P. Josef Schütte SJ
5. August 1978 in Münster

P. Josef Schütte wurde am 2. November 1902 in Paderborn als Kind einer gläubigen katholischen Familie geboren. Nach dem Abitur begann er nach dem nötigen Praktikum das Studium des Bergbaus in Clausthal-Zellerfeld. Es mag sein, daß die Not der Zeit dabei mitgespielt hat, ganz sicher aber auch seine praktisch-technische Begabung. Schon am 10. April 1923 trat er indes ins Noviziat zu 's-Heerenberg ein. Es folgten von 1924-1927 das Studium der Philosophie in Valkenburg, dann 1927-28 das Interstiz in Breslau und die Theologie wieder in Valkenburg. Am 27. August 1931 wurde er zum Priester geweiht. Hierüber, wie auch über sein Biennium der Rhetorik in Valkenburg 1932-34 und das Terziat in Münster von 1934-35 ist jetzt nur noch wenig zu erfahren. Als Volksmissionar wirkte er in den Jahren 1935-48 von Hannover aus. Von 1938-1947 war er dort Superior und versah lange und sorgfältig das Amt des Volksmissionars. Damals bereits muß er mit der Arbeit als Beichtvater und vor allem als Konvertitenseelsorger begonnen haben, die bis in die letzten Jahre hinein seine wichtigsten Anliegen geblieben sind.

Viele Menschen, die ihn um Rat fragten, hat er mit unermüdlicher Geduld und ausdauernder Treue als kluger Ratgeber oft jahrelang begleitet. Von 1948-54 war er als Superior in Koblenz tätig - noch vor dem Aufbau der Kirche. Damals hat er P. Overhage den Rat gegeben, "schreiben Sie doch über die vorgeschichtlichen Funde", was dieser aufgriff und zur Freude von P. Schütte mit großer Ausdauer und Genauigkeit getan hat. Von 1954-1962 folgte nochmals ein Aufenthalt in Hannover, wo er als Minister und Missionar tätig war. Dann ging er nach Dortmund, das er als Minister aufzulösen hatte. Im August 1965 siedelte er als Operarius nach Koblenz über, wo er als Minister (1965-73) und Beichtvater sowie als Konvertitenseelsorger bis zum Schluß wirkte.

In den langen Jahren seines Priesterlebens hat P. Schütte eigentlich immer im Dienst der direkten Seelsorge gestanden. Besonders lieb waren ihm, wie bereits gesagt, Beichtdienst und Konvertitenarbeit. Mit vielen seiner Konvertiten - es müssen wohl an die 200 gewesen sein - stand er im Briefwechsel und manche hat er auch in den letzten Jahren noch besuchen können. Selbst von Koblenz aus veranstaltete er noch mehr oder weniger regelmäßige Treffen mit seinen Konvertiten, die er früher in Hannover gewonnen hatte. Er fuhr dann zu ihnen und hielt Vorträge und führte Gespräche. Damit hat er sich an verschiedenen Orten einen großen Freundeskreis erworben.

P. Schütte war den Mitbrüdern auch als "Naturfreund" bekannt, als Anhänger der gesunden und echten Lebensweise. Als Minister und Superior versuchte er in den betreffenden Häusern, die Mitbrüder von dieser einfachen und gesunden Lebensart zu überzeugen. Rohkost und andere Stoffe gehörten dazu, die er in großen Mengen einkaufte, was offenkundig nicht immer ganz glücklich war.

Zu seiner Familie hatte er bis zuletzt guten Kontakt. Im Alter hat er des öfteren seine Ferien oder doch einige Tage bei ihnen verbracht. Dann war er stets fröhlich und guter Dinge.

Nach einer Nierenoperation im September 1974, bei der man eine Geschwulst fand, wurden immer häufigere Erholungsaufenthalte auswärts nötig. Seine letzte Krankheit gründete indes in einer großen Schwäche. Er brauchte am Ende sehr starke Medikamente für das Herz. Diese Schwäche zeigte sich u. a. eben auch in seinen strapazierten Nerven; sie belasteten dazu auch seinen Kopf. Deswegen mußte er sich am Vorabend von Weihnachten 1977 in ein Krankenhaus in Vallendar begeben. Die Frau des dortigen Chefarztes war eine seiner Konvertitinnen. Die Alterserscheinungen und die Herzschwäche hatten diesen Krankenhausaufenthalt nötig gemacht; die Mitbrüder konnten die Sorge nicht mehr wahrnehmen. Bis Juli 1978 blieb er dort. Dann schien eine Übersiedlung nach Münster/Haus Sentmaring geraten. Am 6. Juli kam er dort an - eigentlich nur, um dort zu sterben. Die Umstellungsschwierigkeiten und die übergroße Herzschwäche führten zu seinem Tod in den frühen Morgenstunden des 5. August. Einige Tage vor seinem Tod wurde er von P. Rektor Linde mit den Sterbesakramenten versehen.

Angst und Einsamkeit haben P. Schütte mitunter bedrückt, traten jedoch in den letzten Monaten hinter einer wachsenden Ruhe sichtlich zurück. Bis zuletzt verfolgte er das Zeitgeschehen aufmerksam und war stets hilfsbereit. Im großen Park von Haus Sentmaring wurde er am Nachmittag des 8. August in Kreis seiner toten Mitbrüder beerdigt. Gott wird ihm seinen Einsatz für die vielen Menschen, die ihn schätzten und immer wieder besuchten, reichlich lohnen.

R.i.p.

P. K. Becker / P. Sozius

Aus der Norddeutschen Provinz, 5/1978 - Oktober, S. 82 f