ihn in Koblenz als Männerseelsorger und Beichtvater. Hier scheint es im Laufe der Zeit zu Schwierigkeiten gekommen zu sein, die schließlich 1950 zur Versetzung als Krankenhausseelsorger nach Köln-Ehrenfeld führten.

Im gleichen Jahr übernahm P. Quirl das Amt des Präses der Kölner Priester-MC. 1953 erfolgte die Versetzung in das Canisiushaus in Köln. Von hier aus hielt er unzählige Exerzitienkurse sowie Rekollektionen für Priester und Schwestern. Ab 1965 folgten viele Reisen ins Heilige Land und in die Länder des Nahen Ostens. Dort gab er Exerzitien bzw. begleitete Pilgergruppen. Durch längere Aufenthalte in diesen Ländern suchte er Linderung seines Rheumaleidens, das ihm seit einige Jahren zu setzte. Als seine Kräfte nachließen, erfolgte im Mai 1982 die übersiedlung ins Altenheim Haus Sentmaring in Münster.

Diese äußeren Lebensdaten zeigen einen vielbeschäftigten und eifrigen Seelsorger. Seine apostolischen Arbeiten forderten den ständigen Einsatz aller Kräfte. Daß P. Quirl sich nichts schenkte, zeigen allein schon die vielen schriftlich ausgearbeiteten Predigten, Exerzitien, Vorträge usw. Ja, er mußte sich zeitweise alles buchstäblich abringen. Bei seiner ausgedehnten Predigt- und Vortragstätigkeit konnte es nicht ausbleiben, daß er auch mit den Machthabern des 'Dritten Reiches' in Konflikt geriet. Die ersten Vorladungen zur Gestapo kamen bereits 1935.

Wo fand P. Quirl die Kraft zu alledem, aus welchen Quellen schöpfte er? Zeitlebens blieben es die Exerzitien des HI. Ignatius. Aus diesem Geiste zu leben, mühte er sich ein Leben lang und versuchte, sein Tun und Lassen von daher zu gestalten. Wie intensiv sein Ordensvater ihn beschäftigte, zeigen die Schriften, die er über ihn herausgab. Nachhaltiger zeugt davon sein Exemplar des Exerzitienbuches, das angefüllt ist mit in Kurzschrift verfaßten Notizen und Anmerkungen. Ignatius wies ihm den Weg zu einer tiefen und umfassenden Erkenntnis des Willens Gottes und einer vorbehaltlosen Hingabe an ihn. P. Quirl wurde nicht müde, alle die sich seiner Begleitung und Führung anvertrauten, beharrlich und konsequent diesen Weg zu führen. Gewiß, zuweilen etwas streng, aber stets in Güte. Sein Leben und Streben faßte er in einem kleinen Gebet zusammen, das ihm und vielen anderen in schweren Situationen Halt und Hilfe war: "Jesus, Du weißt es - Du liebst mich - Du willst es - Ich auch"

Und ein anderes Gebet: "Gott, die allweise, allmächtige Liebe vertut sich nie; sie handelt immer richtig"
Diese Gebete lassen etwas von seiner Persönlichkeitsstruktur ahnen. Er besaß einen Charakter, mit dem es nicht immer einfach war, umzugehen. Er hatte wohl selber am meisten daran zu tragen. Wer ihn aber näher kennenlernte, entdeckte unter der zuweilen etwas rauhen Schale ein grundgutes Herz. Gerade das zeigte sich in den letzten Jahren, als seine Kräfte zunehmend verfielen, immer deutlicher: seine Güte und Zuvorkommenheit. Er wußte sich in zunehmendem Maße von der allweisen und allmächtigen Liebe getragen, die ihn befähigte, 'die Treue zu bewahren' bis zum letzten Atemzug.

Seine letzte Ruhestätte fand P. Quirl auf dem Friedhof des Hauses Sentmaring in Münster.

R.i.p.

P. Josef Ortscheid SJ

Aus der Norddeutschen Provinz, 5/1985 - Oktober, S.111f