Bruder Alfred Reusch SJ
* 21. Juni 1913    21. März 2001
Eintritt 1936 - Letzte Gelübde 1947

Br. Alfred Reusch stammte aus dem Westerwald. Er wurde in Nentershausen (Diözese Limburg) am 21. Juni 1913 geboren. Von den acht Geschwistern starben zwei im Kleinkindalter.

Der Vater, Adam Reusch, war Bergmann im Erzbergwerk. Sein Geburtsort war Nentershausen. Mit 29 Jahren heiratete er die sieben Jahre jüngere Maria Anna, die aus Niederelbert stammte. Die Mutter starb mit 43 Jahren an Grippe und Lungenentzündung, als Alfred sieben Jahre alt war. Die älteste Schwester übernahm nun die Sorge für die Familie. Der Vater wurde wegen Asthma (damals Berufskrankheit) aus seiner Arbeit entlassen. Er starb 1926 im Alter von 56 Jahren, als Alfred 13 Jahre alt war.

Alfred besuchte im Heimatort die Volksschule. Er wollte Friseur werden, bekam aber keine Lehrstelle; so wurde er Schneider. In Görgeshausen machte er seine Lehre (1927-1930), die er mit der Gesellenprüfung abschloss.

In der Familie Reusch herrschte ein religiöser Geist. Oft wurde abends gemeinsam der Rosenkranz gebetet. Zur Pfarrei hatte Alfred sehr gute Kontakte. Er ging dort ein und aus, war ein verlässlicher Ministrant und immer dabei. Er betreute auch die Pfarrbücherei. Oft ging er abends nach dem Essen ins Pfarrhaus und holte sich den Schlüssel zur Seitentür der Kirche, betete dort und brachte den Schlüssel zurück.

Die Pfarrei pflegte immer am ersten Samstag im Oktober eine Wallfahrt nach Bornhofen zu machen. Die 50 km wurden zum großen Teil zu Fuß zurückgelegt. Alfred sorgte dafür, dass in Zukunft ein Kreuz mitgeführt wurde und auch ein Priester dabei war. 1933 bekam die Gemeinde einen Kaplan.

Die Schönstatt-Bewegung begeisterte auch Alfred. Er war häufig dort und verehrte das Marienbild der "mater admirabilis".

Im Jahre 1935 hielten die Redemptoristen in Nentershausen eine Missionserneuerung. Gespräche mit den Patres brachten für Alfred die Berufsklärung. Er entschloss sich zum Ordensstand. Der Pfarrer war nicht überrascht. Er sagte: "Das habe ich längst erwartet." Die Frage war nur wohin? Zu den Franziskanern (Bornhofen), zu den Pallottinern (Schönstatt), zu den Redemptoristen?

Der Pfarrer brachte die Entscheidung. Er hatte in St. Georgen, Frankfurt, studiert und empfahl die Gesellschaft Jesu. Am 25. Juli 1936 trat Alfred zu 's-Heerenberg (NL) bei Emmerich in das Noviziat ein. Am gleichen Tag kam auch Br. Friedrich Barbian aus Essen. Novizenmeister war P. Wilhelm Flosdorf.

Am Ignatiusfest 1938 band er sich in den Ersten Gelübden fest an den Orden. Am 7. November 1939 wurde er mit Br. Barbian nach Valkenburg versetzt. Auch dort war er in der Schneiderei, in der Wäschekammer und Sakristei tätig.

Am 15. Januar 1942 wurde er zum Militär eingezogen und in einer Luftnachrichteneinheit in Frankreich eingesetzt. Bereits am 4. Mai 1943 wurde er als Mitglied des Jesuitenordens aus der Wehrmacht entlassen.

Am 15. Mai 1943 kam er zum Pfortendienst nach St. Georgen, Frankfurt, bis das Pfortenhaus am 22. März 1944 durch Fliegerangriff ausgebombt wurde. Nach kürzerem Aufenthalt bei den Heiligenstädter Schulschwestern kam er Ende Juni 1945 nach Haus Sentmaring in Münster. Er bediente die Pforte, war als Schneider tätig und half auch beim Aufbau des durch den Krieg leicht beschädigten Hauses. Am 15. August 1947 vollzog er die Feier der Letzten Gelübde, die P. Rektor Deitmer entgegennahm.

Neben kürzeren Aufenthalten in Dortmund, Essen und Köln waren St. Georgen in Frankfurt und Haus Sentmaring in Münster die Orte, in die er mehrmals für längere Zeit gerufen wurde. Immer lautete der Auftrag: Pforte, Schneiderei, Lingerie und Sakristei.

Am 2. Januar 1984 kam er von Frankfurt aus ein letztes Mal nach Münster. Im Katalog 1985 hat er den Titel "Orat pro Soc." So blieb es 17 Jahre lang bis zu seinem Tod am 21. März 2001.

Schon in Frankfurt wurde im Marienkrankenhaus ein Leberschaden festgestellt und behandelt. Auch die Wirbelsäule machte Probleme. Im Frühjahr 1985 brachte eine Kur in Bad Reichenhall keine bleibende Hilfe. So musste er sich mit den Abnutzungsbeschwerden des Alters anfreunden. In den letzten Jahren war er mehrfach dem Tode nahe, aber seine relativ zähe Natur ließ ihn überraschend wieder zu Kräften kommen, auch als seine Bronchitis bedrohlich wurde.

Sein Gedächtnis war noch lange Jahre außergewöhnlich gut. Sein Gehör dagegen ließ deutlich nach. Seine Gesichtszüge wurden im Laufe des Alterns immer feiner, immer schärfer und immer ausdrucksvoller. Seine ziemlich hohe Stirn zeugte von geistiger Regsamkeit. Seine geschickten Hände verrieten viele Talente. Seine Kleidung war immer sauber und korrekt, wie es sich für einen Schneider gehört. Er liebte es, mit Menschen jeden Alters und jeder Herkunft ins Gespräch zu kommen. Seine Neugier und seine Fähigkeit, sich auf andere, einzustellen, befähigten ihn für den Pfortendienst.

Zu den religiösen Übungen der Kommunität erschien er regelmäßig und treu. Seine gläubige Herzensgesinnung war die Basis seiner Hingabe an Gott.

Am Marienfest der Verkündigung des Herrn, 25. März, wurde er auf dem ordenseigenen Friedhof im Park von Haus Sentmaring bestattet.

R.i.p.

P. Otto Syré SJ

Aus der Norddeutschen Provinz,