Bruder Nikolaus Stark SJ
22. August 1975 in Münster

Im September 1975 hat die Kommunität von Sankt Georgen in Frankfurt/Main eines ihrer treuesten Mitglieder verloren. Mehrere Jahrzehnte hat Br. Nikolaus Stark diesem Hause dienen dürfen und dort seine Erfüllung gefunden. Er selbst hat es so gesehen, und mit ebenso viel Dankbarkeit können die Mitbrüder das feststellen.

Geboren (17.2.1899) und aufgewachsen in Beckingen an der Saar hat Bruder Nikolaus Stark dort das Dreherhandwerk gelernt. Im Jahre 1921 trat er in 'sHeerenberg bei Emmerich in das Noviziat der Gesellschaf Jesu ein. Dem Noviziat folgte eine vierjährige Tätigkeit als Koch in St. Clemens in Berlin. Aus der turbulenten Weltstadt der zwanziger Jahre ging er 1927 wieder zurück an den Niederrhein. Br. Stark betreute jetzt den Speisesaal, aber noch wichtiger war ihm das Amt des Manuduktors, das er bei dem damals noch zahlreichen Brüdernachwuchs mit Eifer und Freude wahrnahm.

Die erste Hälfte seines Lebens war im wesentlichen von seinem Heimatort Beckingen und vom Noviziat in 'sHeerenberg bestimmt. Die zweite Hälfte gehörte Frankfurt. Auch hier wurde ihm eine mehr äußerliche Tätigkeit übertragen und eine andere, die für ihn vor allem spirituellen Charakter hatte. Konkret, Br. Stark war einerseits für die Raumpflege im Seminar verantwortlich und andererseits Sakristan, beides mit großem Fleiß und zur allseitigen Zufriedenheit. Doch damit ist noch nicht alles gesagt. Sakristei und Kapelle waren der Ort seiner Hingabe. Dort konnte man ihn eigentlich immer finden, betend oder arbeitend.

Die in der Sakristei anfallende Arbeit wollte er nicht nur tun, sondern auch verstehen, so daß er angesichts vieler liturgischer Neuerungen in den letzten Jahrzehnten den Rektoren, Ministern und Liturgiepräfekten manche unbequeme Frage stellte, getragen von einer tiefen kirchlichen Gesinnung. Die Befragten wußten, daß sie an ihm einen besorgten und zugleich völlig zuverlässigen Mitarbeiter hatten.

Aus Sorge für die Kirche interessierte er sich für die Studenten der Hochschule, zumal für deren Frömmigkeit, denn ihm lag daran, daß die Gemeinden gute Priester erhielten. Mit seiner Heimatgemeinde Beckingen und deren jeweiligem Pfarrer stand er zeitlebens in lebendigem Kontakt. Diese Gemeinde hat ihn zu seinem Goldenen Ordensjubiläum eingeladen, mit ihr zusammen eine Lourdes-Wallfahrt zu machen, die dann auch zu einem der großen Erlebnisse seiner letzten Jahre wurde.

Als vor einigen Jahren der behandelnde Arzt einen Herzschrittmacher empfahl, kam dieser Vorschlag für Br. Stark nicht überraschend. Seit gut zwanzig Jahren hatte jeder neue Arzt in Sankt Georgen ihm stärkere Herzmittel verschrieben. Der Mann von kleiner knochiger Gestalt hatte sich immer verausgabt, wußte das auch und wollte darin von niemand gehindert werden. So gut es ging, blieb er bis in sein letztes Lebensjahr hinein ein Mann der Arbeit und des Gebetes. Als Br. Stark im Juni 75 nach längerem Krankenhausaufenthalt offiziell zur Erholung nach Münster fuhr, war ihm klar, daß das seine letzte Fahrt sein würde und in aller Gläubigkeit hat er das auch ausgesprochen.

Als Gott ihn dann am 22. August 1975 in sein ewiges Reich rief, wußten viele, daß wieder jemand von der Generation der Männer gestorben ist, wie sie die Gesellschaft Jesu in Deutschland allem Anschein nach sobald nicht wieder erhält.

R.i.p.

P. Hans-Otto Husmann SJ

Aus der Provinz, Nr. 1 - Februar 1976, S. 12f