P. Emil Sauer SJ

P. Emil Sauer war am 17.11. zu einem Einkehrtag für Mütter und Frauen in seine alte Pfarrei St. Ignatius nach Frankfurt gefahren. Am 19. abends sollten die Großen Exerzitien der Novizen beginnen. Um früher zu Hause zu sein, wurde er in Haltern von Carissimus Kerkmann abgeholt. Kurz vor der Ortschaft Seppenrade, etwa 7 km vor Lüdinghausen, stand auf der rechten Fahrbahn ein unbeleuchteter Lastzug. Der Fahrer war von einem Überholer aufmerksam gemacht worden, dass die Schlusslichter des Anhängers nicht brannten. Er hatte sich davon überzeugt und wollte nun die Warnlaternen aufstellen. In diesem Augenblick geschah das Unglück. Carissimus Kerkmann konnte den abgestellten Lastzug erst erkennen, als es zu spät war. Er selbst kam mit einigen Schnittwunden und einem Brustbeinbruch davon. P. Sauer war sogleich bewusstlos, hatte aber keine besonderen äußeren Verletzungen. Unter den Passanten war auch ein Arzt, der ihn sogleich untersuchte und ihn im Krankenwagen nach Lüdinghausen begleitete. Auf der Fahrt ist P. Sauer dann seinen inneren Verletzungen erlegen.

Er war ein Sohn der Rhön, stammte aus einer armen Familie, verlor schon in früher Jugend seine Mutter. Das Studium in Fulda war nur unter großen Schwierigkeiten möglich. Nach seinem Abitur sollte er nicht zum Hochschulstudium zugelassen werden, weil die Gauleitung ihn als politisch nicht zuverlässig bezeichnete. Er studierte dann 2 Jahre im theologischen Konvikt in Fulda, trat am 22. April 1936 in 's-Heerenberg ins Noviziat ein, machte seine Studien in Pullach und Valkenburg, wo er am 30. April 1941 zum Priester geweiht wurde. Nach Ausbruch des Krieges war er als Kaplan in M.-Gladbach und später als Vertriebenenseelsorger in Aken an der Elbe tätig. Nach einem weiteren Jahr Theologie in Büren und dem Tertiat in Rottmannshöhe war er 5 Jahre als Kaplan in unserer Pfarrei in Frankfurt. Es folgten 2 Jahre Socius Magistri in Eringerfeld und 6 Jahre Minister in Bad Godesberg. Dort erlitt er einen Schlaganfall, von dem er sich nur schwer erholte. 3 Jahre war er dann Theologenspiritual am Rudolfinum in Trier, ehe er als Hausminister und Socius Magistri nach Ascheberg ins neue Noviziat kam. Er war gerne hier, aber nur einige Monate schenkte ihm der Herr noch, um ihn heimzuholen in sein Reich.

Von seiner Jugend an zeichnete P. Sauer eine schlichte und echte Frömmigkeit aus: Die Welt für Christu8 zu gewinnen, war er in seiner Jugend ausgezogen. Dafür hatte er, ohne sich zu schonen, gearbeitet. Die Seelsorge bei einfachen und unkomplizierten Menschen lag ihm am meisten. Diese Menschen spürten seine Geradheit und Hilfsbereitschaft. Ihnen gegenüber fühlte er selber sich auch am freiesten.

P. Sauer hat es nicht leicht gehabt im Leben und hat das Leben nicht leicht genommen. Er war ein demütiger und auch ein viel gedemütigter Mann. Ein Grundzug seines Wesens war die Treue. Treue gegen seinen Gott, dem er in Liebe und zuweilen in ängstlicher Gewissenhaftigkeit diente. Treue gegen sich selbst und seine Entscheidung zur Gesellschaft Jesu und Treue gegen die Menschen; die sich ihm anvertrauten. Ihnen half er mit ergreifender Opferbereitschaft, wie das viele Schreiben zu seinem Tode bezeugen. Wo er selbst ein wenig Wohlwollen fand, da öffnete sich sein sonst so verschlossenes Innere und antwortete er mit einem restlosen Vertrauen und einer Dankbarkeit selbst für Kleinigkeiten, die geradezu rührend war. Einer, der ihn gut kannte, schrieb bei seinem Tode: "Ich hatte ihn sehr gern, nicht wegen seiner großen Geistesgaben, nein, der Artikel ist überall billig zu kaufen, sondern wegen seiner Gerechtigkeit und unbestechlichen Ehrlichkeit.

Wir haben ihn am 22.11. bei unseren Mitbrüdern im Park von Haus Sentmaring begraben.

R.i.p.

Prof.Germ.Inf. Aus der Provinz, Nr. 7 Dezember 1964, S. 26