P. Willem Bernardus Steenbeke SJ
17. Februar 1981 in Lingen/Ems

Willie B. Steenbeke wurde am 17. Juni 1911 im niederländischen Enschede als jüngster von 3 Brüdern geboren. Folgende Schritte bestimmten seinen Lebenslauf:
1932 machte er das altsprachliche Abitur am Städtischen Gymnasium in Enschede; dann durchlief er die Ausbildung zum Lehrer; 1934 legte er das Staatsexamen ab. Am 8. September 1935 trat er in die Gesellschaft Jesu ein. 19381941 absolvierte er die Philosophie am Collegium Berchmanianum in Nijmegen. 1941/42 folgte das Interstiz. 1942-46 studierte er die Theologie am Canisianum in Maastricht. Am 22. August 1945 wurde er in Maastricht, St. Servaaskirche, zum Priester geweiht. Unmittelbar nach der Theologie ging er ins Tertiat nach Nijmegen. Danach war er von 1947 bis 1950 stellvertretender Rektor an der ordenseigenen philosophischen Fakultät in Nijmegen und Scholastiker-Minister. Danach bestimmte man ihn zum Spiritual im Noviziatshaus Grave. Von 1951-1956 war er Exerzitienmeister in Spaubeek, von 1956-62 in Vught, dann von 1962-66 wiederum in Spaubeek. Am 2. Februar 1966 ereilte ihn ein erster Herzinfarkt, ein Zeichen seiner allgemein schlechten körperlichen und psychischen Verfassung. Nach einer ersten Erholungszeit siedelte er am 14. April zur weiteren Rekonvaleszenz nach Flensburg über und gehörte von da ab zur Residenz Lübeck. Am 2. Dezember 1968 wechselte er nach Gut Hange im Emsland. Seit Sommer 1973 war er der Niederdeutschen, dann der Norddeutschen Provinz appliziert und gehörte zu Haus Sentmaring.

Was sich hinter diesen trocken anmutenden Daten verbirgt, erläuterte ausführlich P. Hans Kugelmeier, der ihn lange Jahre kannte und mit ihm befreundet war:
"Als ich P. Steenbeke zum erstenmal begegnete, sah ich einen schwer angeschlagenen Mann, der an den Folgen einer noch nicht ganz überwundenen Psychose litt. Sie war bei diesem äußerst sensiblen Menschen durch die Entwicklung in der niederländischen Kirche ausgelöst worden. Er glaubte, in Deutschland besser leben und arbeiten zu können, und so kam er in unsere Residenz von Lübeck, wo er sich unter der Obhut des damaligen Ministers, P. Fritz Vorspel, eines Vetters 2. Grades mütterlicherseits, zu erholen begann. Er fühlte sich im Lübecker Haus und in der vom Mittelalter geprägten Stadt wohl, und so blieb er seinem Wunsch gemäß diesem Haus noch zugeschrieben, als er schon längst nach Gut Hange im Emsland übergesiedelt war.

Als sich seine Gesundheit genügend gefestigt hatte, konnte er in Flensburg am Malteser-Kinderheim der Aachener Schervier-Schwestern die Stelle des Hausgeistlichen übernehmen. In kurzer Zeit hatte er das Vertrauen der aus schwierigen sozialen Verhältnissen stammenden Jugendlichen gewonnen. Sie spürten, daß er ganz für sie da war. Viele Kinder hatten von dem hoch über der Förde gelegenen Heim einen weiten Schulweg. So knüpfte P. Steenbeke mit der örtlichen Zeitung Kontakte, und bald hatte er durch seine geschickten Publikationen die nötige Zahl von Fahrrädern zusammen, um alle Wünsche befriedigen zu können. Vom ersten Tag an nahm er sich der Pflege eines jugendgemäßen Gottesdienstes an, wobei ihm seine hohe musikalische Begabung zugute kam. Er spielte Gitarre und gab auch Gitarrenunterricht, aber er verlor sich darin nicht, sondern hatte immer das seelsorgliche Ziel vor Augen. Viele größere Jugendliche wählten ihn als Beichtvater und erhielten von ihm eine feste Führung. Es war übrigens erstaunlich, wieviele frühere Exerzitanten ihn in Deutschland aufsuchten, um bei ihm zu beichten und ihre Angelegenheiten mit ihm zu besprechen.

Es gelang ihm auch in Flensburg, das ja nur 4% Katholiken hat, recht bald, ökumenische Verbindungen zu knüpfen, die noch lange Jahre über seinen dortigen Aufenthalt andauerten. Die neue Aufgabe in Gut Hange führte ihn wieder zur Jugend. Hier hatte er es mit den Schwestern und Frauen des Altenheims, vor allem aber mit den Schülerinnen der landwirtschaftlichen Fachschule, der Hauswirtschaftsschule mit Aufbauklassen und der Dorfhelferinnenschule zu tun. Beim Religionsunterricht kamen ihm seine gründlichen theologischen Kenntnisse zugute, die er durch ständige Lektüre von Neuerscheinungen und theologischen Zeitschriften vertiefte. Es war ein Genuß zu hören, wie er schwierige theologische Gedankengänge verständlich darstellte, und das in einer ihm fremden Sprache. So war sein Unterricht sehr geschätzt. P. Steenbeke hatte ein Gespür für die gesunde katholische Lehre, für die er ohne Furcht eintrat. Mit welcher Sorgfalt hat er nach einem Pfarrer für den Religionsunterricht bei den evangelischen Schülerinnen gesucht! Zu Unrecht hat man ihn als einen extrem konservativen Mann angesehen.

Wenn P. Steenbeke eine gute Stunde hatte, konnte er ein Feuerwerk von Bonmots und Anekdoten abschießen, die er mit einer Mimik begleitete, die einem Schauspieler alle Ehre gemacht hätte. Im Emsland hatte er auch Gelegenheit, die Liebe zu seiner Familie zu betätigen, die mütterlicherseits aus Schöppingen an der deutsch-holländischen Grenze stammte. Die kindliche Pietät, die er bei seinem silbernen Priesterjubiläum seiner hochbetagten Mutter entgegenbrachte, hat auf die vielen Teilnehmer an dieser Feier einen tiefen Eindruck gemacht. Wenngleich er sich auch gelegentlich der wirtschaftlichen Nöte in seiner großen Familie annahm, so blieb er doch in erster Linie der Seelsorger, auch für seine Familie. Wie hat er doch seine Mutter auf den Tod vorbereitet!

P. Steenbeke hat in seinem Leben viel gelitten, und er schämte sich auch als Mann der Tränen nicht. Die Entwicklung der kirchlichen Verhältnisse in seiner niederländischen Heimat hat er mit großer Sorge begleitet. In den schwersten Monaten stand ihm P. Otto Pies helfend zur Seite, und er äußerte einmal, daß er ohne diesen die Krise wohl nicht überstanden hätte. Die unglaubliche körperliche und seelische Sensibilität erklärt manche Eigentümlichkeit seiner Lebensweise; aber er war kein Hypochonder. Von früher Jugend an hat P. Steenbeke gern und viel gebetet, und er hat mit einer an Ängstlichkeit grenzenden Treue an seinen Gebetsübungen festgehalten. Er bereitete seine tägliche Meßfeier sorgfältig vor, und seine innere Andacht zeigte sich auch im äußeren Vollzug."
Soweit die Schilderung von P. Hans Kugelmeier.

Als P. Steenbeke die ersten Anzeichen der Todeskrankheit herannahen fühlte, stellte er sich nüchtern dieser Tatsache und bereitete alles mit der ihm eigenen Sorgfalt für seinen Heimgang vor. Er stand vor einer Prostata-Operation. Bevor es jedoch dazu kam, überraschte ihn ein Herzinfarkt und setzte seinem Leben in den Abendstunden des 17. Februar ein rasches, friedvolles Ende. Seine letzte Ruhe fand er - wie es sein ausdrücklicher Wunsch gewesen war - auf dem Friedhof von Haus Sentmaring in Münster. Beim Requiem war die Kapelle überfüllt. Der Bischof von Osnabrück drückte seine Teilnahme durch die Entsendung eines Vertreters und durch ein persönliches Schreiben an P. Rektor Ortscheid aus. Darin sagt er u.a.: "Durch seine vom Glauben geprägte Lebensführung, seine Bescheidenheit und durch sein von der Liebe beseeltes priesterliches Wirken war P. Steenbeke sehr geschätzt und sein Dienst dankbar angenommen. Durch die verschiedenen Einrichtungen in Gut Hange begegnete er vielen Menschen, jungen und alten. Allen wandte er sich zu mit der Liebe des Guten Hirten und mit einer pastoralen Verantwortung, die er sehr ernst nahm. Das Bistum Osnabrück ist dem Verstorbenen für die 15 Jahre seines Wirkens in der Diözese zu großem Dank verpflichtet."

R.i.p.

P. Karl Heinz Fischer SJ

Aus der Norddeutschen Provinz, 2/1981 - April, S. 53 f