P. Josef Steffens SJ
* 29. Oktober 1930    15. Februar 2000
Eintritt 1951 - Priesterweihe 1962 - Letzte Gelübde 1965

"... in die Arbeit des Dienstes, zum Aufbau des Leibes Christi."
(Eph 4,12)

Josef Steffens wurde am 29. Oktober 1930 als drittes von insgesamt acht Kindern, vier Mädchen und vier Jungen, in Saarburg bei Trier geboren. Sein Vater Gotthard Josef, der aus Manderscheid in der Eifel stammte, war Postbeamter. Seine Mutter Anna geb. Reinert stammte aus Saarburg bei Trier.

Josef war ein sportlicher Typ, ein ausgezeichneter Geräteturner, einer, der gern Ski, Schlittschuh und mit den Rollschuhen fuhr, der gern Schwimmen ging und dessen Leistungen bei Schulsportwettkämpfen oft im Kreisblatt nachzulesen waren. Josef war ein Draufgänger, der sich manche Blessuren durch Experimentieren mit Granatpulver, beim Schlittschuhlaufen auf dünnem Eis und einer Schlittenfahrt bäuchlings gegen einen Tannenbaum zuzog. Er bastelte sich einen Schaltkasten und experimentierte mit Motoren und Detektoren. Er hatte Broschüren, um Flugzeugmuster und Waffengattungen bestimmen zu können. Den Glauben an den Endsieg hat ihm dann aber die amerikanische Artillerie auf der Wikinger Kupp, als er zwischen Leichen Deckung suchte, gründlich ausgetrieben. Der älteste Bruder Franz kam mit 17 1/2 Jahren (1945) nicht mehr aus dem Krieg zurück. So erlebte Josef mit seiner Familie den Aufstieg und das verheerende Ende des Drittens Reiches.

Nach dem Krieg wurde Josef Gruppenführer in der Pfarrjugend und machte Exerzitien bei P. Karl Zander SJ. Befragt, ob es P. Zander gewesen sei, der ihm den Weg in die Gesellschaft Jesu gewiesen habe, verneinte er energisch. Er erwähnte statt dessen den ehemaligen Religionslehrer, Dr. Chevalier, einen alten Germaniker, der eine so hohe Meinung von den Jesuiten hatte, dass er meinte, die Patres in Rom hätten alle heilig gesprochen werden können.

Der Hauptgrund für seine religiöse Aufgeschlossenheit und die Berufung zum Ordensleben liegt aber wohl in der Familie, die ihn durch ihren Zusammenhalt und gerade auch in den schweren Jahren durch die bewusste Teilnahme am religiösen Leben der Gemeinde, prägte.
Während der Kriegsjahre wurde die Familie zwei Mal zwangsevakuiert, einmal nach Birkenbringhausen an der Eder und dann nach Sehlem, Kreis Wittlich. Damit verbunden war für ihn ein mehrfacher Schulwechsel.
Von 1937 bis 1939 und von Juni 1941 bis März 1942 besuchte er die Volksschule in Saarburg. Sein Abgang von dieser Schule hatte folgenden Zeugnisvermerk: "Schüler ist strebsam und gut talentiert. Reif zum Besuch der Oberschule."

Über die Kriegs- und Nachkriegsjahre wäre viel zu schreiben. Eines aber ist hervorzuheben, dass er für die Familie eine große Stütze, für seine Eltern ein guter Sohn und für seine jüngeren Geschwister ein hilfsbereiter Bruder war.
Im September 1950 verstarb nach kurzer, schwerer Krankheit die Mutter, zu der er eine innige Beziehung hatte. Sein Vorhaben, nach dem Abitur in die Gesellschaft Jesu einzutreten, ein Weg, der ihn schon seit der Untersekunda beschäftigte, war mit der Mutter abgesprochen. Zur Stiefmutter (1955) gewann Josef ein gutes Verhältnis, das über den Tod des Vaters (1958) erhalten blieb.
Die tiefe Verbundenheit mit den Geschwistern und der Heimat zeigte sich in den Briefen, die zum Teil noch vorliegen und in den Besuchen, die er, soweit möglich, immer wieder machte.

Nach dem Abitur am Staatlichen Neusprachlichen Gymnasium in Saarburg trat er im gleichen Jahr, am 13. September 1951, in das Noviziat der Gesellschaft Jesu, das damals in Eringerfeld/Westfalen war, ein. Während des Noviziates hat er wohl als Experiment einen Monat in der Zeche Wattenscheid gearbeitet. Eine nachfolgende Lungentuberkulose, die er in einem Sanatorium auskurierte, beeinträchtigte vorübergehend sein Studium.

Während des Juniorats in Tisis bei Feldkirch studierte er klassische Sprachen. Daran schloss sich das ordensübliche Philosophiestudium in Pullach bei München an, wo er seine große Neigung zur und Freude an der Philosophie entdeckte. Gerne wäre er auf dieser Spur geblieben, aber er sollte später einmal in der Seelsorge eingesetzt werden. So kam er für die Zeit des Interstizes von 1957 bis 1959 als Erzieher an das Gymnasium der Jesuiten in Büren. Die Theologie studierte er in Frankfurt, St. Georgen und schloss es mit dem Lizentiat ab. Seine Lehrer waren dort u.a. die Patres Heinrich Bacht, Johannes Hirschmann und Hubert Koffler. Die Diakonenweihe empfing er am 26. März 1962 durch Weihbischof Walther Kampe aus Limburg. Am 4. September 1962 wurde er im Dom zu Frankfurt durch Bischof Wilhelm Kempf aus Limburg zum Priester geweiht. Sein Primizspruch bezeichnete das Verständnis seines Lebens und seiner Sendung: "In die Arbeit des Dienstes, zum Aufbau des Leibes Christi." (Eph 4,12) Bis zuletzt ist er diesem Wahlspruch treu geblieben.

Von 1963 bis 1964 machte er sein Tertiat in Münster, obwohl er es gern im Ausland gemacht hätte.
1964 wurde er als Stadtmännerseelsorger nach Frankfurt zu P. Hans von Schönfeld destiniert. In dieser Zeit war er ständiger Mitarbeiter der Zeitschriften "Der Männerseelsorger", "Mann in der Kirche" und "Mann in der Zeit".

Mit Beginn des Schuljahres 1968/69 wurde er als Religionslehrer an die St.-Ansgar-Schule in Hamburg versetzt. Durch seine Fröhlichkeit und profunden Kenntnisse in Philosophie und Theologie erwarb er sich Achtung bei Lehrern und Schülern. In fast keiner seiner Unterrichtsstunden fehlten audiovisuelle Hilfsmittel, deren Einsatz er meisterhaft beherrschte. Das Material dafür besorgte er sich aus Hamburgs Bibliotheken und er fotografierte selbst sehr viel. Er hatte auch viel Freude an der Poesie und konnte ganze Passagen aus beiden Teilen von Goethes Faust auswendig.

Zehn Jahre später wurde ihm 1979 die Leitung der St.-Michael-Gemeinde in Göttingen übertragen. Mit großem Engagement begleitete er den Neubau des Pfarrzentrums und der Renovierung der Kirche. Die Gemeinde bereitete er in ausführlichen Pfarrbriefen auf das Verständnis des Kirchenraumes, von Kunst und Religion vor, wie sie durch das 2. Vat. Konzil nahegelegt wurden. Bei diesen Aufgaben konnte sich sein Organisationstalent und gutes Urteil in den praktischen Dingen voll entfalten. Im Jahre 1985 plante der Provinzial, in Absprache mit Bischof Homeyer, P. Steffens eine neue Aufgabe zu übergeben. Dies war für ihn sehr schwer zu verkraften, da er gerne in Göttingen geblieben wäre. Nach einem langen Briefwechsel und verschiedenen Gesprächen wurde er 1986 zur "Offenen Tür" nach Hamburg versetzt. Viele ehemalige Gemeindemitglieder hielten aber noch weiterhin Kontakte zu ihm.

In der "Offenen Tür" war er dann zwei Jahre lang tätig, machte aber schon bald immer wieder Vertretungen auf der Insel Sylt, da der dortige Pfarrer erkrankt war. Als dieser am 16. Mai 1988 starb, bot sich P. Steffens an, für eine Übergangszeit die Seelsorge dort, bis ein neuer Pfarrer ernannt würde, zu übernehmen. In diesem Jahr als Inselpastor hat er sich die Liebe und Hochachtung vieler Pfarrangehöriger und Kurgäste erworben. Dort fühlte er sich sehr wohl, und immer wieder zog es ihn dort hin. Auf Sylt gewöhnte er es sich wohl auch an, bis in den November hinein in der Nordsee baden zu gehen. Uns flößte dies einen großen Respekt ein, aber es machte ihm wohl immer Freude, sich sportlich, auch in Extremen, zu betätigen. Dazu gehörte auch seine Besteigung des Matterhorns, die er zwar mit einem Bergführer machte, die aber ohne beständiges eigenes sportliches Training nicht denkbar gewesen wäre.

Danach war er für zwei Jahre Krankenhausseelsorger im Allgemeinen Krankenhaus in Hamburg-Altona und gleichzeitig Subsidiar in der Herz-Jesu-Gemeinde in Hamburg-Hamm. Schließlich wurde er 1992 nach Dresden versetzt. Hier wartete auf ihn eine neue herausfordernde Tätigkeit als Seelsorger in verschiedenen Krankenhäusern dieser Stadt. Die Wiedervereinigung Deutschlands hatte diesen ungewöhnlichen Schritt möglich gemacht. Zu Anfang musste er sehr schmerzhaft erkennen, welche Spuren das atheistische System der DDR bei den Menschen, bei den Ärzten, Schwestern und den Patienten hinterlassen hatte. Trotzdem besuchte er unermüdlich Kranke und Sterbende. Auch wenn er Ablehnung bei manchen erlebte, fragte er sie freundlich: "Darf ich denn für Sie beten?" Und dieser Frage haben nur wenige widerstehen können.

Mit Klarheit und Großzügigkeit diente er - wie vorher schon - den Mitbrüdern als Minister und sorgte für ein neu renoviertes und gastfreundliches Haus. Täglich war aber auch eine Zeit für das Studium eingeplant. Die alten Philosophen, oft im Urtext gelesen, die Bücher des großen Theologen Hans Urs von Balthasar und die Musik waren seine täglichen Begleiter. Erstaunt fanden wir noch in seinem Nachlass Zeugnisse seiner langen Beschäftigung mit Jeanne d'Arc. Im Jahr 1998 stellten sich starke Schmerzen im Rücken ein. Woher diese Schmerzen wirklich kamen, wurde ein Jahr lang nicht richtig diagnostiziert. Die Ärzte in Dresden behandelten seine Wirbelsäule und die Schmerzen, konnten aber keine Besserung seiner Beschwerden erreichen. Erst eine gründliche Untersuchung durch einen befreundeten Arzt in Herne im Juni 1999 brachte zutage, dass er Bauchspeicheldrüsenkrebs hat.
Ein bekannter Pankreas-Spezialist in Mannheim operierte ihn. Für die Nachbehandlung und die nötige Betreuung und Pflege bot sich seine Schwester Marfried Schwering in Wesel an, der ein Arzt und ein Pfleger zur Seite stand. So kam Josef nach Wesel. Von hier aus machte er dann auch die sehr anstrengende Chemotherapie. Leider brachten all diese Bemühungen keinen Erfolg. Mit dem Mut der Verzweiflung kämpfte P. Steffens um eine Rückkehr nach Dresden. Im Sommer 1999 träumte er noch davon, zu Weihnachten wieder in Dresden zu sein, um wenigstens teilweise seine bisherige Arbeit wieder aufnehmen zu können. Aber all diese Hoffnungen zerschlugen sich, bis er schließlich doch seinen letzten Weg antreten musste.

Trotz großer äußerer Entfernung haben wir tröstlich erleben dürfen, wie Josef, der durch seine Schwerhörigkeit sicher oft einsam gewesen ist, die Verbindung zu uns suchte und noch viele ganz persönliche Briefe, auch über seine geistlichen Erfahrungen, schrieb. Ganz neu entdeckte er, was es bedeutete, mit seinen Geschwistern und seinen Mitbrüdern in herzlicher Liebe im dreifaltigen Gott verbunden zu sein. Das war keine abstrakte Idee mehr, sondern ganz lebendige und tröstliche Wirklichkeit für ihn geworden.

Am Abend des 15. Februar 2000 wurde er in Wesel von seinem Herrn, dem er als Gefährte Jesu gedient hatte, heimgerufen. Seine letzte Ruhestätte fand er am 21. Februar auf dem Friedhof von Haus Sentmaring in Münster. Wir sind sehr dankbar für seinen treuen Dienst.

R.i.p.

P. Christoph Kentrup SJ, ergänzt aufgrund weiterer Informationen von P. Josef Ullrich SJ

Aus der Norddeutschen Provinz,