P. Ernst Röttges SJ
8. Mai 1975 in Münster/Westf.

Ernst Röttges, 1917 in Alsdorf geboren, trat 1936 ins Noviziat 's Heerenberg ein. Der Zweimeter-Mann begann seine Kandidaturpredigt mit dem Vorspruch: Ich bin der gute Hirt. Wir lachten, aber in der Rückschau erkannte ich, wie bewußt der Spruch gewählt war. Er wollte Seelsorger werden, für die Menschen bestellt. 17 lange Jahre Ausbildung, 14 Jahre Professur sollten daran nichts ändern.

Wegen Kriegsuntauglichkeit konnte er von 1938 an in Pullach, Frankfurt und Büren das Studium der Philosophie und Theologie zu Ende führen. 1948 empfing er in Trier die Priesterweihe. Nach dem Terziat und ersten Seelsorgsarbeiten begann er 1948 in Rom sein Spezialstudium der Patrologie und Kirchengeschichte. Die Gregoriana bestätigte ihm durch ein Summa cum laude die wissenschaftliche Befähigung. Von 1953 an dozierte er in Frankfurt. Die Obern hofften, er werde nun dickleibige Bücher schreiben und faszinierende Vorlesungen halten. Aber dafür war sein schönes Fach den Hörern nicht aktuell genug, und für die wissenschaftliche Arbeit fehlt ihm einfach die physische Kraft.

Wer ihn näher kannte, wußte, wie oft er an schweren Herzattacken litt, die ihn zu Pausen und Kuren zwangen. Man sah ihm manchmal seinen Schwächezustand an, aber im Gespräch ließ er nichts von den Beklemmungen merken, die mit solchem Herzleiden verbunden sind. Es war erstaunlich, wieviele Menschen ein Gespräch mit ihm suchen. Er konnte zuhören und fragen. Vielen Studenten hat er zur Klarheit über ihren Beruf verholfen.

Wegen seiner Kontaktfähigkeit ernannte man ihn 1958, nach dem Austritt von P. Hausmann, zum Studentenseelsorger in Hannover. Die drei Jahre dort waren seine große Zeit. Gemeinschaften aus fünf Hochschulen, Gesprächskreise, Privatgespräche, aus denen Dauerverbindungen wurden, Geselligkeit, die für ihn immer auch Seelsorge war, Vorlesungen über Weltanschauung.

Nach dieser anstrengenden Zeit kehrte er nicht ungern nach Sankt Georgen zurück. Die Konkurrenz von Wissenschaft und Seelsorge ging weiter. Die Seßhaften im Haus bedauerten es, aber sicher wäre er ohne die Impulse, die er durch Vorträge, Predigten, Exerzitien, Kurse für berufstätige Frauen und anderes gab und empfing, nicht so gut über die Runden gekommen. Er wußte, daß ihm nur kurze Jahre für die Arbeit geschenkt waren und rechnete mit einem schnellen Herztod. Aber gerade er, der immer aktive, mußte seine entscheidende Bewährung in einer langen Passion vollenden.

1970 gab er die Arbeit in Frankfurt auf. In Lübeck hoffte er noch eine Weile in kleinerem Umkreis wirken zu können, aber bald kam die Übersiedlung nach Münster. Klinikaufenthalte konnten die Krankheit, eine Art multiple Sklerose, nur verzögern. Immer deutlicher wurde der Zerfall aller Kräfte, auch des Sehvermögens. Was ging in ihm vor bei dieser schwersten Probe seines Jesuitenlebens? Die Mitbrüder erfuhren bei ihren kurzen Besuchen weniger davon als der langjährige Vertraute, Pfarrer Atzert, dem er in Oberrad bei der Pfarrarbeit geholfen hatte und der ihm nun als guter Freund beistand.

Er zelebrierte zweimal mit P. Röttges auf dem Zimmer in der Klinik von Ahrweiler und hörte ihn immer wieder den Wunsch äußern, in Münster wie früher zelebrieren zu können. "Es lag ihm sehr viel daran aus der Tiefe seines Eucharistieglaubens". Als Pfarrer Atzert bei seinem letzten Besuch in Münster 50 Minuten lang im verdunkelten Zimmer mit dem Kranken sprach und betete, hatte er die Gewißheit: P. Röttges war sich klar, als Aufgabe zu haben, die Passionsmystik des hl. Paulus zu verwirklichen. - Besser kann ein Leben der Aktion nicht enden als in der Passion mit Christus, der aus ihr eine beata passio macht. P. Röttges starb am Himmelfahrtstag 1975.

R.i.p.

P. Eduard Syndicus SJ

Mitteilungen aus der Provinz, Nr. 4, Juli 1975, S.39