Bruder Hubert Schulten SJ
* 19. Mai 1903 in Mettmann
1. Oktober 1999 in Münster

Am 1. Oktober 1999 verstarb in Münster das älteste Mitglied unserer Provinz im 97. Lebensjahr. Br. Schulten entstammte einer alten Bauernfamilie aus Mettmann bei Düsseldorf. Er wurde als viertes von acht Geschwistern geboren. Die älteste Schwester heiratete einen Landwirt und wurde Mutter von elf Kindern. Die zweite Schwester wurde Ordensfrau und starb nach 52 Ordensjahren. Der jüngere Bruder wurde Priester, verstarb aber bereits mit 48 Jahren. Hubert hat alle Geschwister lange überlebt.

Der Vater hatte den Wunsch geäußert, dass Hubert später den Hof weiterführen sollte. Doch dieser hatte bereits in früher Jugend den Wunsch, Priester oder Ordensbruder zu werden. Aus finanziellen Gründen musste er seinen Priesterwunsch aufgeben. Er engagierte sich schon früh in der Jugendarbeit und wurde dabei vom Pfarrer der Gemeinde unterstützt. Dieser war ein großer Freund des Ordens; er hatte in Innsbruck studiert. Er unterstützte Hubert, als er sich im Alter von 25 Jahren zum Eintritt in die Gesellschaft Jesu entschloss. Das entsprach zwar nicht den Plänen des Vaters, aber schließlich stimmte dieser seinem Wunsch zu. Erst später erkannte Hubert, wie schwer dem Vater die Zustimmung geworden war, denn dieser wusste, wie mühsam seinem jüngeren Bruder die Arbeit auf dem Hofe sein würde. Der Vater sollte Recht haben, denn der Hof musste nach mehr als 300 Jahren aufgegeben werden; die Familie blieb als Mieter.

Am 18. April 1928 begann Hubert in 's-Heerenberg sein Postulat und am 19. Oktober sein Noviziat. Zunächst kam er zu Br. Johannes Kreuzer in die Ökonomie, dann aber bald zu Br. August Spieker in den Garten. Der Garten blieb dann auch bis zum Lebensende in der Hauptsache sein Tätigkeitsgebiet. Im Jahr 1931 folgte er Br. Spieker, der zwischenzeitlich in Wolbeck seine Gartenmeisterprüfung abgelegt hatte, nach Münster. Es war geplant, dass auch Br. Schulten diese Prüfung machen sollte. Nun erkrankte Br. Anton Hillebrand in 's-Heerenberg und Br. Schulten musste zurück, um sich dort als Gehilfe von Br. Hillebrand zu betätigen. Br. Schulten schreibt in seinen Lebenserinnerungen, dass es in den nun folgenden viereinhalb Jahren der Zusammenarbeit mit Br. Hillebrand nie den geringsten Misston gegeben habe, trotz des Altersunterschiedes von 50 Jahren. "Er war mir ein Vorbild im religiösen Leben und auch bei der Gartenarbeit." Im Jahre 1935 wurde Br. Schulten die Leitung der Gartenarbeit übertragen und das verblieb so bis zur Aufgabe des Hauses im Jahre 1936. Im Winter 1932/33 erkrankte der bisherige 'Manuductor' (d.i. Begleiter der Postulanten), Br. Nikolaus Stark. Als dieser nach Frankfurt versetzt wurde, übernahm Br. Schulten das Amt des Manuductors und hatte es neun Jahre bis zu seiner Einberufung zur Wehrmacht inne. Im Jahre 1933 trat auch ich in den Orden ein, und Br. Schulten nahm mich als Manuductor "an die Hand" und führte mich in die äußeren Dinge des Ordens ein. So habe ich ihn stets in guter Erinnerung behalten. Was Br. Schulten von Br. Hillebrand sagte, das bestätigte er auch mir, 65 Jahre später, als er auf dem Sterbebett lag.

Im August 1936 musste er mit allen Bewohnern des Hauses das Bonifatiushaus verlassen und nach Hochelten umziehen, wo sich das Noviziat angesiedelt hatte. Es war nicht einfach, dort alle auf Vordermann zu behalten. Viele Novizen mussten auch in den Arbeitsdienst. Br. Schulten hatte aber großen Anteil an der Pflege der Gemeinschaft.

Zu Beginn des Jahres 1941 wurde Br. Schulten zur Wehrmacht einberufen, aber bereits im Spätherbst 1941 - aus den bekannten Gründen - wieder entlassen. Zwischenzeitlich war auch der Bruder von Hubert zur Wehrmacht einberufen worden, und der Vater war in großer Bedrängnis, den Hof zu versorgen. Der damalige Provinzial, P. Theodor Wulf, erlaubte Br. Schulten, den Eltern zu Hilfe zu kommen. Bis zur Heimkehr seines Bruders, im August 1945, verblieb er nun auf dem Heimathof. Mit den anderen Mitbrüdern, die um Mönchengladbach verstreut lebten, pflegte er gute Kontakte, monatlich trafen sich die Mitbrüder auf Einzelposten. Inzwischen war auch Hochelten wieder in die Hände des Ordens gelangt, und der neue Provinzial, P. Wilhelm Flosdorf, schickte den Heimgekehrten Br. Schulten nach dort. Das Gelände zeigte viele Kriegsspuren, und es galt, die Gräben einzuebnen und wieder in einen Kulturzustand zu verbringen. In Büren bemühte sich P. Friedrich Buuck 1946 um die Versetzung von Br. Schulten nach dort. Der neuen Kommunität kamen die gärtnerischen Kenntnisse von Br. Schulten sehr gelegen, da die Verpflegung der Kommunität in den ersten Jahren nach dem Krieg sehr schwierig war. Im Jahr 1950 zog Br. Schulten dann wieder in das geliebte Noviziat, zuerst nach Eringerfeld, dann nach Ascheberg und schließlich nach Münster. In Münster übernahm er von Br. Spieker die Sorge für den Garten und war darin mehr als dreißig Jahre tätig.

Br. Schulten war ein unermüdlicher Arbeiter. Bis zu seinem 93. Lebensjahr ließ er sich nicht davon abbringen, sich mit Hacke und Spaten zu betätigen, obwohl er sich in den alten Tagen kaum noch auf den Beinen halten konnte. Dreimal habe ich ihn im Garten um Hilfe rufen hören; er lag auf dem Rücken und konnte sich nicht wieder aufrichten. Einmal habe ich ihn aufgerichtet und er ging gleich wieder in die Knie und hackte weiter. Mit seiner Gesundheit hatte er durchweg keine Beschwerden. Vor fünf Jahren erlitt er aber einen kleinen Schlaganfall; dabei verlor er die Sehkraft des rechten Auges. Auch in der Klinik war ihm nicht mehr zu helfen. Da Hubert aber sehr lesefreudig war, musste er sich abends, wenn er sich die FAZ holte, eine Lupe zu Hilfe nehmen. Die Mitarbeiter der Industrie- und Handelskammer, deren Hochhaus an unser Gartengrundstück grenzt, hatten ihn beständig vor Augen, und er hat ihnen mit seinem Fleiß imponiert. Am Tage seiner Beerdigung mussten wir dort viele Gedenkbildchen ausgeben.

Br. Schulten hatte auch gute Kontakte zu anderen Ordensleuten in Münster. An allen Veranstaltungen des Ordensrates hat er teilgenommen. Auch ging er an jedem Sonntag zu Fuß zum Dom und war beim Hochamt dabei. Das hielt er durch, bis der Weg für ihn zu weit wurde. In den letzten drei Jahren wurde er zusehends schwächer, und er musste sich Hilfe in der Pflegeabteilung gefallen lassen. Sein Handwerkszeug hatte man ihm versteckt, sonst hätte er sich noch betätigt. Schließlich musste er sich bei Ausfahrten eines Rollstuhls bedienen. In den letzten Wochen wurde er so schwach, dass er das Bett hüten musste. Als P. Rektor Franz Schilling am Morgen des 1. Oktober vor der hl. Messe zu ihm hereinschaute, ging Br. Schulten heim zu Gott.

In seinen Lebenserinnerungen stellte er sich die Frage: "War Gott mit mir zufrieden? Ich weiß es nicht. Vieles tat ich oder unterließ ich, was ich heute wohl anders machen würde." Wir müssen Br. Schulten das Zeugnis ausstellen, dass sein Leben in jeder Hinsicht vorbildlich war. Er war ein Ordensmann, wie man ihn sich nicht besser vorstellen konnte. Typisch war für ihn auch eine Bemerkung in seinen Lebenserinnerungen: "Eines möchte ich noch sagen: Maria war von Jugend an mir Mutter und Führerin. Keine wichtige Entscheidung traf ich, ohne mich bei ihr zu beraten. Sie wird auch bei mir sein, wenn Gott mich zu sich heimruft." Dieser Wunsch ist sicher in Erfüllung gegangen.

"Wir danken Gott, dass Du unser warst und unser bist; denn wer immer heimkehrt zum Vater, der bleibt in der Gemeinschaft der Gotteskinder." (Hieronymus)

R.i.p.

Bruder Fritz Wellner SJ

Aus der Norddeutschen Provinz, 6/1999 - Dezember, S. 218ff